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    Tschiller: Off Duty
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Tschiller: Off Duty
    Von Lars-Christian Daniels
    Eines muss man Schauspieler und Filmemacher Til Schweiger („Honig im Kopf“) lassen: Stolze 29 Jahre nach dem letzten Kino-„Tatort: Zabou“ mit Kult-Kommissar Horst Schimanski (Götz George) hat er die Traditionsmarke wieder auf die große Leinwand gebracht! Aber wollen die „Tatort“-Fans das überhaupt sehen? Viele Zuschauer hätten sich statt Schweiger, dessen Hamburger „Tatort“-Folgen zum Jahreswechsel 2015/2016 herbe Quoteneinbrüche verzeichneten, lieber die Publikumslieblinge Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) im Kino gewünscht – doch während die Planungen beim WDR noch in den Kinderschuhen stecken, machte der NDR Nägel mit Köpfen. Von einem klassischen „Tatort“ bleibt dabei unter dem Strich nicht viel übrig: In Christian Alvarts „Tschiller: Off Duty“ fehlt sogar der berühmte Fadenkreuz-Vorspann, und auch sonst ist der ganz auf seinen Star zugeschnittene Actionthriller näher dran an Bond, Bourne und als an typischen Sonntagabendkrimis. „Tschiller: Off Duty“ funktioniert auch ohne Vorwissen und will sich an großen Hollywood-Vorbildern messen lassen – zieht bei diesem Vergleich aber als uninspiriertes Actionspektakel vom Reißbrett klar den Kürzeren.

    Der Hamburger LKA-Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger), der aufgrund seiner jüngsten Eskapaden vom Dienst freigestellt wurde, kann erst einmal durchatmen: Sein Erzfeind Firat Astan (Erdal Yildiz), der seine Ex-Frau Isabella Schoppenroth (Stefanie Stappenbeck) erschossen hat, sitzt in der Türkei hinter Schloss und Riegel. Tschillers Tochter Lenny (Luna Schweiger) reicht das allerdings nicht: Sie reist auf eigene Faust nach Istanbul und will dort Rache am Mörder ihrer Mutter nehmen. Ihr Versuch schlägt fehl: Astan entkommt schon vor ihrer Ankunft aus dem Gefängnis – und Lenny gerät in die Gefangenschaft des skrupellosen Gangsters und Ex-Geheimagenten Süleyman Seker (Özgür Emre Yildirim), der Astan unter seinen Fittichen weiß und gute Beziehungen zu dem russischen Organhändler Alexander Kinski (Evgeniy Sidikhin) pflegt. Weil Yalcin Gümer (Fahri Yardim) Lennys Handy von Hamburg aus orten kann, heftet sich Tschiller gemeinsam mit seinem loyalen Partner an die Fersen seiner Tochter. Am Bosporus erfahren die beiden, dass Lenny nach Moskau verschleppt wurde...


    Nicht nur verbal schließt sich in „Tschiller: Off Duty“ der Kreis: „Fuck!“ lautete Nick Tschillers erstes Wort bei seinem „Tatort“-Debüt 2013 – und auch bei seinem fünften Einsatz gehören englische Kraftausdrücke fest zum Wortschatz aller Beteiligten („Fuck you!“ – „Fuck me? Bitch!“). Viele Zuschauer verschreckte zuletzt nicht nur dieser Tonfall: Lockte Schweiger mit seinem Hamburger „Tatort: Willkommen in Hamburg“ vor drei Jahren noch 12,6 Millionen Zuschauer vor die Fernseher, wollten Anfang 2016 nur noch 7,7 Millionen Zuschauer den „Tatort: Fegefeuer“ sehen. Der NDR hat trotz der Star-Besetzung ein Quotenproblem – und man darf gespannt sein, wie es nach dem Kino-„Tatort“ an der Waterkant weitergeht. Der Kampf gegen den Astan-Clan findet in „Tschiller: Off Duty“ nämlich seinen Abschluss: Tschiller, der wie schon im „Tatort: Kopfgeld“ seinen nackten Hintern in einer Bettszene zeigen darf, jagt nach dem Zwischenstopp in Istanbul in bester 007-Manier weiter nach Moskau. Zwischen der Bond-Reihe und dem Tschiller-„Tatort“ liegen dennoch Welten: Während die populäre Agentenreihe, für die sich Schweiger zuletzt gar als Hauptdarsteller ins Spiel brachte, regelmäßig neu erfunden und über die Jahrzehnte als eines der erfolgreichsten Franchises überhaupt etabliert wurde, lässt „Tschiller: Off Duty“ die Eigenständigkeit vermissen.

    Der Filmverleih verspricht eine „atemlose Odyssee durch halb Europa“ - doch anders als in der Bond-Reihe bleibt es hier bei lediglich zwei Schauplätzen. Die dünne Entführungsstory wirkt eher wie ein humorvoller Abklatsch von „96 Hours“, und für das Drehbuch aus der Feder von Christoph Darnstädt standen auch die „Lethal Weapon“-Reihe und andere Buddy-Cop-Filme Pate. Der Stammautor setzt voll auf das vielfach erfolgserprobte Wechselspiel aus rasanter Action und lockeren Sprüchen: Für die mal mehr, mal weniger gelungenen Pointen zeichnet meist Spaßvogel Yalcin Gümer verantwortlich, während Tschillers platte One-Liner („Ich sprech‘ kein Fleischklops.“) trotz einer netten Anspielung auf Russlands Umgang mit Homosexuellen meist ohne die erhofften Lacher verpuffen. Auch sonst liefert der Film vor allem das, was wir schon in unzähligen Hollywood-Produktionen besser gesehen haben – von den 25 nervigen Actionfilm-Klischees, die wir nie wieder sehen wollen, erfüllt „Tschiller: Off Duty“ locker ein halbes Dutzend.

    Zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt die Chemie allerdings: Schweiger und Yardim, die auch privat befreundet sind, harmonieren vor der Kamera prächtig. Auch Regisseur Christian Alvart („Banklady“) macht erneut einen guten Job: Handwerklich waren seine Hamburger „Tatort“-Arbeiten schon immer über jeden Zweifel erhaben, und auch „Tschiller: Off Duty“ punktet mit rasanter Action, der man das im Vergleich zu TV-Produktionen deutlich aufgestockte Budget vor allem im spektakulären Schlussdrittel anmerkt. Pfiffige Wendungen, doppelte Böden oder vielschichtige Figuren sind allerdings Mangelware: Die Rollen von Gut und Böse sind im Kino-„Tatort“ eindeutig definiert, denn mit dem charismatischen Erzfeind Firat Astan (Erdal Yildziz) verschwindet die interessanteste Figur schon früh von der Bildfläche. Alle anderen Gangster sind nur wandelnde Klischees: Süleyman Seker & Co. lassen verbal die Muskeln spielen, machen auf harten Mann und geraten früher oder später mit Rüpelcop Tschiller aneinander, der sich als von Sorge getriebener Vater mit dem obligatorischen Cut im Gesicht durch das Geschehen ballert und prügelt.

    Fazit: Mehr Action, mehr Humor, mehr Til Schweiger, weniger „Tatort“: Christian Alvart und sein Star setzen in „Tschiller: Off Duty“ klare Akzente, aber ihre Hatz durch Istanbul und Moskau ist reichlich unausgegoren.
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