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Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Die Eiskönigin - Völlig unverfroren
Von

Auf die Idee, eine Disney-Version des berühmten Märchens „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen in die Kinos zu bringen, ist noch Walt Disney persönlich gekommen - und zwar bereits vor mehr als 70 Jahren! Und nach dem weltweiten Erfolg der Andersen-Verfilmung „Arielle, die Meerjungfrau“ wurde im Mäusestudio auch in den 1990ern erneut ernsthaft mit dem Gedanken gespielt. Aber auch wenn immer klar war, dass sich aus der im norwegischen Eis angesiedelten Geschichte visuell eine Menge herausholen lassen würde, gelang es einfach nie, die tragische Figur der Schneekönigin in den Griff zu bekommen. Doch was lange währt, wird auch diesmal endlich gut. Nach dem Megahit „Rapunzel – Neu verföhnt“ von 2010 waren die Disney-Verantwortlichen plötzlich ganz heiß auf klassische Musicals mit modernem Touch – und da passt „Die Schneekönigin“ als Vorlage perfekt ins Programm. Das Regie-Duo Chris Buck und Jennifer Lee löst die erzählerischen Herausforderungen mit Hilfe einiger wunderbarer Songs und verwandelt den Andersen-Stoff in ein gefühlvolles Märchen-Musical. Dazu setzt es mit seinem winterlichen Animations-Abenteuer „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ neue technische Standards und hat mit Schneemann Olaf auch noch einen der erinnerungswürdigsten Disney-Sidekicks überhaupt zu bieten.

Einst war Prinzessin Elsa (Original: Idina Menzel, deutsche Fassung: Willemijn Verkaik) ein lebensfrohes junges Mädchen, das nichts lieber tat, als mit seiner kleinen Schwester Anna (Kristen Bell/Pia Allgaier) in den Fluren des Schlosses herumzutoben. Aber Elsa besitzt Zauberkräfte, mit denen sie Dinge einfrieren kann und die sie nicht immer unter Kontrolle hat. Nachdem sie dadurch einen schrecklichen Unfall verursacht hat, der Anna fast das Leben kostete, lebt Elsa zurückgezogen in ihrem Zimmer und auch ihre Schwester vereinsamt zusehends, denn die Tore des Schlosses bleiben stets geschlossen, damit niemand Elsas Geheimnis entdeckt. Das ändert sich erst, als die Eltern der inzwischen zu hübschen jungen Frauen herangewachsenen Mädchen bei einem Schiffsunglück ums Leben kommen, denn nun soll Elsa vor dem versammelten Hofstaat zur Königin gekrönt werden. Doch es kommt zur Katastrophe – Elsa verliert erneut die Kontrolle über ihre Kräfte und stürzt das ganze Land in einen tiefen Winter. Nun ist es an Anna und ihren Mitstreitern, dem Eishändler Kristoff (Jonathan Groff) und seinem Rentier Sven, die in die Berge geflohene Elsa aufzustöbern und den Sommer zurückzubringen…



Die Disney-Kreativen zeigen der Konkurrenz gleich in der Eröffnungssequenz, wo der animierte Hammer hängt: Im tiefen norwegischen Winter schlägt eine Gruppe stämmiger Arbeiter Eisquader aus einem zugefrorenen See, um diese dann im Sommer in der Stadt verkaufen zu können. Die anstrengende Arbeit erleichtern sich die Männer mit einem dröhnend-gutturalen Joik (= der Natur huldigender Gesang der Samen). In seiner rauen Wucht erinnert dieser Auftakt nicht nur an die bombastischen ersten Szenen aus Tom Hoopers Musical-Welthit „Les Misérables“, er zieht das Publikum auch mit seiner technischen Brillanz direkt in seinen Bann. Gerade die tanzenden, flutschenden und glitschenden Eisquader sowie der spritzende Schnee erreichen hier eine nahezu fotorealistische Qualität – und bewahren dennoch den märchenhaften Zauber klassischer Disney-Produktionen. Wo die Macher von „Rapunzel“ und „Merida – Legende der Highlands“ mit der Animation des wallenden Haars ihrer Protagonistinnen aufzeigten, was inzwischen technisch alles möglich ist, setzen die Disney-Spezialisten diesmal völlig neue Standards in Sachen Schnee und Eis. Gerade im Animationsfach glaubt man ja immer mal wieder, dass nun langsam aber wirklich das Ende der Fahnenstange erreicht sein müsste – und dann kommt doch wieder ein Film wie „Die Eiskönigin“, bei dem man aus dem Staunen nur schwer wieder herauskommt.

