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    3 Engel für Charlie
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    3 Engel für Charlie

    Drei tolle Engel in einem enttäuschenden Film

    Von Björn Becher
    Zumindest die Ziffer zu Beginn von „3 Engel für Charlie“ ist inzwischen eigentlich überholt. Denn obwohl ihr Franchise-Reboot nun ebenfalls diesen Titel trägt, verbeugt sich Regisseurin Elizabeth Banks („Pitch Perfect 2“) nicht nur umfassend vor der gleichnamigen 70er-Kultserie, sondern überführt diese sowie die beiden Anfang der 2000er entstandenen Kinofilme alle gemeinsam in ein großes, zusammenhängendes Erzähluniversum, in dem sich nicht länger nur drei, sondern gleich hunderte solcher Engel im gleichzeitigen globalen Einsatz befinden. Das sorgt für durchaus spaßige Referenzen (und einige Cameos), zu denen sich zudem ein perfekt harmonierendes Power-Trio gesellt: Das Zusammenspiel der drei neuen Hauptdarstellerinnen beschert uns einige echt starke Momente – nur dumm, dass es davon leider insgesamt zu wenige gibt und sich der Rest des Films als ziemlich öde erweist.

    Neue Engel braucht die Welt.


    Für den mysteriösen, nie persönlich auftauchenden Charlie hat Bosley (Patrick Stewart) gemeinsam mit verschiedenen Engelstrios in Kalifornien immer wieder Menschen in Not geholfen. Aber die Zeiten der kleinen hilfsbereiten Detektei sind schon lange vorbei, denn die Townsend Agency ist inzwischen global aufgestellt: Längst gibt es weitere „Bosleys“ in jedem Winkel der Erde, die dort die Engel unterstützen, die auch nicht länger zwangsweise im Trio auftreten, sondern je nach Einsatz allein, im Duo oder auch im Dutzend auftauchen können. Für den Ur-Bosley ist es nun an der Zeit für die Rente: Seine Nachfolgerin (Elizabeth Banks) verabschiedet ihn noch mit einer alten Uhr als Geschenk und dann geht es weiter im Tagesgeschäft: Schließlich muss Menschen geholfen werden.

    So benötigt etwa die junge Programmiererin Elena (Naomi Scott) in Hamburg die Engel. Sie hat an einer neuartigen Energiequelle mitgearbeitet, die die Welt verändern könnte – gäbe es da nicht ein technisches Problem, wodurch die Technik auch als perfektes Mordinstrument zu missbrauchen ist. Doch Elenas Boss (Nat Faxon) unterbindet jegliche Versuche, den visionären Unternehmer Alexander Brock (Sam Claflin) vor der Markteinführung zu warnen. Als die Engel Jane (Ella Balinska) und Sabina (Kristen Stewart) helfen wollen, taucht ein bestens vorbereiteter Profi-Killer (Jonathan Tucker) auf. Schnell ist den drei Frauen klar, dass es in der Organisation einen Maulwurf geben muss. Doch wem können sie jetzt noch trauen?

    Kopfschmerzen für Berlin-Kenner


    Nach einer schwungvollen Einführung in Brasilien, bei der Kristen Stewart mit viel Schlagfertigkeit (im doppelten Sinne) einen Widerling verbal und körperlich aufmischt, geht es weiter nach Hamburg, wo der Plot um den anfangs etwas tollpatschigen Nerd Elena eingeführt wird. Mit der dazwischen eingestreuten Abschiedsfeier für Ur-Bosley im Kreis anderer Bosleys (ein Gag, der bei der gegenseitigen Begrüßung arg überreizt wird) sowie folgenden Stationen in Berlin und Istanbul wird dick unterstrichen, dass Charlies Engel nun global operieren. Aber bei der Reise rund um den Globus geht zu oft der Blick für das Wesentliche verloren.

