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    Mara und der Feuerbringer
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Mara und der Feuerbringer
    Von Thomas Vorwerk
    Der Münchner Tommy Krappweis choreographierte einst Stuntshows, moderierte „Disney TV“ auf Super RTL, wirkte vor und hinter der Kamera bei „RTL Samstag Nacht“ mit und war einer der Schöpfer von „Bernd das Brot“ (dafür gab es einen Grimme-Preis), ehe er bei der „ProSieben Märchenstunde“ und den „Funny Movies“ als Autor und Regisseur tätig war. Dann schrieb er eine erfolgreiche Fantasy-Buchreihe in der „Young Adult“-Sektion, deren ersten Band er nun selbst verfilmen durfte: „Mara und der Feuerbringer“. Das Jugendabenteuer ist ein augenzwinkernder Spaß, bei dem Elemente aus bekannten Filmvorbildern von „Bibi Blocksberg“ bis Marvels „Thor“ mit einer ganz individuellen Herangehensweise kombiniert werden.

    Die 14-jährige Mara Lorbeer (Lilian Prent) führt ein äußerlich ereignisloses Schülerleben in München, einzig ihre unerklärlichen düsteren Tagträume weichen von der Norm ab. Bis ausgerechnet nach einem „Baumsprechseminar“ ihrer esoterisch veranlagten Mutter Christa (Esther Schweins) ein kleiner Zweig zu Mara spricht und ihr eröffnet, dass sie besondere Fähigkeiten hat und den Weltuntergang verhindern soll. Fortan trifft Mara bei ihren Reisen in fantastische Parallelwelten auf nordisch-germanische Götter wie Loki (Christoph Maria Herbst) oder Monster wie den Lindwurm oder die Midgard-Schlange. Unterstützt wird sie bei ihren Abenteuern durch den Universitätsprofessor Weissinger (Jan Josef Liefers), der sich in der Materie auskennt und ihr den Unterschied zwischen Rumburak und Ragnarök erklärt. Oder auch mal durch Siegfried (Alex Simon), die altgermanische Version eines Unterwäschemodells…


    Auf den ersten Blick wirkt „Mara und der Feuerbringer“ wie ein Abklatsch bekannter US-Fantasy-Franchises. Prächtige Landschaften wie in „Der Herr der Ringe“, Ausflüge in die Mythenwelt wie bei „Percy Jackson“, Schulalltag contra Helden-Bestimmung wie in „Buffy - Im Bann der Dämonen“, dazu trägt Professor Weissinger sogar fast denselben Filzhut wie Indiana Jones. Aber all dies wird clever kombiniert und mit eigenen Akzenten versehen, wobei für fast jedes Zielpublikum etwas geboten wird. So muss man kein großer Fantasy-Fan sein, um mit Krappweis‘ Film Spaß zu haben, denn die popkulturellen Referenzen sind breit gestreut („Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht!“), dazu gibt es viel Humor und spielerisch eingeschmuggelten Subtext (die Konstellation zwischen Mara, ihrer Mutter und dem Professor ist durchaus in der Nähe von Nabokovs „Lolita“ anzusiedeln).

    Mara-Darstellerin Lilian Prent hat zwar ein wenig damit zu kämpfen, dass ihre Figur lange Zeit allein unterwegs ist und deshalb mit Selbstgesprächen und Voice-Over-Kommentaren ihren mentalen Zustand überdeutlich ausformulieren muss (wenn sie nicht mit wehleidig-staunendem Blick und hochgezogener Oberlippe auf die Effekt-Einstellungen reagiert), aber der Teenager und der Professor ergänzen sich als seltsames Paar durchaus - insbesondere wenn der Forscher mal wieder aus dem Häuschen ist wegen irgendeiner wissenschaftlichen Erkenntnis „aus erster Hand“ und das Mädchen stets die Worte findet, ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzubringen. Auch das oft überstrapazierte Rezept, prominente Gaststars auftreten zu lassen, trägt hier zur guten Laune bei, etwa wenn sich Oliver Kalkofe („Der Wixxer“) und Heino Ferch („Der Untergang“) die Ehre geben. Misslungen ist dagegen die steril wirkende Tonmischung, bei der einzig die superpräzise Diktion von Jan Josef Liefers zur Geltung kommt.
     
    Fazit: „Mara und der Feuerbringer“ ist ein eigenständiger Gegenentwurf zu US-amerikanischen Multi-Millionen-Dollar-Blockbustern, der trotz deutlich geringerem Budget zu keinem Zeitpunkt „billig“ wirkt. Und zumindest in Sachen Ideenreichtum lässt er einige der vermeintlichen Vorbilder hinter sich.

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