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Kundschafter des Friedens
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Kundschafter des Friedens
Von Michael Meyns
Gibt es eigentlich ein Lexikon all jener schönen Begriffe, mit der in der DDR die Realität verdreht oder zumindest etwas gefälliger umschrieben wurde? Kundschafter des Friedens ist so eine hübsch-verharmlosende Formulierung, die nichts anderes als die Auslandsagenten der DDR bezeichnet, die aus der Sicht des sozialistischen Staates natürlich den Frieden verteidigten. Ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall sind die einstigen DDR-Spione im Rentenalter angekommen - und werden in Robert Thalheims amüsanter Komödie „Kundschafter des Friedens“ reaktiviert: Ihre Kontakte in den ehemaligen Ostblock sind gefragt, ihre veralteten Methoden erweisen sich dagegen zunächst als weniger brauchbar…

Berlin, 2017. In der einstigen Sowjetrepublik Katschekistan droht der Friedensprozess zu scheitern. Der designierte Präsident ist entführt worden und mit ihm sein Bewacher vom BND, der nicht mehr ganz junge Agent Kern (Jürgen Prochnow). Dessen Tochter Paula (Antje Traue) arbeitet ebenfalls bei seiner Dienststelle und will endlich einmal selbst in den Außeneinsatz. Tatsächlich betraut ihr Chef sie mit der heiklen Aufgabe, für die Freilassung der Gekidnappten zu sorgen, aber er stellt ihr etwas spezielle Begleiter als Experten an die Seite: die Ex-DDR-Agenten Jochen (Henry Hübchen), Jacky (Michael Gwisdek), Locke (Thomas Thieme) und Harry (Winfried Glatzeder). Doch vor Ort müssen die älteren Herren feststellen, dass die Welt sich seit den Tagen des Kalten Krieges doch ziemlich verändert hat.



Regisseur Robert Thalheim („Am Ende kommen Touristen“, „Eltern“) und sein Co-Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg („Friendship!“, „Mein Blind Date mit dem Leben“)  bringen ihre originelle Prämisse um die gewissermaßen aus der Zeit gefallenen DDR-Agenten voll zur ironischen Geltung, indem sie auf die (n)ostalgische Verklärung der historischen Realität verzichten und sich in erster Linie auf die Kinogeschichte beziehen. So wird schon während des mit funkiger Musik unterlegten Vorspanns mit seinen Splitscreens das (westliche) Kino der 70er Jahre heraufbeschworen und auch in der Folge zitiert Thalheim immer wieder die Agentenfilme und Gaunerkomödien jener Zeit – in diesem Kontext wird die heimelig-hässliche, von Laminat und Pressspan geprägte Oberfläche des Films ganz ohne hollywoodmäßigen Aufwand zur perfekten Kulisse für eine launige Konfrontation zwischen Gestern und Heute, Ost und West, bei der alle Seiten gleichermaßen ihr Fett wegbekommen.

Das sozialistische Altherrenquartett, dessen noch auf echter Handarbeit basierendes Agentenwerk angesichts der technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte mehr als antiquiert wirkt, wird eben nicht der Lächerlichkeit preisgegeben, vielmehr erscheinen die diversen Kluften, wie sie sich hier auftun, als tragikomisches Ergebnis eines allgegenwärtigen Anpassungsdrucks. Die zunächst so von sich überzeugten Spionageveteranen werden dabei zwar ordentlich zurechtgestutzt, am Ende tragen sie jedoch gerade mit ihren ganz speziellen Kenntnissen und Fertigkeiten dazu bei, in der alten Bundeshauptstadt Bonn den Tag zu retten.

Ohne allzu sehr in die Tiefe zu geben, macht Thalheim spürbar, wie gewaltig die Umwälzungen waren, die mit der Wende über die ehemaligen DDR-Bürger hereingebrochen sind. Selbst ein Geschäft, wie es Jacky hier führt, erscheint da als echter Anachronismus: Er repariert alte Geräte! Aber deshalb gehört er noch lange nicht zum alten Eisen wie Michael Gwisdek („Good Bye, Lenin!“) mit seinem augenzwinkernden Spiel unterstreicht. Und seine Mitstreiter Henry Hübchen („Alles auf Zucker“), Thomas Thieme („Das Leben der Anderen“) und Winfried Glatzeder („Die Legende von Paul und Paula“) stehen ihm in nichts nach. So wird aus „Kundschafter des Friedens“ schließlich eine ebenso amüsante wie schöne Kinofantasie über die harmonische Vereinigung zweier Länder und Lebenswelten.