Wenn die wundervolle Arbeit der Animateure allmählich in den Hintergrund rückt, liegt das nicht etwa daran, dass die Qualität nachlassen würde, vielmehr hat das Publikum einfach genug damit zu tun, Anna und ihre nicht ganz freiwilligen Mitstreiter anzufeuern. Denn Drehbuchautorin Jennifer Lee („Ralph reicht’s“) hat sich nicht nur erfolgreich das Disney-Mantra „Für jeden Lacher eine Träne!“ zu Herzen genommen, sie arbeitet auch das tragische Schicksal der titelgebenden Eiskönigin eindrucksvoll heraus. Da ist es dann kein Wunder, dass gerade die hochdramatischen Szenen in Elsas Eispalast für ein Weihnachtsmärchen überraschend intensiv geraten – wozu nicht zuletzt auch die immer wieder variierte Selbstfindungs-Hymne „Let It Go“ (deutsch: „Lass jetzt los“) beiträgt, bei der sich die Darstellerinnen förmlich die Seele aus dem Leib singen dürfen. Das ist einer von gleich acht stimmig in die Handlung eingewobenen Originalsongs des broadwayerfahrenen Ehepaars Kristen Anderson-Lopez und Robert Lopez, die „Die Eiskönigin“ zu einem waschechten Musical machen.

Die Songs sind nicht alle musikalische Volltreffer und auch der Instrumentalscore von Christophe Beck („Hangover“-Trilogie, „Pitch Perfect“) ist nicht durchgängig so mitreißend wie etwa die Kompositionen des achtfach oscarprämierten Alan Menken für „Rapunzel“, aber der Soundtrack enthält auch einige echte Schmankerl. Eine besondere Erwähnung verdient das doppelbödige „In Summer“, mit dem der Schneemann Olaf (Josh Gad, Hape Kerkeling) seinen Traum besingt, endlich einmal einen Sommer zu erleben - ein eigentlich fröhliches Lied mit einer tragisch-traurigen Note, denn Olaf weiß nicht, dass Schnee in der warmen Jahreszeit schmilzt. Dieser wohl beste Song des Films wird nicht zufällig von der gelungensten und originellsten Figur vorgetragen, wie so oft bei Disney findet sich der absolute Liebling einmal mehr in der Reihe der Sidekicks (Balu ist schließlich auch viel cooler als Mogli): Olaf, der gerne mal buchstäblich den Kopf verliert und ständig aufpassen muss, dass ihm Rentier Sven (wie auch schon im superlustigen Teaser) nicht die Karottennase wegfrisst, ist eine Erfindung für die Ewigkeit und sichert sich mit seiner tollpatschig-naiven Gutmütigkeit spielend einen Platz im Herzen kleiner und großer Kinobesucher.

Fazit: Ein herzerwärmendes Wintermärchen mit atemberaubenden Animationen und als i-Tüpfelchen dem liebenswürdigsten Schneemann aller Zeiten – „Die Eiskönigin – Völlig unverfroren“ ist das Advents-Highlight 2013!

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Kommentare

  • lukimalle
    Wow, Alan Menken hatte ich noch nie gehört, aber der Typ hat echt acht Oscars! Der lässt ja Komponisten wie John Williams an Preisen alt aussehen.
  • age
    der film ist echt toll anzusehen! zu anfang geht es vielleicht etwas flott zu, aber hat man sich erstmal mitreißen lassen macht der film wirklich spaß. der schnee sieht aus wie echt, die figuren sind abwechslungsreich ausgearbeitet und die story überzeugt durch twists und ein erfrischend eisiges, wie auch spannendes finale. auch 3D kommt ziemlich gut zur geltung, nicht nur wegen der vielen hübsch umher fliegenden schneeflocken. was die songs angeht gab es schon bessere seitens disney, wirklich negativ fällt aber keiner auf. alles in allem ist der film nochmal eine steigerung im vergleich zu rapunzel, auch was die lacher angeht.
  • Jacques S.
    Gut war der Schneemann. Ohne Frage. Und die Technik. Aber sonst? Das ständige Gesinge und dazu noch mit austauschbaren Kitschsongs, einfach zuviel des guten. Und dazu ein weitestgehend gefühlloses Geschehen. Es ist mir rätselhaft wie man diesen Film derart hoch loben kann. Da lobe ich mir doch sehr, dass Pixar (nur vertrieben von Disney) kreativ eigenständig sein darf und dabei Meisterwerke wie Ratatouille oder Up hervorbringt - Filme die lustig sind, spannend, überraschend und sogar dazu noch wirklich bewegen.Frozen = eine gut animierte Klischee- und Kitsch-Orgie. Vorhersehbar und schade um die Mühe.
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