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    Pacific Rim
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Pacific Rim
    Von Christoph Petersen

    Nach dem von Produzent Christopher Nolan inspirierten superernsthaften Superman aus „Man Of Steel“ hätte man es fast vergessen - aber ja, die Weltenzerstörung darf im Kino auch einfach mal nur Spaß machen! Mit seinem Roboter-Vs.-Monster-Krawallfest „Pacific Rim“ erfüllt sich „Pans Labyrinth“-Mastermind Guillermo del Toro nun nicht nur einen Herzenswunsch (zu irgendwas muss sein Ausstieg aus „Der Hobbit“ ja gut gewesen sein), er bietet seinen Fans auch eine zeitgemäße Variante des klassischen Kaiju-Kinos (Kaiju = japanisch für riesiges, fremdes Monster). Dabei rettet del Toro das unbeschwert-kindliche Vergnügen, Godzilla & Co. beim Stampfen durch eine Miniaturstadt zuzuschauen, ohne Reibungsverluste in das Zeitalter makelloser CGI-Effekte hinüber und nutzt zudem die moderne Technik ohne jede falsche Zurückhaltung aus, um sein Publikum mit gewaltigem Zerstörungs-Bombast zu überwältigen. Del Toro geht es dabei nicht nur ums möglichst spektakuläre Kaputtmachen, sondern er spinnt um die krachwummenden Kämpfe vielmehr noch eine derart ausufernde Mythologie, dass sie genügend Anknüpfungspunkte für gleich eine ganze Reihe von Fortsetzungen bereithält.

    Es gibt tatsächlich noch anderes Leben da draußen… das erreicht uns in „Pacific Rim“ allerdings nicht aus dem All, sondern entschlüpft einer Dimensionsspalte am Grund des Pazifischen Ozeans. Als das erste riesige Ungeheuer den Fluten entsteigt und in San Francisco einmarschiert, kostet die Attacke Zehntausende Menschenleben und es dauert sechs Tage, dem Monster den Garaus zu machen. Aber das war erst der Anfang, schon sechs Monate später kriecht der nächste Kaiju aus dem Dimensionsloch… und während die Abstände zunehmend immer kürzer werden, geraten die Ungeheuer immer größer! Um sich trotzdem gegen die Kaiju verteidigen zu können, starten die Regierungen der Welt das sogenannte Jaeger-Programm, in dessen Rahmen 25-Stockwerke-hohe Kampfmaschinen gebaut werden. Diese fallen tatsächlich so gigantisch aus, dass sie nicht von einem Menschen alleine, sondern nur von zwei per Neuronenbrücke gekoppelten Piloten gemeinsam gesteuert werden können…



    Diese Inhaltsangabe gibt übrigens gerade einmal die ersten fünf Minuten des Films wieder: Die von Guillermo del Toro und seinem Co-Autoren Travis Beacham für ihr „Pacific Rim“-Universum entwickelte Mythologie ist zum Glück derart umfangreich, dass es sich das Duo locker erlauben kann, eine solche Latte von Ideen bereits im Vorspann zu verballern – es bleiben dann immer noch genügend übrig, um das Publikum auch in den folgenden 120 Minuten wiederholt zu überraschen. Die Autoren haben das Konzept der Monsterangriffe wirklich zu Ende gedacht: Wie werden die Jaeger-Piloten von den Massen gesehen? Sie werden gefeiert wie Rockstars und sind Dauergäste in TV-Shows! Welche Auswirkungen hat das Jaeger-Programm auf die Wirtschaft? Weil alle (Forschungs-)Ressourcen für die Verteidigung gegen die Kaiju aufgewendet werden, gibt es einen zivilisatorischen Stillstand und die Menschen verarmen zunehmend! Und was passiert mit den Kaiju selbst, nachdem sie besiegt wurden? Es gibt einen illegalen Untergrund-Fleischmarkt (den auch die virale Marketingkampagne zum Film nutzt), denn Kaiju-Steaks sind nicht nur nahrhaft, dem Knochenmehl wird auch eine potenzsteigernde Wirkung zugesprochen! Bei diesem Mythologie-Reichtum ist es nur logisch, dass einige der Ideen nur oberflächlich und im Nebenbei angerissen werden können, aber zugleich ist so auch sichergestellt, dass es für mögliche Fortsetzungen noch genügend neues Material zum Vertiefen gibt!

