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    Fifty Shades Of Black - Gefährliche Hiebe
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Fifty Shades Of Black - Gefährliche Hiebe
    Von Christoph Petersen
    Mit gleich vier Horror-Parodien („Scary Movie 1 + 2“, „Ghost Movie 1 + 2“) hat Star und Drehbuchautor Marlon Wayans das Genre in den vergangenen 15 Jahren so lange totgeritten, bis es irgendwann wirklich niemand mehr sehen wollte („Ghost Movie 2“ ist in Deutschland sogar direkt auf DVD erschienen). Statt „Scream“ & Co. knöpfen sich Wayans und sein „Ghost Movie“-Regisseur Michael Tiddes deshalb nun einen Film vor, über den sich sowieso schon jeder lustig gemacht hat: Sam Taylor-Johnsons Hausfrauen-SM-Romanze „Fifty Shades Of Grey“ ist ein leichtes Ziel, das die Macher mit „Fifty Shades Of Black“ aber dennoch meilenweit verfehlen. Lediglich dem „Black“ im Titel ihres Films werden sie gerecht, weil zumindest einige Seitenhiebe auf Rassenvorurteile tatsächlich voll ins Schwarze treffen.

    Es ist extrem mühselig und wenig erhellend, sich darüber auszulassen, warum eine Parodie schlicht nicht lustig ist – deshalb lest euch am besten einfach unsere Kritik zu „Die Pute von Panem – The Starving Games“ durch, die einzelnen Punkte treffen alle auf ziemlich ähnliche Weise auch auf „Fifty Shades Of Grey“ zu: Man schmunzelt in einer Handvoll Szenen, der Rest mäandert zwischen unbeholfen, angestrengt und öde! Stattdessen nehmen wir uns lieber die wenigen guten Momente vor, denn die sind tatsächlich nicht uninteressant und heben den Film so auch deutlich über den absoluten Parodien-Bodensatz wie „Meine Frau, die Spartaner und ich“, „Fantastic Movie“ oder „Beilight – Biss zum Abendbrot“.


    Gleich zu Beginn pickt sich Christian Black (Marlon Waynes) aus einer großen Sammlung feiner Krawatten eine heraus, während ein weißer Butler ihm den Kragen zurechtrückt. Aber schon mit dem nächsten Schnitt wird offenbart, dass er sich nicht in seinem Penthouse, sondern in einem Herrenmodegeschäft befindet, wo er nicht nur die Krawatte, sondern vor der Tür auch gleich noch einen roten Sportwagen mitgehen lässt. Multimillionenschwerer Geschäftsmann hin oder her – Schwarze sind nun mal Verbrecher! Später wird Hannah Steele (Kali Hawk) von Christians weißer Adaptivmutter (Jane Seymour) in seiner Wohnung direkt zur Begrüßung mit der Elektroschockpistole traktiert, woraufhin die Schützin sich schon mit der „Stand Your Ground“-Doktrin verteidigt, bevor ihr Opfer auch nur zuckend auf dem Boden aufgeschlagen ist. Auch von den eher zahmen SM-Jokes landen vor allem die mit Rassenbezug im Ziel: So hat Black die einzelnen Peitschen seiner Sammlung nach Sklavenfilmen von „Amistad“ über „Django Unchained“ bis „12 Years A Slave“ (die tut am meisten weh) benannt – eine Pointe, die perfekt in die Oscarshow 2016 gepasst hätte, denn wenn man schon schwarze Schauspieler nominieren muss, dann doch bitte möglichst für eine Sklavenrolle!  

    Frauen kommen in „Fifty Shades Of Black“ meist ähnlich schlecht weg wie in E.L. James‘ Romanen: So muss Hannahs Mitbewohnerin Kateesha (Jenny Zigrino) hier ihr Interview mit Christian Black nicht wegen einer Grippe absagen, sondern weil sie erst einmal ihre Vagina mit einem Eisbeutel kühlen muss, nachdem sie von einer kompletten Sportmannschaft durchgefickt wurde. Aber auch hier gibt es einige Lichtblicke: Nicht erst seit „Eine wie keine“ hält sich in romantischen Komödien die Vorstellung, dass sich das hässliche Entlein in einen Schwan verwandelt, sobald es nur seine Streberbrille absetzt. In „Fifty Shades Of Black“ wird dieses Klischee treffend entlarvt, wenn direkt der Spiegel zerspringt, sobald sich Hannah ihre Haare zu einem nerdigen Pferdeschwanz zusammenbindet. Ein Rollentausch gen Ende ist zudem einer der wenigen Gags, der sich nicht in Derbheiten erschöpft, sondern geschickt mit den Abgründen der Vorlage spielt: Während Hannah zuvor Popoklopfsessions und selbst Waterboarding tapfer ausgehalten hat, mutiert Christian direkt nach einem ersten Peitschenhieb zu einem Häufchen Elend, das sich heulend in der Embryoposition zusammenkauert.  

    Fazit: Wenn im verarschten Film mehr Gags zünden als in der Parodie, dann ist das ein Problem – eine Handvoll gelungen-bissige Pointen hin oder her.
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