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Thou Wast Mild & Lovely
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Thou Wast Mild & Lovely
Von Andreas Günther
Auf der Eröffnungspressekonferenz zur Berlinale 2014 ließ sich Wettbewerbs-Jurorin Greta Gerwig („Frances Ha“) nicht nehmen, darauf hinzuweisen, wie schön sie es finde, dass die junge amerikanische Filmemacherin Josephine Decker in der Nebenreihe Forum gleich zwei Filme präsentieren dürfe. Gerwigs Enthusiasmus ist nachvollziehbar. Denn mit „Butter On The Latch“ und „Thou Wast Mild & Lovely” erzählt Decker auf höchst subtile Weise von weiblicher Verführung und erweist sich als weitere starke Vertreterin der als „Mumblecore“ bezeichneten amerikanischen Independent-Kino-Bewegung, zu der neben Schauspielerin Gerwig auch Regisseure wie Andrew Bujalski („Computer Chess“) oder die Duplass-Brüder („Cyrus“) gehören. „Thou Wast Mild & Lovely”, was im Deutschen wohl wiederzugeben ist mit „Oh was warst Du mild und lieblich!“, entpuppt sich dabei als eine höchst originelle Stil-Mischung aus „The Tree Of Life“ und „The Texas Chainsaw Massacre“: fragmentarische, visuelle Poesie trifft auf unerbittlichen, blutspritzenden Grusel.

Die junge Sarah (Sophie Traub) lebt mit dem knurrigen Jeremiah (Robert Longstreet), der ihr Vater zu sein scheint, auf einer abgelegenen Farm. Nur ein Gedanke, nur ein Gefühl bewegt sie: endlich der erträumten großen Liebe zu begegnen und leidenschaftlichen Sex zu haben. Akin (Joe Swanberg) könnte dieser Mann sein. Er hat als Arbeiter bei Jeremiah angeheuert, um seine Familie versorgen zu können. Vor Sarah verschweigt er aber, dass er verheiratet ist und einen Sohn hat. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit versucht Sarah, sein erotisches Interesse zu erwecken. Ihre Bemühungen fruchten wenig – bis sie gemeinsam eine entlaufene Kuh zurückholen müssen. Als auf dem Wochenende darauf Akins Frau Drew (Kristin Slaysman) samt Kind zu Besuch kommt, spitzen sich die Ereignisse ebenso erotisch wie mörderisch zu.


Josephine Decker macht es dem Publikum mit „Thou Wast Mild & Lovely“ nicht leicht: Was soll das rhythmische Heben und Senken der Kamera auf einer Wiese - versehen mit dem Schriftzug „An diesem Morgen“? Warum sieht man eine einsame Kuh mit der Betitelung „Etwas früher am Morgen“? Der Groschen fällt erst bei der nächsten Einstellung, die mit „Noch etwas früher am Morgen“ bezeichnet ist. Eine Hand öffnet ein Gatter und lässt so die Kuh entfliehen. Nun wird klar, dass das Tier als unbescholtene Komplizin für eine Intrige benutzt wird, mit der Akin auf einen Ausritt mit romantischem Ausgang gelockt werden soll. Dabei sollte er gewarnt sein, als er sieht, was Sarah mit einem Frosch macht, der eine Weile unter ihrem T-Shirt herumkrabbeln durfte. Stattdessen wurde so erst seine Erregung angestachelt.

Kamerafrau Ashley Connor geht mit der Handkamera immer wieder nah an die Figuren heran. Gegensätze sind dabei Prinzip. Mit scharfen Vorder- und verschwommenen Hintergründen wird der Zuschauer auf eine gewisse Weise frustriert, gleichzeitig aber seine Lust angestachelt, mehr sehen zu wollen. Realität und Phantasie werden dabei nicht nur vermischt, sondern gegeneinander ausgespielt, wie es auch Terrence Malick so gut beherrscht. Aus Fetzen historischer Wochenschauaufnahmen entsteht Sarahs Wunsch nach Aufnahme in den Liebeshimmel. Das wird im Hier und Jetzt durch Bilder animalischer Sexualität dementiert. Schmachtenden Versen, die sie aus dem Off an ihren Geliebten richtet, wird im Bild das Bellen eines böse aussehenden Hundes entgegengestellt. Dem Ausbruch von Gewalt steht die Aufnahme von Akins kleinem, in Windeln herumstapfenden Sohn gegenüber. Die Widersprüche in der Struktur des Films und das innere Chaos der Figuren, die ähnlich wie in einem amerikanischen Melodram aus den 1950er Jahren mit aufgestautem Begehren herumirren, stehen dabei im Einklang. Konsequent endet die Romantik schlussendlich auch im Horror.

Fazit: „Thou Wast Mild & Lovely“ ist hemmungslos poetisch und brutal, avantgardistisch und doch ganz irdisch.

Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2014. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 64. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.
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