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The World's End
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
The World's End
Von Andreas Staben

Neulich mussten sich Seth Rogen und Jay Baruchel in „Das ist das Ende“ mit einigen Kumpeln in James Francos Haus in Los Angeles verschanzen und dem Weltuntergang entgegenstemmen. Nun folgt die britische Variation zu der unwahrscheinlichen Kombination aus Buddy-Comedy und Apokalypse-Albtraum, aber trotz des ähnlichen Titels „The World's End“ hat der neueste Streich des Kulttrios Edgar Wright, Simon Pegg und Nick Frost nicht sehr viel mit der zotigen Selbstbespiegelung der Hollywood-Kollegen zu tun. Sein Abschluss der inhaltlich nicht zusammenhängenden „Blut und Eiscreme“-Trilogie ist ein ganz anderer, dabei höchst origineller und amüsanter Film über Freundschaft im Ausnahmezustand – und er ist durch und durch englisch. Nachdem Regisseur Wright („Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“), sein Co-Drehbuchautor und Hauptdarsteller Pegg („Star Trek“) und dessen kongenialer Sidekick Frost („Attack The Block“) mit „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ bereits dem Zombiefilm sowie dem Cop-Thriller einen ganz eigenen irre lustigen Dreh gegeben haben, nehmen sie sich dieses Mal die Alien-Invasions-Science-Fiction vor. Dabei ist die Genre-Hommage wieder tief im englischen Alltag verwurzelt und hier nun in eine erstaunlich emotionale Geschichte über das fatale Verharren in der Vergangenheit eingebettet. „The World's End“ ist vielleicht nicht ganz so brüllend komisch und temporeich wie „Hot Fuzz“, aber auch er strotzt nur so vor cleveren Anspielungen, verspielten Einzelheiten und witzigen Einfällen.

Gary King (Simon Pegg) ist um die 40, hat ein Alkoholproblem und lebt in der Vergangenheit. Unbedingt will er noch einmal eine „Goldene Meile“ genannte Sauftour im heimatlichen Newton Haven unternehmen, die er mit seinen Freunden als Teenager 1990 nicht zu Ende bringen konnte. Die alten Kumpel in London, die Gary seit Ewigkeiten nicht gesehen haben, stehen längst mitten im bürgerlichen Leben und sind alles andere als begeistert von der Idee, doch dann lassen sich Autoverkäufer Peter (Eddie Marsan), Architekt Steven (Paddy Considine), Immobilienmakler Oliver (Martin Freeman) und Garys einst bester Freund, Anwalt Andy (Nick Frost), doch breitschlagen. Die „fünf Musketiere“ treffen sich an einem Freitagnachmittag in Newton Haven, um in zwölf verschiedenen Pubs jeweils einen Pint Bier zu trinken. Der Weg bis zum „World's End“, der letzten Etappe auf ihrer Tour erweist sich jedoch als weitaus schwieriger als angenommen. Zunächst taucht Olivers Schwester Sam (Rosamund Pike) auf, für die sowohl Steven als auch Gary schon seit langem schwärmen, und dann gerät dieser auf dem Herrenklo in eine gewalttätige Auseinandersetzung mit einem ungewöhnlichen Jugendlichen: Aus der Kneipentour wird ein apokalyptischer Horrortrip.


Die Fans von „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ werden nicht nur Spaß daran haben, wie eine gewisse Eissorte dieses Mal untergebracht wird, sondern schnell einige andere Markenzeichen der Trilogie wiedererkennen. Das geht schon mit der von Simon Peggs Erzählerstimme begleiteten virtuosen Home-Movie-Montagesequenz über den jugendlichen Fehlversuch los, die Goldene Meile zu absolvieren. Und wenn dann die anderen Protagonisten als Erwachsene eingeführt werden, gehen Witz und Figurenzeichnung ideal zusammen (wenn etwa Peters Vater im Autosalon auftaucht, sprechen die Reaktionen Bände). Bemerkenswert ist, dass Gary nicht etwa als liebenswerter Loser erscheint, sondern als in vermeintlich besseren Zeiten hängengebliebene verantwortungslose Nervensäge. Die Spannungen zwischen dem Nostalgiker mit Scheuklappen und den längst erwachsen gewordenen Freunden, die sich mit ganz anderen Problemen herumschlagen müssen, werden mit leichter Hand präsentiert, aber die Pointen zielen nicht immer und nicht nur auf den schnellen Lacher. Auch tiefsitzende Frustrationen, verdrängte Rivalitäten und Kränkungen kommen an die Oberfläche und diese Dynamik wirkt dank des hervorragenden Darsteller-Quintetts absolut echt. Aber keine Sorge: Ehe die Kumpelkomödie zum gruppentherapeutischen Analyse-Drama nach Art von „Der große Frust“ umkippen kann, zaubert Edgar Wright ein paar blaublütige Klon-Aliens aus dem Hut und auf dem Herrenklo fliegen die Fetzen.