Fazit: Eine pointierte, toll ausgestattete und hervorragend gespielte Agentenkomödie aus deutschen Landen.

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Kommentare

  • Sven McClane

    Der Trailer macht auf jeden Fall schon mal gute Laune:Treffsichere Dialoge und ein Schauspielensemble, das über jeden Zweifel erhaben ist, verheißen einen vergnüglichen Film. Allerdings vergibt der Filmkritiker hier ein wichtiges Filmgütesiegel viel zu voreilig. „Originelle Prämisse“?…hm…dieser Film bedient sich doch weitestgehend am Handlungsverlauf von „Space Cowboys“(von und mit Clint Eastwood aus dem Jahr 2001). Man rekrutiert statt vom Seniorendasein gelangweilter NASA-Haudegen vom Seniorendasein gelangweilte Agentenveteranen, weil nur sie das erforderliche Know-how aus vergessenen Tagen für die aktuelle, ganz spezielle Mission mitbringen und lässt sie in der Vorbereitungsphase auf diese Mission nicht wie in „Space Cowboys“ auf die Arroganz der jüngeren Astronauten/NASA-Mitarbeiter prallen, sondern konfrontiert sie mit der Überheblichkeit der jüngeren Agenten. Dass bei der Seniorenclique bald alte Konflikte aufbrechen und sie sich aber im weiteren Verlauf der Story irgendwie wieder zusammenraufen, kann nahezu unverändert übernommen werden. Dann tauscht man noch das Missionsgebiet der unerforschten und feindlichen Weiten des Weltalls gegen die unerforschten und feindlichen Weiten von Katschekistan / Tadschikistan aus – et voilà: fertig ist das Story-Gerüst. Originell würde ich dieses großzügige Bedienen am Handlungsverlauf von „Space Cowboys“ nicht unbedingt bezeichnen. Das ist allerdings auch halb so wild, da das Story-Rad nicht jedes Mal neu erfunden werden muss und insbesondere kann. Da es allerdings eine kreative Höchstleistung darstellt, storytechnisch etwas völlig Neues zu kreieren, empfinde ich es als ziemlich ärgerlich, dass der Kritiker hier diesen an sich sicherlich guten Film auch noch mit dem Gütesiegel "originelle Prämisse" adelt. Anyway, pointierte Dialoge, eine schwungvolle Inszenierung(das verspricht jedenfalls der Trailer), ein aus anderen Filmen bewährtes Story-Gerüst und ein vorzügliches Schauspielensemble deuten auf einen sehenswerten Film hin.

  • Knarfe1000

    Was? Ein gelungener Film aus deutschen Landen. Ich bin überrascht und freue mich.

  • Jens-Uwe F.

    Läuft der gar nicht in Berlin?

  • Frank V.

    Autorisierter Konsument des Volkes!

    Diesen Film müsste die Stasi verbieten!
    Scheiß Film mit abgehalfterten Schauspielern!

    Immer bereit! Frank Viertel

  • Anton K.

    Für eine Komödie ist der Film nicht lustig genug, für einen Agentenfilm nicht spannend genug. Der Film interessiert sich nicht für seine Darsteller, er führt sie vor. Obwohl die Grundidee ja ganz interessant sein könnte, macht der Film daraus nichts. Nach 10 Min ist die Geschichte erzählt, danach wird nurmehr exekutiert:
    Die ehemaligen DDR Agenten leben immer noch in einer Welt, die nicht mehr existiert und haben sich nicht einen Millimeter in die Gegenwart bewegt. Analoge, gescheiterte, lächerliche, würdelose Existenzen, die sich rächen wollen, es dem "Westen" zeigen wollen und dabei erneut scheitern. Der BND hingegen besteht aus machtgeilen, ahnungslosen Volltrotteln.
    Nach dreißig Minuten möchte gehen. Wäre auch nicht schwer, waren ja kaum Leute im Kino. Henry Hübchen hat mal interessante Filme gemacht, in diesem Ostzonen-Bond chargiert er planlos herum. Mimik? Ein Gesicht muss reichen. Auch der Rest der Crew ist vom Gnadenhof. Einzig Wilfried Glatzeder haucht seiner bescheuerten Rolle ein wenig Leben ein.
    Schlimmes Machwerk.

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