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Downsizing
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Downsizing
Von
Es gibt schon etliche Miniaturmensch-Filme, die aber fast alle gemein haben, dass die Macher das Schrumpf-Szenario in erster Linie wegen der visuellen Vorzüge der ins Absurde verkehrten Größenverhältnisse nutzen, sei es für Horror („Dr. Zyklop“, „Attack Of The Puppet People“), Abenteuer („Die phantastische Reise“, „Die Reise ins Ich“) oder Humor („Liebling ich habe die Kinder geschrumpft“, „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“). Nun ist Alexander Payne nicht dafür bekannt, in seinen Filmen wie „Election“, „About Schmidt“ oder „Sideways“ vornehmlich auf computergenerierte Schauwerte zu setzen, was die Ankündigung des Regisseurs, auch einen solchen Schrumpf-Film drehen zu wollen, natürlich nur noch faszinierender klingen ließ. Und tatsächlich: In „Downsizing“ haben die Miniaturstädte gleichsam die Funktion eines spannenden sozialen Experiments und sind nicht bloß ein Alibi für den Großeinsatz der Spezialeffektabteilung. Aber während man in der weltenentwerfenden ersten Stunde, in der Payne uns gemeinsam mit Matt Damon auf Daumengröße schrumpfen lässt, aus dem Staunen kaum noch herauskommt, sind die (zu vielen) Geschichten, die der zweifache Oscargewinner anschließend in seinem (überraschend abgründigen) Miniaturwunderland erzählt, leider weniger gut gelungen.

Inzwischen ist es zehn Jahre her, dass die norwegischen Wissenschaftler Dr. Jorgen Asbjørnsen (Rolf Lassgård) und Dr. Andreas Jacobsen (Søren Pilmark) ein Verfahren entwickelt haben, mit dem sich ein Mensch auf ein 2744-stel seiner ursprünglichen Körpergröße zusammenschrumpfen lässt. Schon bald nach der Entdeckung haben sich überall um den Globus Miniatur-Kolonien gegründet, die von außen betrachtet wie Modellbauausstellungen anmuten, nur dass eben lebendige Menschen darin wohnen. Offiziell wird das Schrumpfen als Möglichkeit gefeiert, den drohenden Naturkollaps doch noch aufzuhalten – schließlich verbraucht ein daumengroßer Mensch deutlich weniger Ressourcen als ein normalgroßes Exemplar. Für den einzelnen, der sich für die Extremverkleinerung entscheidet, spielt hingegen häufig ein weit weniger altruistisches Argument die ausschlaggebende Rolle, nämlich der damit verbundene soziale Aufstieg: So entsprechen 52.000 Dollar in der Miniaturwelt einem Gegenwert von etwa 12,5 Millionen Dollar (eine Puppenhausvilla ist nun mal sehr viel billiger als eine echte). Da lässt sich auch von normalen Ersparnissen plötzlich sehr, sehr gut leben – und so entschließen sich auch der Ergotherapeut Paul Safranek (Matt Damon) und seine Frau Audrey (Kristen Wiig), nachdem sie sich ihr Traumhaus in der großen Welt nicht leisten konnten, in Zukunft als kleine Menschen zu leben…

Downsizing Trailer DF

Wenn sich Grant Williams in „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.“ mit einer monstergroßen Hauskatze konfrontiert sieht oder die Protagonisten in „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ fast von simplen Regentropfen erschlagen werden, dann sind das in einem Fantasy-Kontext schon ziemlich coole Setpieces. Aber wenn die erste Stunde von „Downsizing“ eines zeigt, dann dies: Auch im Jahr 2017, in dem selbst auf eine CGI-Mammutmaterialschlacht wie „Transformers 5“ viele Zuschauer nur noch mit einem milden Gähnen reagieren, können einen Spezialeffekte auf der Kinoleinwand noch immer zum Staunen bringen, wenn sie nur in einen glaubhaften Kontext gestellt werden und man nicht einfach nur überwältigt wird, sondern auch Empathie für die Situation entwickeln kann (so ließe sich übrigens auch der überraschende Effekt-Oscar für den eher zurückhaltenden CGI-Einsatz in „Ex Machina“ erklären). Alexander Payne gelingt diese Wirkung, indem er sich zunächst erstaunlich viel Zeit für die Erforschung der vielschichtigen Motivation seines Protagonisten nimmt – wenn sich Paul Safranek nach etwa einer Dreiviertelstunde schließlich der Prozedur unterzieht, dann versteht man genau, was er sich alles davon erhofft (und man begreift die tiefe Tragik, weil auf der Hand liegt, dass sich viele Probleme dann doch nicht so leicht lösen lassen).

