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Der Grinch
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Der Grinch

Lustig auch ohne Jim Carrey

Von
Das Kinderbuch „Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat“ von Dr. Seuss erschien bereits 1957, aber die darin verhandelte Kritik an der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes wird von Jahr zu Jahr noch dringlicher (im vergangenen Jahr gaben Deutsche im Durchschnitt 465 Euro für Geschenke aus). Gerade in den USA ist der Grinch deshalb auch jeden Dezember pünktlich zu den Festtagen omnipräsent: Vor allem die 1966 entstandene Zeichentrickverfilmung von Chuck Jones wird jedes Jahr um die Weihnachtstage im US-amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt. Hierzulande verhalf dagegen vor allem Ron Howards Realverfilmung „Der Grinch“ aus dem Jahr 2000 der Vorlage zu größerer Popularität. Jim Carrey schlüpfte damals in die Rolle des grünbehaarten, weihnachtshassenden Wesens, das sich am Ende natürlich doch noch von der besinnlichen Weihnachtsstimmung in seinem Dorf anstecken lässt.

18 Jahre sind seither vergangen. Nun legt die hinter den Trickfilmhits „Ich – Einfach unverbesserlich“ und „Pets“ steckende Erfolgsschmiede Illumination eine rundumerneuerte CGI-Fassung des bekannten Stoffes vor – und lässt dabei ausgerechnet die den Film so zeitlos machende Kommerzkritik weitgehend außer Acht. Im dem schlicht „Der Grinch“ betitelten Animationsfilm bekommen wir es so mit einem zwar ein wenig grummeligen, aber im Kern doch von Anfang an herzensguten Antihelden zu tun, dessen charakterliche Ambivalenz aus der Vorlage kaum noch zum Tragen kommt. Stattdessen besinnen sich die Regisseure Yarrow Cheney und Scott Mosier voll auf den Humor. Mit viel Slapstick, skurrilen Figuren und genügend Emotionen ist ihr „Der Grinch“ ein solider, niemandem wehtuender Weihnachtsfilm für die ganze Familie.

Im verschneiten Dörfchen Whoville freuen sich die Bewohner das ganze Jahr über auf Weihnachten. Nur einer nicht: der Grinch (Stimme im Original: Benedict Cumberbatch, in der Synchro: Otto Waalkes)! In einer einsamen Hütte auf einem verlassenen Berg wartet er jedes Jahr, bis das Weihnachtsfest endlich vorbei ist. Doch dieses Mal hat er all seine Vorräte lange vor Heiligabend aufgegessen und ist deshalb gezwungen, ins Dorf zu fahren, um Nachschub zu besorgen. Im vorweihnachtlichen Trubel beschließt der Grinch, das Weihnachtsfest für immer zu zerstören: Gemeinsam mit seinem treuen Hund Max und einem Rentier will er einen Tag vor Weihnachten alles stehlen, was irgendwie mit dem Fest zu tun hat. Dabei hat er die Rechnung allerdings ohne die gewiefte Cindy-Lou (Stimme: Cameron Seely) gemacht. Das kleine Mädchen will Santa Claus unbedingt persönlich treffen und hat zu diesem Zweck eine Falle aufgestellt, in der sich ausgerechnet der Grinch verfängt…


Gerade in den USA sind die Geschichten von Dr. Seuss unglaublich populär, weshalb Verfilmungen fast immer sichere Hits sind. Daher verwundert es nicht, dass die „Minions“-Erfinder von Illumination mit „Der Grinch“ bereits ihre zweite Seuss-Adaption in die Kinos bringen. Schließlich erzielte „Der Lorax“ allein in den USA Einnahmen von mehr als 210 Millionen Dollar. Im Rest der Welt sind die Werke des deutschstämmigen Kinderbuchautors und Comiczeichners weniger verbreitet. Für „Der Lorax“ lösten so in Deutschland auch nur rund 480.000 Zuschauer ein Ticket. Und so verwundert es nicht, dass im neuen „Der Grinch“ von der Essenz der Vorlage nur noch der reimende Voice-Over übriggeblieben ist, sich die Macher sonst aber vor allem an gängigen Animations- und Familienfilmstandards orientieren, die nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit auf großen Anklang stoßen dürften.