    Da scheint den einführenden Stadtpanoramaaufnahmen mitunter mehr Aufmerksamkeit als einer stringenten Geschichte gewidmet worden zu sein – und das ist nicht nur ärgerlich, weil jeder Berlin-Kenner sich die Hände über den Kopf zusammenschlägt, wenn die Fahrt vom Hauptbahnhof zum Engel-Geheimquartier auf der Museumsinsel (!) an den bekannten Sehenswürdigkeit der Hauptstadt vorbeiführt. Es ist einfach nur einfallslos, jede neue Location erst einmal mit wahllos aneinandergereihten Bildern der jeweils berühmtesten Orte zu verbinden – aber es passt zum Film, bei dem eben vieles eher beliebig und einfallslos wirkt.

    Wo geht's lang?


    Dasselbe gilt für den nur vermeintlich zentralen Thriller-Plot, der nie wirklich Spannung aufbaut – auch weil die Macher ganz plump versuchen, uns in die Irre zu führen. Nachdem früh klar ist, dass es ein Verräter in der Townsend Agency geben muss, folgen anschließend zahlreiche Szenen, in denen sich eine Figur nahezu grundlos ganz besonders verdächtig verhält. So soll der Zuschauer offenbar dazu gebracht werden zu glauben, dass diese Person die Engel betrügt. Aber wer in seinem Leben schon mehr als eine Handvoll Filme gesehen hat, wird dieses offensichtliche Ablenkungsmanöver sofort durchschauen, womit die ganze Charade direkt wieder in sich zusammenfällt. Weil es sowieso nur eine mögliche Alternative für den wahren Übeltäter gibt, ist das ganze Aufheben darum am Ende nicht mehr als verschwendete Zeit.

    Diese Zeit hätte man dabei besser für jene Momente aufwenden sollen, in denen sich die drei so gegensätzlichen Engel irgendwie zusammenraufen müssen: Die drei Hauptdarstellerinnen versprühen nämlich einfach nur eine Menge Spaß! Kristen Stewart („Seberg“) hat als rebellischer Ex-Knacki mit mysteriösem, sich in den Erzählungen dauernd änderndem Hintergrund zwar die besonders herausstechenden Momente, aber auch ihre Co-Stars wissen zu begeistern. Newcomerin Ella Balinska hat nicht nur die besten Actionszenen, sondern ist als Disziplinfanatikerin Jane das perfekte Gegenstück für Stewarts unorthodox agierende Sabina.

    Um die 3 Engel ist es schade


    Das emotionale Zentrum des Films bildet hingegen Elena, mit der wir gemeinsam mit staunenden Augen die skurril-beeindruckende Welt der Engel samt eines überzeichneten Beraters für alles (Ernährung, Kleidung, Waffen, …) entdecken. Naomie Scott (Jasmin aus „Aladdin“) verkörpert die wehende Feminismus-Flagge von „3 Engel für Charlie“ dann auch am besten, weil wir ihre Wandlung von der jungen Technikern, die sich leicht von ihrem Boss einschüchtern lässt, hin zur selbstbewusst zur Tat schreitenden Frau miterleben können.

    So gut das Trio harmoniert, so oft wird es im Verlauf des Films aber zumindest partiell auseinandergerissen. Wenn bei jedem Einsatz die Engel verschiedene Undercover-Positionen beziehen und nur noch per Funk interagieren, geht gleich ein gehöriger Teil des Charmes flöten. Dabei ist das Zusammenspiel der drei Engel das Prunkstück, von dem wir auch in Zukunft gerne mehr gesehen hätten. Aber dazu wird es nach dem kolossalen Flop von „3 Engel für Charlie“ in den USA eh nicht mehr kommen – und so enttäuschend Elizabeth Banks' Reboot insgesamt als Action-Komödie auch ausfällt, zumindest in Bezug auf das Darstellerinnen-Trio ist das doch ziemlich schade.

    Fazit: Elizabeth Banks lässt ihre starken Hauptdarstellerinnen viel zu selten gemeinsam von der Leine – und so ist ihr Reboot von „3 Engel von Charlie“ über weite Strecken doch ziemlich langweilig geraten.

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