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Braven
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Braven

Aquaman vs. Drogenschmuggler

Von
Jason Momoa ist einem breiten Publikum bisher vor allem als schwertkämpfender Titelheld in „ Conan, als brutaler Kriegerfürst Khal Drogo in der Fantasy-Serie „Game Of Thrones“ und seit „Justice League“ auch als schlagkräftiger DC-Held Aquaman bekannt. Doch abseits dieses martialischen Figurenarsenals bemüht sich der hünenhafte Hawaiianer seit einigen Jahren auch verstärkt um anspruchsvollere Rollen. 2010 rief er mit anderen Filmschaffenden die Produktionsfirma Pride Of Gypsies ins Leben, die sich seitdem der Umsetzung innovativer und inspirierender Stoffe verschrieben hat – und mit deren Hilfe Momoa sein Debüt als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor gab: Sein mit einigen Actionszenen angereichertes Road Movie „Vendetta Rider – Weg der Rache“ um einen Indianer auf der Flucht vor den Behörden schwelgt zwar in schönen Landschaftsaufnahmen, bietet darüber hinaus jedoch kein überzeugende Figurenpsychologie. Der Action-Thriller „Braven“, ebenfalls von Pride Of Gypsies co-produziert, schlägt nun in eine ähnliche Kerbe. Dem Langfilmdebütanten Lin Oeding sind seine Ambitionen, sich durch gutes Action-Handwerk und etwas mehr Tiefgang von ähnlich schmal budgetierten Genrevertretern abzuheben, jederzeit anzumerken. Trotzdem bleibt es leider bei einigen guten Ansätzen.

Der Holzfäller Joe Braven (Jason Momoa) führt in einer Kleinstadt in den Bergen Kanadas ein beschauliches Leben mit seiner Frau Stephenie (Jill Wagner), der gemeinsamen Tochter Charlotte (Sasha Rossof) und seinem an Demenz erkrankten Vater Linden (Stephen Lang). Als der verwirrte Linden in einer örtlichen Bar eine Schlägerei auslöst, legen die Ärzte Joe nahe, ihn in die Obhut eines Heims zu übergeben. Um mit Linden noch einmal in Ruhe über das Thema sprechen zu können, brechen Vater und Sohn zur familieneigenen Blockhütte auf, die abgelegen in den schneebedeckten Blue Mountains liegt. Kaum angekommen, gibt es unverhofften Besuch: In der Nacht zuvor hatte LKW-Fahrer und Drogenschmuggler Weston (Brendan Fletcher) in der Nähe der Blockhütte einen Unfall – und will zusammen mit seinem skrupellosen Auftraggeber Kassen (Garret Dillahunt) und dessen Schergen eine nach dem Unfall im Schuppen deponierte Tasche voller Heroinpäckchen abholen…


Der Beginn von „Braven“ weckt direkt hohe Erwartungen: Erhabene Landschaftsaufnahmen des winterlichen Neufundlands unterlegt von schwermütigen Streichern schaffen schnell eine bedrückend-unheilvolle Atmosphäre. Und auch die Charakterzeichnung der Hauptfigur fällt bereits in den ersten Minuten facettenreicher aus als in den meisten vergleichbaren Genre-Produktionen. Joe Braven ist nicht nur ein wuchtiger Hüne mit Vollbart und abgebundenem Zopf, der schon mal mit seiner Familie bei einer Schneeballschlacht herumalbert, sondern beim Umgang mit seinem Vater auch hin und hergerissen ist zwischen Pflichtgefühlen und Zukunftsängsten. Dem spürbar engagierten Jason Momoa gelingt es mit nachdenklicher Miene durchaus, diesen inneren Konflikt in sachlichen Dialogen mit einem Arzt und seiner Frau überzeugend zu vermitteln.

Nach einer halben Stunde nimmt „Braven“ bei dem sich zuspitzenden Konflikt spürbar an Tempo auf – und wandelt sich so zusehends zu einem flachen Actionreißer. Regieneuling Lin Oeding arbeitete zuvor als Stunt-Koordinator etwa an „The Equalizer“ und „Batman v Superman: Dawn Of Justice“ und man merkt seinem Film an, dass er trotz des schmalen Budgets von fünf Millionen US-Dollar in Sachen Action hoch hinauswill. So überzeugen gerade die schnell geschnittenen Verfolgungsjagden, einige sauber choreografierte, blutige Nahkampfszenen und ein ausgeklügelter Hinterhalt im schneebedeckten Wald durch ihre realistische Anmutung. Aber gerade am Ende trägt er dann doch ein ganzes Stück zu dick auf: In einer haarsträubend absurd konstruierten Szene entgeht Braven nach dem Tapsen in eine Bärenfalle zum zweiten Mal (!) dem sicheren Tod durch den Sturz von einer Atlantik-Klippe – effekttechnisch „gelöst“ mit einer antiquierten Rückprojektion.

Schade ist auch, dass von der zerklüfteten Berglandschaft Neufundlands, von der Lin Oeding auch in Interviews zu seinem Film stets schwärmt, mit zunehmender Laufzeit immer weniger zu sehen ist. Und auch die zunehmende Demenz von Linden, von „Avatar“-Bösewicht Stephen Lang mit seinem gewohnt ruppigen Charme verkörpert, spielt ab dem zweiten Drittel des Films praktisch keine Rolle mehr, wenn er dauerhaft im oberen Blockhütten-Stockwerk am Scharfschützengewehr die feindlichen Eindringlinge in Schach hält.

Fazit: Die von Jason Momoa mitgegründete Produktionsfirma Pride Of Gypsies hat sich einzigartige, innovative und inspirierende Projekte als Ziel gesetzt. Das trifft auf „Braven“ allerdings nicht wirklich zu. Ein grundsolider Genrebeitrag ist Debütregisseur Lin Oerding aber dennoch gelungen.
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