Die Prozedur selbst ist dann auch wenig überraschend der Höhepunkt des Films – eben auch, weil Payne bewusst auf die üblichen Fantasy-Klischees wie merkwürdige Apparaturen oder zuckende Blitze verzichtet, sondern den Verkleinerungsprozess stattdessen wie eine fast schon industriell anmutende Massenabfertigung inszeniert. Durch den steril-einheitlichen Look der Schrumpfstation und insbesondere durch das vorherige Entfernen aller Zahnimplantate, die als totes Material nicht mitschrumpfen würden, beschwören diese Szenen sicherlich beabsichtige Assoziationen an die Massenvernichtungsmaschinerie des Holocaust herauf, die dann aber auch sofort wieder augenzwinkernd gebrochen werden, etwa wenn die normalgroßen Krankenschwestern die nackten und kahlgeschorenen Mini-Menschen mit einer Art Pfannenwender aus ihren nun viel zu riesigen Betten heben. Nach dieser herausragenden zehnminütigen Sequenz und der starken Einführung der Protagonisten und ihrer sozialen Situation ist man als Zuschauer jedenfalls hochgradig gespannt, was Payne nun wohl daraus macht und was er uns alles über das Leben in einer solchen Miniaturwelt erzählen will.

Aber mit der Ankunft in Pauls neuer Winzig-Villa entgleitet Payne sein Film zunehmend. Nicht nur erzählt er in einer Art Zickzack-Dramaturgie zu viele Handlungsstränge nacheinander (von denen zudem viele kaum etwas miteinander zu tun haben), der arg kalkuliert wirkende Hauptplot erweist sich zudem auch noch als ein einziges sozialromantisches Klischee: Nachdem Paul der Putzfrau Ngoc Lan Tran (Hong Chau), die vom vietnamesischen Regime gegen ihren Willen geschrumpft wurde, um sie so unschädlich zu machen, versehentlich ihr Holzbein kaputtgemacht hat, muss er sie die nächsten Tage bei ihrer Arbeit unterstützen und erkennt, dass hinter der glänzenden Fassade der neuen schönen Miniwelt ebenfalls ziemliche soziale Abgründe schlummern. Wenn dieser grob gestrickte Handlungsstrang in der realen Welt angesiedelt wäre, würde man ihn Payne mit Schmackes um die Ohren hauen. In dem Science-Fiction-Setting und dank der unwiderstehlich-ansteckenden Energie von Hong Chau („Big Little Lies“), dem gar nicht so heimlichen Star des Films, geht diese gut gemeinte statt gut gemachte Miniatur-Moralfabel am Ende gerade noch so durch, mehr aber auch nicht.

Fazit: Als Ganzes ist „Downsizing“ eher misslungen – und trotzdem ist Alexander Paynes Science-Fiction-Satire wegen ihrer vielen faszinierenden Ideen und herausragenden Einzelszenen doch sehenswert.
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Kommentare

  • FAm Dusk Till Dawn

    Schade ...Klingt leider nicht nach dem Film den ich mir erhofft hatte.

  • TresChic

    Ich kenne noch seine Gurke 'Sideways'. Den Film mochten die Kritiker aber das Publikum ist vor Langeweile eingeschlafen. Jetzt hier diese schräge Kritik: Film misslungen aber Einzelszenen toll. 3.5 Sterne. Hat der Typ was geraucht? ^^

  • Jimmy V.

