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Die Bestimmung - Divergent
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Die Bestimmung - Divergent
Von
Wenn es darum geht, mehr oder weniger erfolgreiche Fantasy-Jugendbücher auf die Leinwand zu bringen, herrscht noch immer eine regelrechte Goldgräberstimmung. Zwar floppen die allermeisten dieser Verfilmungen brutal (zuletzt „Chroniken der Unterwelt“ und „Vampire Academy“), aber wenn sie einschlagen, dann winkt das ganz große Geschäft. Mit einem Einspiel von nicht ganz 55 Millionen Dollar am US-Startwochenende ist Neil Burgers „Die Bestimmung – Divergent“, der auf dem ersten Buch einer dreiteiligen Romanreihe von Veronica Roth basiert, nun zwar etwas hinter den superhohen Erwartungen zurückgeblieben, aber trotzdem ist das der erste echte Erfolg in diesem Genre seit „Die Tribute von Panem“. Und es gibt noch eine weitere Parallele: Nach Katniss Everdeen steht nun mit Beatrice Prior ebenfalls eine selbstbewusste junge Frau im Mittelpunkt, die zudem nicht mit irgendeinem Püppchen, sondern bewusst mit einer der aktuell vielversprechendsten Nachwuchsschauspielerinnen besetzt wurde. Aber es gibt auch einen großen Unterschied: Wo das dystopische Gesellschaftsbild bei „Die Tribute von Panem“ das Salz in der Suppe ist, brechen die leblos-künstlichen Holocaust-Parallelen in „Die Bestimmung“ dem Film im Schlussdrittel beinahe das Genick.

100 Jahre nach einem zerstörerischen Krieg ist Chicago von einer gewaltigen Mauer umgeben. Um den Frieden diesmal auf Dauer zu wahren, wurden die Bürger zudem entsprechend ihrer Tugenden in fünf Fraktionen aufgeteilt: die furchtlosen Ferox, die gelehrten Ken, die friedfertigen Amite, die immer ehrlichen und auch harte Wahrheiten aussprechenden Candor sowie die hilfsbereiten Altruan, die aufgrund ihrer uneitlen Selbstlosigkeit auch die Regierung stellen. Jugendliche leben bis zu ihrem 16 Lebensjahr bei ihren Eltern, müssen sich dann aber nach einem nicht verbindlichen Eignungstest selbst frei für eine der Fraktionen entscheiden. Bei der als Altruan aufgewachsenen Beatrice Prior (Shailene Woodley) ergibt der Test jedoch kein eindeutiges Ergebnis: Sie ist eine Unbestimmte (in der Originalfassung: „Divergent“), die mehrere der Tugenden in sich vereint. Klingt gut, ist aber ein großes Problem, schließlich wird im Chicago der Zukunft Jagd auf alle gemacht, die sich nicht in eine der fünf Schubladen pressen lassen…


Die Darstellung der dystopischen Gesellschaft erinnert an „Die Tribute von Panem“ und die Aufteilung nach Tugenden an die vier Hogwarts-Häuser in „Harry Potter“ – trotzdem hat „Die Bestimmung“ auch eine Reihe spannender eigener Themen zu bieten: So besitzt die unwiderrufliche Entscheidung für eine Fraktion durchaus Parallelen etwa zur Wahl einer Uni und die gewaltsame Unterdrückung der Unbestimmten (sprich der Andersdenkenden) ist sowieso ein universeller Konflikt. Aber bevor der Zuschauer noch tiefer in diese Welt abtauchen kann, begleitet er Beatrice Prior, die sich nach ihrer Entscheidung für die Ferox nur noch Tris nennt, erst einmal bei ihrer unerbittlichen Ausbildung: Wer es nicht unter die Besten schafft, wird knallhart aussortiert und muss fortan als Fraktionsloser ein Penner-Dasein fristen. Dieses Einsteiger-Training mutet zwar mitunter arg wie ein futuristisch-punkiges Selbstverteidigungs-Sommerlager inklusive der üblichen Teenager-Kabbeleien an, ist als solches aber verdammt unterhaltsam, vor allem wenn sich die Rekruten in einer Art Capture-the-Flag-Ultra-Paintball-Battle in einem verlassenen Freizeitpark bekriegen.