    Mit dem Ur-„Godzilla“ und seinen kostümierten Statisten, die durch eine Miniaturmetropole aus Pappmache stampfen, hat del Toros apokalyptisches 185-Millionen-Dollar-Spektakel natürlich nichts mehr gemein. Stattdessen entpuppt sich allein die Schlacht um Hongkong als mehr als 25 Minuten (!) lange Nonstop-Krawall-Sequenz, die aber so überlegt choreographiert ist, dass der Zuschauer nie die Übersicht verliert – und das, obwohl der Kampf zwischen zwei Kaiju und mehreren Jaegern im Meer beginnt, anschließend eine Schneise der Zerstörung quer durch die Millionenstadt zieht und nach einigen Flügelschlägen schließlich im Weltall (!!!) endet. Dabei werden nicht nur die gigantischen Proportionen der Kombattanten glaubhaft vermittelt, auch auf ihre unterschiedlichen Bewegungsabläufe wurde viel Sorgfalt verwendet: Während die Jaeger – je nach Baugeneration – mehr oder weniger abgehakt und schwerfällig durch die Wellen stampfen, sind die Attacken der Kaiju viel natürlicher und flüssiger. Dieser Ansatz, die Action trotz Riesenrobotern und Megamonstern möglichst glaubhaft zu gestalten, spiegelt sich auch in der Inszenierung wider: Del Toro hat sich bewusst für eine „dokumentarische Kamera“ entschieden. Immer wieder geraten die Kontrahenten aus dem Fokus oder es landen Wasserspritzer auf der Linse – eben ganz so, als wären die Kämpfe von einem Helikopter aus für die 20-Uhr-Nachrichten gefilmt.

    Nach all den Worten über Kaiju und Jaeger mag es überraschen, aber im Mittelpunkt von „Pacific Rim“ stehen am Ende doch Menschen: Jaeger-Pilot Raleigh (Charlie Hunnam) und seine neue Partnerin Mako (Rinko Kikuchi) sollen mit ihrem veralteten Roboter Gipsy Danger für den Programmleiter Stacker Pentecost (Idris Elba) und mit ihm für die ganze Menschheit die Kohlen aus dem Feuer holen. Die Konflikte im Jaeger-Hauptquartier Shatterdome erinnern dabei an die üblichen Militärs-müssen-die-Welt-retten-Szenarien – inklusive der großartigsten Missions-Ansprache („Cancel the Apocalypse!“) seit Bill Pullmans finaler Rede aus „Independence Day“. Aber es gibt als spezielle Besonderheit eben auch noch den sogenannten Drift, also die Neuronenverbindung zwischen den beiden Piloten. Dieser wird vor allem in einer Sequenz, in der sich Mako in ihren eigenen Kindheitserinnerungen verliert, extrem effektiv eingesetzt. Während die Militärs für das notwendige Drama sorgen, ist das Wissenschaftler-Duo Dr. Geiszler (Charlie Day) und Dr. Gottlieb (Burn Gorman) für den nötigen Humor verantwortlich. Und dann gibt es da ja auch noch die szenenstehlende Rolle von del Toros Stammschauspieler Ron Perlman („Hellboy“) als den Kaiju-Schwarzmarkt kontrollierender Gangsterboss Hannibal Chau - eine köstlich-selbstironische Leistung, mit der Perlman die ganze Weltenzerstörung auf eine einzige Frage reduziert: „Wo zum Teufel ist mein  Schuh?

    Fazit: Orgiastische Zerstörungswut trifft augenzwinkernden Humor – so haben wir unsere Sommer-Blockbuster gerne!

    Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Wir haben den Film in einer Vorstellung gesehen, bei der – Vorsicht: Namedropping! - Guillermo del Toro selbst anwesend war und persönlich dafür gesorgt hat, dass der Film in voller Lautstärke gezeigt wird – und der grandios-hämmernde Score von „Game of Thrones“-Komponist Ramin Djawadi reißt einen tatsächlich direkt in das Getümmel hinein. Also am besten vorab dem Kinoangestellten am Lautstärkeregler einen Fünfer in die Hand drücken und ihn bitten, in der folgenden Vorstellung voll aufzudrehen!

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