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Die Hollars - Eine Wahnsinnsfamilie
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Die Hollars - Eine Wahnsinnsfamilie
Von Thomas Vorwerk
Um ihre persönlichen Traumprojekte realisieren zu können, versuchen sich viele Schauspieler gern auch als „Quereinsteiger“ in den Bereichen Regie, Drehbuch und Produktion. Einigen etablierten Stars wie Kevin Costner („Der mit dem Wolf tanzt“), Mel Gibson („Braveheart“) oder Brad Pitt („12 Years A Slave“) brachten diese Ausflüge sogar den Oscar ein. Und auch ein Darsteller aus der zweiten Reihe wie Tom McCarthy kam mit seinem Drehbuch zum Journalismus-Drama „Spotlight“ zu Academy-Ehren. Das Kaliber der genannten Werke erreicht John Krasinski („The Office“, „Away We Go“) bei seiner zweiten Regiearbeit „Die Hollars – Eine Wahnsinnsfamilie“ zwar (noch) nicht, aber er unterstreicht mit seinem tragikomischen Familiendrama, in dem er auch die Hauptrolle übernommen hat, dass er sowohl vor als auch hinter der Kamera das Zeug für einen weiteren Karrieresprung besitzt.

Als seine Mutter Sally (Margo Martindale) mit einem Gehirntumor im Krankenhaus landet, kehrt auch der nach New York „geflüchtete“ Sohn John Hollar (John Krasinski) zurück in die heimatliche Kleinstadt, obwohl seine aus wohlhabendem Hause stammende Freundin Rebecca (Anna Kendrick) hochschwanger ist. Im Hospital trifft der erfolglose Comiczeichner als erstes auf den Krankenpfleger Jason (Charlie Day), der mittlerweile Johns Highschool-Freundin Gwen (Mary Elizabeth Winstead) geheiratet hat. Die Situation überfordert den Rückkehrer bald: Der Familienbetrieb von Vater Don (Richard Jenkins) steht vor dem Konkurs, der Mutter geht es immer schlechter und die alten Gefühle von Gwen für John sind auch noch ziemlich lebendig …



Besonders viel Spaß bereitet „Die Hollars“ immer dann, wenn Regisseur John Krasinski und Drehbuchautor Jim Strouse („Grace Is Gone“) dutzendfach gesehene Handlungswendungen andeuten und die so geschürten Erwartungen dann mit einem mitreißenden Selbstbewusstsein durchkreuzen. Das beste Beispiel dafür ist der Erzählstrang um Johns Bruder Ron (Sharlto Copley), der gerade vom Vater gefeuert wurde: Er vermisst seine kleinen Töchter und lungert mit einem Fernglas vor dem Haus seiner Exfrau herum – vor allem weil er deren Tröster, dem „Kinder-Pastor“ Dan (Josh Groban) nicht über den Weg traut. Aber der erweist sich schließlich als feiner hilfsbereiter und fürsorglicher Kerl, der gar nicht so leicht zu hassen ist. Dazu kommt als positiv irritierender Faktor, dass der für seine betont schrägen Rollen etwa in „Hardcore“ und „Chappie“ bekannte Sharlto Copley hier als Fast-Normalo beinahe ein wenig deplatziert wirkt. Aber genau aus solchen Reibungen bezieht „Die Hollars“ seinen größten Reiz.

So gelingt auch der Spagat zwischen Humor und Familiendrama nicht immer so ganz, was seinen eigenen Charme hat: Wenn Ron von Harndrang geplagt zu einem Notbehelf greift („Deine Mutter tut da den Orangensaft rein!“), während ebenjene Mutter gerade hilflos auf dem Badezimmerfußboden liegt und ihr der Lockenwickler den Arm verletzt, oder wenn der mit reichlich Verspätung auftauchende Arzt sich mit einer klischeemäßigen Golfrunde „entschuldigt“, dann bewegt sich der titelgebende Wahnsinn näher an Sitcom-Kapriolen als an wirklichen Verrücktheiten. Das Entscheidende dabei ist aber, dass selbst die neurotischsten Figuren hier immer irgendwie liebenswürdig und lebensnah bleiben, allen voran Krasinskis John, der vom Typ her stark an den verpeilten Ted Mosby aus „How I Met Your Mother“ erinnert - nur eben in einer Episode, in der es gleichsam nebenbei und trotzdem auch ganz ernsthaft um Leben und Tod, Scheidungen und einstweilige Verfügungen geht.

Fazit: Independent-Familienkomödie mit leichtem Witz, emotionalem Tiefgang, einer tollen Besetzung und einem schwungvollen Old-School-Soundtrack von Songwriter Josh Ritter.

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