Aus der das Weihnachtsfest abgrundtief verachtenden Titelfigur ist hier ein abgeschieden lebender Einzelgänger geworden, der schon während der ersten Versuche, das Fest der Dorfbewohner zu sabotieren, immer wieder mit sich hadert. Denn eigentlich würde er ja selbst nur zu gerne mitfeiern. Wo Jim Carreys Interpretation im Jahr 2000 zumindest teilweise furchteinflößend war, ist der animierte Grinch nun regelrecht weichgespült. Selbst im verschneiten Whoville hat niemand Angst vor ihm. Die Bewohner versuchen sogar immer wieder, ihn von der Schönheit des Weihnachtsfests zu überzeugen. Dies nimmt der ganzen Geschichte ihre emotionale Fallhöhe und spiegelt sich auch in der deutschen Synchronisation wider. Die Albernheit von Kultkomiker Otto Waalkes erinnert an seine Interpretation des Faultiers Sid in den „Ice Age“-Filmen und so fehlt ihm jegliche Spur von Gemeinheit, die die Figur eigentlich ausmacht. Selbst wenn er die Bewohner des Städtchens „ärgert“, klingt das eher schelmisch als bösartig.

Dass der Grinch wirklich Weihnachten zerstören will, ist so zu keinem Zeitpunkt zu spüren. Passend dazu erweisen sich die Vorbereitungen auf den großen Beutezug, bei dem sämtliche Geschenke und jeglicher Weihnachtsschmuck aus Whoville verschwinden sollen, ein reines Slapstick-Fest - und auch die tragische Hintergrundgeschichte des Protagonisten wird nahezu komplett ausgeblendet: Dass der Grinch einst ein Weihnachten alleine verbringen musste und seither nur negative Gedanken an das Fest hegt, ist den Drehbuchautoren Michael LaSieur („Die Jones: Spione von nebenan“) und Tommy Swerdlow („Snow Dogs – Acht Helden auf vier Pfoten“) nur eine kurze, wenn auch gefühlvoll inszenierte Rückblende wert.

Der weichgewaschene Grinch ist dafür die meiste Zeit über aber richtig komisch, was vor allem an der Dynamik innerhalb eines sehr unkonventionellen Trios liegt: Dass die Titelfigur ihre Pläne diesmal gemeinsam mit seinem szenenstibitzenden Hund Max (der ebenso gut aus „Pets“ stammen könnte) sowie einem faulen, gefräßigen Rentier in Angriff nimmt, sorgt für viele amüsante Szenen und gelungene Pointen. Im Zusammenspiel mit Max funktioniert auch die Entwicklung der Hauptfigur, die sich hier nach und nach ihre Gefühle eingestehen muss. Die parallel zu den Ereignissen in der Grinch-Höhle stattfindende Erzählung rund um die kleine Cindy-Lou, die sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich den Weihnachtsmann höchstpersönlich zu treffen, verläuft hingegen sehr viel schematischer – wie auch das obligatorische Aufeinandertreffen beider Figuren, bei dem dann wenige Worte genügen, um das Herz des Grinch – im wahrsten Sinne – dreimal größer werden zu lassen.

Was die optischen Details angeht, setzt „Der Grinch“ zumindest im Rahmen der Illumination-Produktionen neue Standards (auch wenn Pixar dann doch noch mal ein Stück weg ist): Das Design von Whoville mit all seinem Weihnachtsschmuck und den im Dunkeln funkelnden Lichtern ist schlichtweg atemberaubend. Dazu kommt das starke Figurendesign, auch wenn der Grinch selbst mit niedergeschlagener Miene immer ein klein wenig zu knuffig aussieht. Und so passen Optik, Humor und die zurückgedrängte fiese Seite der Titelfigur zumindest stimmig zusammen - und machen „Der Grinch“ zu einem familientauglichen Wohlfühlfilm.

Fazit: „Der Grinch“ besitzt nicht mal mehr ansatzweise die Ambivalenz der Vorlage, ist dafür aber ein sympathischer, lustiger Weihnachtsfilm für die ganze Familie.
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