    VERRAT! Wie kannst du "Sideways" als Gurke bezeichnen? Langeweile?! Es gibt keine bessere Tragikomödie auf diesem Planeten. Absolut dichte Charakterisierung, eine der besten Figurenzeichnungen, die ich je gesehen habe.

  • TresChic

    Für mich ist der Film ein Drama, ein sehr trauriges noch dazu. Ich finde einzig und allein die Figur von Haden gut gezeichnet. Er ist ein weinerlicher Schlappschwanz - hat Haden gut gespielt. Der Handlungsstrang ist meiner Meinung nach extrem zäh.Giamatti kennt, wie immer, nur einen Gesichtsausdruck (dieses ernst, halbtodetraurige Gucken....völlig überbewertet der Typ). Lachen? Ja, haha als Giamatti den Spucktrichter trinkt? Nein, nicht wirklich. Na ja, ist halt Geschmackssache.

  • TresChic

    Nochmal: lies seine Kritik -> Film misslungen aber Einzelszenen toll, daher 3,5 Sterne. Das ist absurd. Und nochmal für dich: er schreibt FILM MISSLLUNGEN ;)

  • Jimmy V.

    Natürlich ist es Geschmackssache. Aber das ist immer so eine lausige Ausrede, die Diskussionen uninteressant macht.
    Ich finde, die Stärke des Films ist es, alle Figuren als menschlich zu zeichnen - mit allen Schwächen und Stärken. Jack kann man doch nichts krumm nehmen, obwohl er halt seine Braut betrügt. Und Miles ist ein eigentlich einfühlsamer Mensch, der irgendwie aus der Spur geworfen wurde. Das finde ich super. Die Handlung spiegelt eigentlich klassische "Urlaubsmovies" wieder, nur das hier ein vermeintlich böses Erwachen am Ende lauert.

  • Fain5

    jA BITTEß

  • Knarfe1000

    Ich muss irgendwie an "Get ´em out by Friday" von Genesis denken.

  • TresChic

    Haden wurde ja auch für seine grandiose Darstellung belohnt. Mit der Darstellung von Miles konnte ich nichts anfangen. Ich fand es anstrengend seinem Spiel zu folgen. Meiner Meinung nach hat dieser Film das Publikum sehr gespalten. Nach der Vorführung gab es einiges Murren bei den Zuschauern. Dann gibt es wieder Leute wie du, die den Film loben. Ich denke, das hängt mit Giamatti zusammen. Seinen anderen Film "About Schmidt" würde ich hingegen als sehr gut bezeichnen und auch als echte Tragikomödie.

  • HalJordan

    Für einen Film von Alexander Payne ist das sicherlich eine Enttäuschung. Auf der anderen Seite ist ein sehenswerter Payne-Film immer noch besser, als der Durchschnitt. Der wird geschaut, aber eher im Free-TV bzw. bei Amazon Prime.

  • Jimmy V.

    Für mich ist "Sideways" nicht nur der beste Film von Alexander Payne, eine der besten Tragikomödien überhaupt, sondern zusätzlich auch noch einer der besten Filme an sich. Ich kann an Giamattis Darstellung nichts Schlechtes finden. Auch er wurde über alle Maßen gepriesen. Die Meinung war damals bei den Preisverleihungen eher, dass es in Amerika schwer fällt eine Figur zu mögen, die depressiv, introvertiert, passiv und nicht dem Schönheitsideal entsprechend ist - also mal so grob gesagt. Entsprechend wurde Giamatti nicht als bester Hauptdarsteller bei den Oscars nominiert, obwohl er das ebenso verdient hätte wie Thomas Haden Church für die beste Nebenrolle.

  • Thomas V.

    Nein! ALS GANZES - EHER - misslungen. Man muss schon den ganzen Satz lesen, nicht nur ein Adjektiv rauspicken. Das machen eher die Werbeagenturen. Zum "Prinz von Ägypten", diesem seltsamen Bibel-Zeichentrick, schrieb mal ein Kollege, dass "die Darstellung des Wassers tricktechnisch herausragend war" (oder so ähnlich). Auf dem Plakat stand dann "herausragend" und der Name seiner Zeitung.

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