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    Voll verkatert
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Voll verkatert
    Von Antje Wessels
    Nicht nur erhält man etwa 56 Millionen Treffer, wenn man bei YouTube den Suchbegriff „Cat“ eingibt, die immer genervt dreinblickende Grumpy Cat hat mit „Grumpy Cat’s miesestes Weihnachtsfest ever“ sogar einen eigenen Spielfilm spendiert bekommen. Katzen gehen immer! „Men In Black“-Regisseur Barry Sonnenfeld versucht mit seiner Körpertausch-Komödie „Voll verkatert“ nun auf diesen pelzigen Zug aufzuspringen. Das Problem: Obwohl sich vor der Kamera die Hollywood-A-Liga tummelt und Sonnenfeld eigentlich ausreichende 20 Millionen US-Dollar zur Verfügung standen, erweist sich der Film als gescheiterter Kalauerreigen mit miesen Effekten. Lediglich die deutsche Synchronisation hat mit Oliver Kalkofe einen gelungenen Coup in petto.

    Geschäftsmann und Familienvater Tom Brand (Kevin Spacey) hat seine Prioritäten klar festgelegt: An erster Stelle steht sein Job als Geschäftsführer eines Milliardenunternehmens, das gerade dabei ist, das höchste Gebäude Nordamerikas bauen. Erst danach folgen seine Ehefrau Lara (Jennifer Garner) und seine Tochter Rebecca (Malina Weissman). Mit seinem Ehrgeiz treibt Tom nicht bloß seine Angestellten regelmäßig zur Weißglut, auch David (Robbie Amell), sein Sohn aus erster Ehe, wird regelmäßig von seinem Dad schikaniert. Als sich Rebecca zu ihrem Geburtstag ein Kätzchen wünscht, trifft Tom in der Tierhandlung auf den mysteriösen Katzenflüsterer Felix Perkins (Christopher Walken), der beschließt, dem nachlässigen Vater eine Lektion zu erteilen. Nach einem Unfall liegt Tom im Koma, doch sein Verstand lebt – in der Gestalt eines flauschigen Katers…



    Fast jede Körpertausch-Komödie endet damit, dass der Protagonist sein eigenes Leben nach dem Ausflug in einen anderen Körper plötzlich viel mehr zu schätzen weiß. Das ist nicht originell, aber wenn die Geschichte in Filmen wie „17 Again“ oder „30 über Nacht“ sympathisch verpackt wird, dann ist das gar nicht weiter schlimm. „Voll verkatert“ ist aber weder sympathisch noch charmant. Gegen Tom Brand wirkt selbst Kevin Spaceys Paraderolle des Politiker-Widerlings Francis Underwood aus „House Of Cards“ wie ein echt netter Kerl. Ob nun der Umgang mit seinen Mitarbeitern oder die Gleichgültigkeit gegenüber seiner Familie - Tom ist ein Ekel, wie es im Buche steht, weshalb man gar nicht auf die Idee kommen würde, ihm für seine Mission wieder raus aus dem Katzenkörper die Daumen zu drücken. Auch die übrigen Charaktere sind so schablonenhaft gezeichnet, dass sie einfach keinen Funken Leben entwickeln: Jennifer Garner („Dallas Buyers Club“) und Malina Weissman („Supergirl“) so konsequent ohne jeden Elan, dass es nicht weiter verwundert, dass sich der Film nach einer kurzen Phase des Schocks nach Toms Unfall ausschließlich den Katzeneskapaden zuwendet. Die Charaktere, die Macher, die Zuschauer – alle scheinen nach kürzester Zeit zu vergessen, dass Tom im Koma liegend um sein Leben kämpft.

    Apropos Katzeneskapaden – selbst die sind schwer erträglich! Es gibt ein paar leidlich lustige Szenen, in denen reale Katzen auf der Leinwand agieren. Aber die sind erstaunlich rar gesät. Stattdessen setzt Regisseur Sonnenfeld angesichts der albernden Verrenkungen des Katers konsequent auf CGI-Effekte. Blöd nur, dass die Qualität der Computerkatze zum Haare raufen ist. Den Vogel schießt Sonnenfeld mit dem Finale ab, in dem Robbie Amell („Duff – Hast du keine, bist du eine“) und der animierte Kater gemeinsam von einem Hochhaus stürzen - eine derart grottig animierte Green-Screen-Sequenz hätte es nicht einmal zu Beginn der CGI-Welle in den Neunzigerjahren ins Kino geschafft. So bleibt im Hinblick auf die Stärken des Films einzig die kauzige Darbietung von Christopher Walken („7 Psychos“) als undurchsichtiger Katzenflüsterer – sowie in der deutschen Fassung die Stimme von Oliver Kalkofe, der ja als pizzafressender Kater schon einmal einen Film vor dem Totalausfall gerettet hat (nämlich „Garfield 2“) und nun auch Kevin Spacey überraschend gut synchronisiert.

    Fazit: Jedes YouTube-Katzenvideo ist komischer! „Voll verkatert“ ist nicht lustig und die Animationen sehen schrecklich billig aus.
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