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Men In Black: International
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Men In Black: International

Da helfen selbst die coolsten Sonnenbrillen nicht mehr

Von Carsten Baumgardt
Was tun mit dem enorm erfolgreichen, aber mittlerweile arg in die Jahre gekommenen „Men In Black“-Franchise, das zwischen 1997 und 2012 drei große Kassenhits mit einem Gesamteinspielergebnis von mehr als 1,5 Milliarden Dollar hervorbrachte? So ein Kapital will kein Studio der Welt ungenutzt brachliegen lassen, selbst wenn die bisherigen Stars Will Smith und Tommy Lee Jones keine Lust mehr haben. Und plötzlich liegt bei Sony ein völlig verrücktes Gaga-Konzept auf dem Tisch: ein Crossover zwischen „21 Jump Street“ (mit den Originalstars Channing Tatum und Jonah Hill) mit den „Men In Black“! Eine genial-bescheuerte Idee, die sich sogar einige Monate lang erstaunlich hartnäckig hielt. Aber so viel Mut zum kalkulierten Wahnsinn hatte man bei dem Hollywoodstudio dann leider doch nicht …

… und gebar stattdessen die konservative Idee, „Men In Black“ mit einem Spin-off im Geiste von „Jurassic World“ fortzusetzen: also in einer vertrauten Welt mit frischen Charakteren. Dieser Ansatz kann funktionieren, dazu braucht es neben spielfreudigen Darstellern aber vor allem Inspiration, Verve und etwas Fortune mit dem Zeitgeist, wenn man in einem Kinosommer zwischen all den gigantischen Superhelden-Filmen wie „Avengers: Endgame“ nicht völlig untergehen will. Hier aber scheitert die Sci-Fi-Action-Komödie „Men In Black: International“: „Fast & Furious 8“-Regisseur F. Gary Gray hat für sein Update des „MIB“-Stoffes ein paar nette Ideen und mit Tessa Thompson auch eine engagierte Hauptdarstellerin, aber eine generisch-beliebige Story mit teils veraltet wirkenden Spezialeffekten lassen „Men In Black: International“ letztendlich wie einen unfreiwilligen Rückgriff in die 90er Jahre aussehen. Was damals noch cool und spektakulär gewesen wäre, wirkt heute längst überholt.

Agent H (Chris Hemsworth) und M (Tessa Thompson) sind auf einer intergalaktischen Party in London leger unterwegs.


Seit sie als kleines Mädchen Zeuge eines Alien-Vorfalls wurde, träumt Molly Wright (Tessa Thompson) davon, selbst bei der geheimen Regierungsorganisation Men In Black anzuheuern. Tatsächlich gelingt es ihr 20 Jahre später dank ihrer Hackerfähigkeiten in die New Yorker Niederlassung vorzudringen und dort Agentin O (Emma Thompson) mit ihrer Begeisterung davon zu überzeugen, ihr eine Chance als Agentin auf Probe zu geben. In London heftet sich Molly als Agentin M daraufhin an die Fersen des berüchtigten Frauenhelden Agent H (Chris Hemsworth), der einst mit MIB-Chef T (Liam Neeson) am Eiffelturm die Welt gerettet hat. Doch gleich ihr erster Auftrag, den adligen, aber schmierigen Außerirdischen Vungus in einem Nachtclub zu bespaßen, geht schief. Ihre Zielperson wird von zwei außerirdischen Formwandler-Attentätern eliminiert, die sich auf der Suche nach einer Superwaffe befinden, mit der sich ganze Planeten auslöschen lassen. Und zu allem Überfluss deutet auch noch alles darauf hin, dass sich ein Maulwurf in die MIB-Organisation eingeschlichen hat …

