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    Meine teuflisch gute Freundin
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Meine teuflisch gute Freundin
    Von Antje Wessels

    Hortense Ullrich ist eine gefragte Autorin angesagter Jugendliteratur. Aus ihrer Feder stammen beispielsweise diverse Romane aus der beliebten „Freche Mädchen, freche Bücher“-Reihe, die inzwischen schon mehr als 100 Bände umfasst. 2008 und 2010 gab es auch zwei „Freche Mädchen“-Verfilmungen (nach Vorlagen von Ullrichs Kollegin Bianka Minte-König), in denen die durchaus markige Attitüde der Bücher im Umgang mit den Pubertätsproblemen der Protagonistinnen allerdings ziemlich glattgebügelt wurde. Nicht so nun bei der Kinoadaption von Hortense Ullrichs mindestens genauso frechem „Meine teuflisch gute Freundin“ – ganz im Gegenteil. Regisseur und Drehbuchautor Marco Petry („Heiter bis wolkig“) hat die Essenz des ungewöhnlichen, da überraschend bösen Jugendbuchs verinnerlicht und legt nach der soliden Teenieklamotte „Doktorspiele“ diesmal eine herrlich unkonventionelle Komödie für kleine und große Teufel vor.

    Die 14-jährige Lilith (Emma Bading) ist ein wenig anders als andere Teenager. Sie wird zu Hause unterrichtet, hat keine Freundinnen und wenn sie wütend wird, setzt sie auch schon mal ihren Teppich in Brand. Der Grund dafür ist ihr Vater (Samuel Finzi). Dieser ist nämlich niemand Geringeres als der Teufel höchstpersönlich und erzieht seine Tochter ganz den Traditionen entsprechend zu einem echt fiesen Menschen. Doch langsam hat Lilith genug davon, ihre Streiche und Intrigen einzig und allein über das Internet zu verbreiten. Sie will hinaus in die Welt und sich an echten Opfern versuchen. Ihr Vater lässt sich zu einer Wette überreden: Wenn Lilith die ausgewählte Zielperson innerhalb von sieben Tagen böse macht, darf seine Tochter dauerhaft in den Außendienst. So zieht Lilith bei der Familie Birnstein ein, um die Außenseiterin Greta (Janina Fautz) zu teuflischen Taten anzustiften. Blöd nur, dass Greta und ihre Familie (Alwara Höfels, Oliver Korittke) augenscheinlich die nettesten Menschen der Welt sind…

    Kinder- und Jugendfilme scheitern oft an der besonderen Herausforderung, die Zielgruppe in ihrer eigenen Sprache anzusprechen. Nicht so „Meine teuflisch gute Freundin“. Zwar mussten wir zum ersten Mal bei einem Gag so richtig laut loslachen, den die jüngeren Zuschauer vielleicht noch gar nicht so recht goutieren können (auf die Frage, weshalb Lilith offiziell aus dem Saarland kommt, sagt ihr Vater, dass sich mit dieser Herkunft eventuell merkwürdige Gewohnheiten leichter erklären ließen – Jan Böhmermann lässt grüßen!), doch mit diesem Spruch geben Marco Petry und sein Co-Autor Rochus Hahn („Der Geschmack von Apfelkernen“) trotzdem direkt die Marschrichtung vor. In „Meine teuflisch gute Freundin“ wird nicht bemüht in Richtung Coolness geschielt und es werden den jungen Darstellern auch keine Worte in den Mund gelegt, die kein Teenie dieser Welt sagen würde. Hier nimmt einfach nur niemand ein Blatt vor den Mund, was sich auch in der leicht überzeichneten Attitüde sämtlicher Figuren widerspiegelt.

    Wo zuletzt Joachim Masannek in „Liliane Susewind“ auf extrem abgehobene Karikaturen setzte, werden die spleenigen Figuren in „Meine teuflisch gute Freundin“ trotz aller gelegentlichen Überdrehtheit (die übertrieben freundlichen Birnsteins entsprechen letztlich schon irgendwie dem Klischee der Öko-Familie, während es an Gretas Schule natürlich auch die altbekannten Oberzicken gibt) nicht nur durch die allesamt äußerst souveränen Darsteller geerdet. Ihre Eigenheiten werden auch sehr schlüssig in die Geschichte miteinbezogen und sind nicht zuletzt für die ein oder andere erzählerische Überraschung gut. Da ist etwa der augenscheinlich so oberflächliche Supermacho („Bibi & Tina“-Schwarm Emilio Sakraya wickelt mal wieder alle um den Finger) am Ende möglicherweise gar nicht mehr der Idiot, als der er eingeführt wird, und Gretas stets in sich ruhende Mutter sehnt sich letztlich doch danach, auch endlich einmal so richtig aus der Haut fahren zu dürfen. Die dazwischen stattfindenden Bemühungen Liliths, ihr „Opfer“ Greta so sehr auf die Palme zu bringen, dass selbst aus ihr ein böses Mädchen wird, sind allerdings das Herzstück des Films.

    Ihr von Samuel Finzi („HERRliche Zeiten“) respekteinflößend verkörperter Teufels-Daddy ist Liliths großes Vorbild. Entsprechend greift das Mädchen von Anfang an zu ziemlich fiesen Methoden, um Greta zu manipulieren. Deren heimlichem Schwarm gibt sie Geld, damit dieser erst mit ihr flirtet und sie anschließend abserviert. Mit kurzen Kleidern und ordentlich Make-Up macht sie aus der grauen Maus ein Schulbitch-taugliches Flittchen. Dass der Plan ins Gegenteil umschlägt und sich die allgemeine Warmherzigkeit in Gretas Familie schließlich auch positiv auf Lilith auswirkt – inklusive einer eigenen kleinen Liebesgeschichte – ist zwar nicht besonders originell, funktioniert hier allerdings nicht bloß aufgrund des sorgfältigen Drehbuchs, das nie ins Schematische verfällt, sondern auch durch die fantastische Chemie unter den Darstellern, gepaart mit einigen herrlich überdreht inszenierten Einzelszenen. Wenn Lilith sich regelmäßig mit den Schulrowdys anlegt, agiert die Newcomerin Emma Bading („Lucky Loser“) einfach unendlich cool, während Janina Fautz („Sommerfest“) dem Treiben mit charmanter Ratlosigkeit zuschaut und ihrer Figur mit der Zeit immer mehr Selbstvertrauen verleiht.

    Während die spielfreudigen Darsteller und die originelle Geschichte die temporeiche Komödie (es gibt hier so gut wie keinen erzählerischen Leerlauf) absolut sehenswert machen, kann der Look des Films da nicht so recht mithalten, denn „Meine teuflisch gute Freundin“ sieht einfach nicht nach großer Leinwand aus. Zwar entschieden sich die Macher dafür, nicht schon wieder in irgendeiner angesagten Großstadt zu drehen, sondern ein kleines, unscheinbares Dorf zur Kulisse zu machen, aber mit der recht statischen, rein funktionalen Kameraarbeit und den zum Großteil arg überbelichteten Bildern erinnert das Ganze visuell doch eher an eine typische TV-Serie denn an einen Kinofilm.

    Fazit: Mit „Meine teuflisch gute Freundin“ gelingt Marco Petry ein charmantes Jugendabenteuer voller fieser kleiner Spitzen und tollen Gags. Dazu kommen ein wohldosierter Schuss Romantik und eine fantastische Newcomerbesetzung.

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