Die Balance zwischen Buddy-Movie und Genre-Extravaganz gelingt hier allerdings nicht ganz so perfekt wie in den anderen beiden „Cornetto“-Filmen, dafür halten sich Wright und Pegg mit einigen Stationen des Biermarathons im Verhältnis etwas lang auf und opfern später auch noch einige der so sorgsam aufgebauten Figuren dem Action-Spektakel. Das gilt besonders für Martin Freemans („Der Hobbit“) Oliver, der wegen eines Muttermals in Form einer 6 von den Freunden früher Omen genannt wurde. Wie dieses Detail allerdings verwendet wird, um von Olivers Schicksal zu erzählen, ist inszenatorisch brillant. Überhaupt sind es wieder die beiläufig dargebrachten Details, die dem Geschehen die unverwechselbare Würze geben – vom Zapfen des Biers (und des Wassers!) bis zur akrobatischen Weise, in der Gary sein Glas im Chaos einer Kneipenschlägerei vor dem Zerbrechen bewahrt, während er immer wieder von dem ersehnten Schluck abgehalten wird. Mit solchen perfekt choreographierten Bravourstücken zeigt Edgar Wright seine virtuose Seite und wie er sich nebenbei Klassiker wie „Die Körperfresser kommen“, „Das Dorf der Verdammten“, „Die Frauen von Stepford“ oder die TV-Kultserie „Doctor Who“ aneignet, ist für die Science-Fiction-Liebhaber unter den Zuschauern eine reine Freude. Außerdem beschert er uns als besonderen Clou nach der denkwürdigen Darbietung von Timothy Dalton in „Hot Fuzz“ einen überirdischen Gastauftritt eines anderen Ex-James-Bond-Darstellers.

Die gleichmacherische Alien-Invasion (wie zuletzt in „Seelen“ wollen die Außerirdischen die Menschen zu deren eigenem Besten „perfektionieren“) begleiten Wright und Pegg mit cleveren Seitenhieben auf die Globalisierung, die hier „Starbuckisierung“ heißt, denn jeder Pub sieht inzwischen genauso aus wie der nächste und das servierte Gebräu ist ununterscheidbar. Dem setzt Tunichtgut Gary in seinem abgewetzten Sisters-of-Mercy-Shirt (der Pop-/Rock-Soundtrack ist übrigens genauso retro wie er), wenn er vom außerirdischen Netzwerk fordert, Versager sein zu dürfen, ein verschrobenes Plädoyer für das Anderssein entgegen. Und für dieses Recht auf den Unterschied und auf Exzentrik ist der Film passenderweise selbst das beste Argument. Denn nur wer mit Lust am Risiko statt mit Kalkül ans Werk geht, dem gelingt es, mit dem Satz „Uns bleibt immer noch die Behindertentoilette“ nicht nur einschlägige Romanzen à la „Casablanca“ zu karikieren, sondern auch echte und komplizierte Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Fazit: „The World's End“ ist eine ebenso clevere wie humorvolle und unverwechselbar britische Kombination von Kumpel-Komödie, Sauftour-Sause und Science-Fiction-Spektakel.

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Kommentare

  • M E.
    Gott sei Dank :) freu mich schon riesig darauf :) hab erst neulich wieder die anderen zwei angeschaut, einfach der Hammer!! :)
  • MoThLo
    Wenn ich ehrlich bin, hatte ich ja auf ne 5-Sterne-Bewertung spekuliert :D Wenn sogar Slant schon die Höchstnote vergibt... ;)Aber ich denke 8/10 ist realistisch. Freu mich schon!!!
  • Da HouseCat
    na 4 ist doch ordentlich. +-0.5-1 eigene geschmack und alle top.schonmal keine entäuschung, freu ich mich drauf.
  • peterfrankemoelle
    Noch neun Tage bis zur Pensio-... ähm Premiere!
  • Xisdown
    Isn richtig guter Film. Die Aliens kommen zum genau richtigen Zeitpunkt und heizen dem Film wieder ein. Hab auch 4 gegeben. 4,5 wäre aber sicher auch angebracht
  • Revento
    Kleine Fehler in der Kritik:Steven und Gary stehen auf die Schwester und Gary gerät in die Schlägerei auf dem Klo.Gary wird immer wieder vom Bier trinken abgehalten und hält es akrobatisch in der Waage. Guter Film 4/5
  • Admiratio
    Großartiger Film! Wenn Nick Frost durchdreht, bleibt halt kein Auge trocken!
  • age
    ich war von dem film etwas enttäuscht... diese komischen aliens warn etwas zu trashig für meinen geschmack... der kontrast zwischen tiefgründiger komik und diesen lebenden schaufensterpuppen hat in meinen augen den film kaputt gemacht. auch sonst steht er sehr weit hinter shaun und hot fuzz was die lacher angeht, was sehr schade ist. denn wie die kritik schon sagt, handwerklich ist the worlds end brilliant! dieses potential wurde allerdings irgendwie durch das drehbuch verschenkt...
  • Luggas88
    War von dem Film enttäuscht, habe mehr erwartet. Meines Empfindens nach plätschert der Film die meiste Zeit einfach so vor sich hin ohne den Zuschauer wirklich mitzunehmen. Lacher gab's für mich so gut wie keine. Langweilige Dialoge wechseln sich mit Action geladenen Prügelszenen mit Robotern ab. Ich persönlich finde die Idee des Films sehr gut, ich mag schräge Filme. Aber ich konnte das Gefühl nicht loswerden, dass man aus diesem Film irgendwie mehr hätte machen können. Viele "Lacher" sind ziemlich flach und größtenteils vorhersehbar. Wenn ich jemanden über eine Hecke stolpern sehen will, kann ich mir auch Upps! Die Pannenshow ansehen, sorry.
  • funky^jay
    klasse Film! Gegen Ende fällt er etwas ab, aber insgesamt sehr unterhaltsam. Auch die typischen Cornetto Anspielungen und das Zaunspringen waren wieder grossartig untergebracht :D
  • Nikoprot
    Ich wollte nur mal eben anmerken, dass das für mich einer der Filme des Jahrzehnts ist. :D Die Filmstarts-Kritik ist auch sehr schön geschrieben, nur mMn mindestens einen halben Stern zu schwach bewertet.
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