Zur Orientierung im neuen Teil des „Men In Black“-Universums beginnt F. Gary Gray mit einem Prolog, der Chris Hemsworth („Thor“) und Liam Neeson („96 Hours - Taken“) als neue Kräfte einführt und ihre Fähigkeiten im Kampf gegen außerirdische Invasoren zeigt – gleichzeitig wird ironisch vermittelt, dass man selbst 2016 noch blitzdingst, wenn Zivilisten zu viel gesehen haben. Auch die folgende Rückblende, der die beschriebene Kindheitsepisode von Agentin M erzählt und ihre Motivation verdeutlicht, ist charmant erzählt und eine gelungene Einführung der neuen Figur (während Hemsworths Vorstellung nur rudimentär ausfällt). Da meint man glatt, den Einfluss des Ausführenden Produzenten Steven Spielberg zu spüren. Es ist durchaus unterhaltsam, Tessa Thompson („Creed“, „Auslöschung“) dabei zu beobachten, wie sie sich als ehrgeizige Molly staunend beim Eintauchen in die Men-In-Black-Welt schlägt, selbst wenn die Feminismus-Anspielungen, die ihre Figur permanent begleiten, gern weniger gewollt hätten ausfallen dürfen. Auch einige Gadgets sind mit Liebe zum Franchise kreiert, wenn zum Beispiel die Agenten M und H in ein Taxi steigen und sich das Gefährt plötzlich als schwindelerregender Fahrstuhl in ein unterirdisches Geheimquartier erweist. Doch nach dieser grundsoliden Exposition fällt „Men In Black: International“ kontinuierlich ab.

Es wird Zeit, den Hammer an den Nagel zu hängen


Schon die beiden akrobatischen Antagonisten sind ein Ausfall. Laurent Bourgeois und Larry Bourgeois, im wahren Leben Tänzer, Choreografen und YouTube-Stars, fehlt es merklich an Leinwandcharisma, das sie den Helden entgegensetzen könnten. Von einem seltsamen Effektgewitter begleitet und mit blaufunkelnden Augen ausgestattet strahlen sie trotz ihrer Kampfkunst kaum etwas Diabolisches aus. Ist die Chemie zwischen Chris Hemsworth und Liam Neeson als Lieblingsschüler und Vaterfigur noch in Ordnung, fällt die Verbindung von M und H schon deutlich holpriger aus. Während Hemsworth zum x-ten Male seine Lustiger-Thor-Nummer abzieht (inklusiv des unvermeidlichen Hammer-Zitats), setzen die Drehbuchautoren konsequent auf mittlerweile müde wirkende ironische Anspielungen auf Hemsworths makelloses Äußeres, was das gesamte weibliche MIB-Personal anzieht wie die Motten das Licht. Der „Avengers“-Star hat seiner etablierten Masche in „Men In Black: International“ einfach nichts Neues mehr hinzuzufügen – und mitunter geht die ständige Selbstironie sogar auf Kosten der emotionaleren Momente.  

New York, London, Marrakesch und später Italien: Ein Blockbuster der größeren Kategorie muss einfach exotische Schauplätze rund um die Welt auffahren. Doch die Bilanz ist auch hier durchwachsen. Während die Marrakesch-Szenen sehr künstlich aussehen und kaum Atmosphäre verströmen, wird der Ausflug von H und M in die Wüste endgültig zum visuellen Desaster, weil die Aufnahmen der dort Gestrandeten so kristallklar als Green-Screen zu entlarven sind, dass es eines 110 Millionen Dollar teuren Films einfach nicht würdig ist. Überhaupt sind die Spezialeffekte selten auf der Höhe der Zeit, man bekommt vielmehr das Gefühl, in einem mittelprächtig gealterten 90er-Jahre-Film zu sitzen. Die modernen optischen Möglichkeiten nutzt „Men In Black: International“ zu selten aus – allein die Sequenz auf einer Neapel vorgelagerten Festungsinsel ist visuell voll überzeugend und wirkt wie aus einem James-Bond-Film. Schade nur, dass das große Talent von Rebecca Ferguson („Mission: Impossible – Rogue Nation“) verschenkt wird, weil ihr Auftritt nur von kurzer Dauer und trotz drei Armen nicht sonderlich erinnerungswürdig ausfällt.

Agent T (Liam Neeson) erklärt Agent M (Tessa Thompson) die Welt der Men In Black.


Erzählerisch bleibt vieles Stückwerk, das nicht recht zusammenpasst. Doch „Men In Black: International“ hat noch eine weitere eklatante Schwäche: Nicht nur der Film als Ganzes ist in seiner Dynamik berechenbar, sondern auch nahezu jede einzelne Szene. Man weiß immer, worauf es am Ende des Dialogs hinauslaufen wird - von einigen der vorhersehbarsten und lahmsten Twists der jüngeren Blockbuster-Geschichte mal ganz zu schweigen. Der frische Witz fehlt, der Unterhaltungswert ist überschaubar.

Fazit: „Men In Black: International“ ist ein halbgares Spin-Off, das mit seiner wenig stimmigen Story und teils mäßigen Effekten wie aus der Zeit gefallen wirkt. 

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