Und dabei macht Shailene Woodley (die Entdeckung aus „The Descendants“) trotz der körperlich (über-)fordernden Rolle tatsächlich eine überraschend glaubhafte Figur. Dabei muss sich die eher zerbrechlich anmutende und als Altruan völlig gewaltlos aufgewachsene Tris schon nach einigen Wochen Training im waffenlosen Zweikampf mit doppelt so schweren und zehnmal so starken Jungs messen. Im wahren Leben hätte sie trotz eines Programms, das selbst Rocky Balboa alt aussehen lässt, in einer solchen Situation natürlich nicht den Hauch einer Chance. Aber Woodley macht das Beste daraus und nach einigen Kopfschüttel-Momenten übersieht man die wenig plausiblen Umstände irgendwann sogar ganz. An Tris‘ Seite agiert Theo James („Underworld: Awakening“) als ihr Ausbilder und Love Interest Four zudem mit dem nötigen Maß an Ambivalenz, um ihn tatsächlich nicht auf den ersten Blick zu durchschauen, während der schon länger als kommender Superstar gehandelte Jai Courtney (Bruce Willis‘ Sohn in „Stirb langsam 5“) herrlich schleimig-sadistisch den Ferox-Anführer Eric verkörpert.  

Aber in der überwiegend starken Besetzung gibt es auch einen Totalausfall und der ist eine echte Überraschung: Ausgerechnet Oscar-Preisträgerin Kate Winslet („Der Vorleser“) agiert als Ken-Anführerin Jeanine mit der Subtilität eines Vorschlaghammers und hat nicht einen Funken des verschlagenen Charmes von Donald Sutherland als Präsident Snow in den „Hunger Games“-Filmen. Aber das liegt nicht unbedingt allein an der Schauspielerin, der ganze sie umgebende Verschwörungs-Plot wirkt vollkommen leblos und unecht. War etwa die ähnlich gelagerte Auspeitsch-Szene in „Catching Fire“ noch brutal und dreckig, mutet in „Die Bestimmung“ selbst das an Holocaust-Ghetto-Schrecken gemahnende Zusammentreiben einer ganzen Fraktion dermaßen merkwürdig-steril an, dass der heraufziehende Faschismus sich nie wie eine ernstzunehmende Gefahr anfühlt und selbst der Tod bedeutender Figuren kaum emotionale Resonanz bekommt. Hinzu kommt noch eine Reihe holpriger Wendungen und fertig ist ein Schlussdrittel (in dem es auch die auffälligsten Unterschiede zwischen Buch- und Leinwandhandlung gibt), das dem Film fast komplett den Garaus gemacht hätte. Und selbst wenn „Die Bestimmung“ trotz dieser Zielgeraden-Schwächen insgesamt noch als passable Blockbuster-Unterhaltung durchgeht, ist unsere Vorfreude auf die Fortsetzungen „Insurgent“ und „Allegiant“ doch merklich getrübt.

Fazit: Über zwei Drittel der Laufzeit bietet „Die Bestimmung“ eine temporeich-kurzweilige Teenager-Dystopie, aber die schließlich in den Vordergrund rückende Verschwörung ist nicht eine Sekunde glaubhaft.

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Kommentare

  • Sebastian_D
    hab mir vor tagen das hörbuch davon geholt und selbst das sit sehr lahm. kaum richtig spannung. ich bin sogar dabei eingeschlafen.
  • Jacques S.
    Alles in allem eine sehr dürftige Erfahrung. Kaum Spannung, kaum (echte) Emotionen, visuell sehr mittelmässig, die Ausstattung erinnert an eine Low Budget SciFi-Channel-Produktion: ein paar verfallene Häuser und Baracken. Ich denke jedoch, dass hier nicht die Schuld allein beim Film liegt. Die ganze Story scheint sehr unausgegoren, viel zu viele offene Fragen stehen im Raum (zB. wie kann in einem faschistischen Regime eine intellektuelle Kaste existieren?). Für mich auf allen Ebenen ein Reinfall, weit entfernt von der Qualität der Tribute. Auch wenn die Darstellerin auf dem Plakatmotiv werbewirksam ihren hübschen Hintern ins Bild hält, gibt es einfach kaum Reize für diesen Stoff.
  • CasiQT
    Übertrieben schlecht. Wenn überhaupt dann für unter 15 jährige. Für alle anderen dürfte der Film eine Zumutun sein.
  • Sascha S.
    Der Film ist gequirlte Scheiße hoch 10, mehr muss man darüber nicht verlieren. Und das nur das letzte drittel schlecht ist - kann ich ebenfalls nicht bestätigen, ich finde den ganzen Film von Anfang bis Ende einfach nur.... lächerlich....
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