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Wenn du König wärst
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Wenn du König wärst

König Arthur an der Highschool

Von Antje Wessels
Die abgefahrene Sci-Fi-Action-Komödie „Attack The Block“ genießt in Liebhaberkreisen längst Kultstatus (und hat nebenbei John Boyega zum Star gemacht). 2011 schuf der auch als Drehbuchautor erfolgreiche Joe Cornish („Ant-Man“) mit seinem Regiedebüt ein erfrischendes Gegengewicht zu den üblichen pompösen Zerstörungsorgien wie „Independence Day“ & Co., indem er die plötzlich auftauchenden Aliens nicht gleich auf die ganze Welt, sondern lediglich auf ein Londoner Problemviertel losließ. Dabei erweisen sich die jugendlichen Protagonisten, die es gewöhnt sind, sich gegen allerlei Widerstände irgendwie durchzuschlagen, als potentere Verteidiger als die meisten Militärs in sonstigen Sci-Fi-Blockbustern. Seine zweite Regiearbeit „Wenn du König wärst“ arrangiert Cornish nun aus ähnlichen Zutaten: So konfrontiert er erneut einen jugendlichen Helden mit einer fantastischen Herausforderung, diesmal einer in die heutige Zeit verlegten Version der Artussage sowie einem von „Mission: Impossible – Fallout“-Star Rebecca Ferguson verkörperten feuerspeienden Drachen. Aber für einen ähnlichen Kultstatus wie bei „Attack The Block“ wird es trotzdem nicht ganz reichen.

Alex (Louis Serkis) ist zwölf Jahre alt und ein eher zurückhaltender Schüler. Trotzdem begehrt er regelmäßig gegen die Pausenhof-Bullys Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris) auf, etwa wenn diese mal wieder seinen besten Freund Bedders (Dean Chaumoo) drangsalieren. Doch dann findet Lance auf einer Baustelle ein Schwert. Bei genauerer Untersuchung stellt sich heraus, dass es sich dabei um Excalibur handelt – also jenes sagenumwobene Schwert von König Arthur, das nur derjenige benutzen kann, der sich als würdig erwiesen hat. Während die Jungen noch überlegen, was sie damit anstellen sollen, erwacht an anderer Stelle ein abscheuliches Drachenwesen zum Leben: Die böse Zauberin Morgana (Rebecca Ferguson) hat es auf das Schwert abgesehen und setzt ihre Gefolgsleute auf Alex an. Als der Zauberer Merlin (Patrick Stewart) davon Wind bekommt, bereitet er die Londoner Teenager auf den härtesten Kampf ihres Lebens vor...

Merlin kommt den Schülern zur Hilfe.


Die Geschichte rund um König Arthur und das Schwert Excalibur wurde bereits zahllose Male verfilmt. Zuletzt von Guy Ritchie, der ursprünglich sogar ein ganzes Filmuniversum kreieren wollte, aber dann schon mit „King Arthur: Legend Of The Sword“ krachend an den Kinokassen scheiterte. Aber Joe Cornish legt die Artusepik ja nicht einfach neu auf, sondern bettet sie in ein in der Gegenwart spielendes Coming-of-Age-Abenteuer ein. Trotz des modernen Settings steckt der Film dabei voller direkter Bezüge zur Vorlage: Von Alex‘ Fund des Schwerts über die Namen der Protagonisten (Lance = Sir Lancelot, Kaye = Sir Kay, Bedders = Sir Bedivere) bis hin zu solchen Details wie einer Anspielung auf die berühmt-berüchtigte Tafelrunde finden die Schlüsselstellen eines jeden König-Arthus-Films in motivisch variierter Form auch in „Wenn du König wärst“ Eingang. Das macht den Film vor allem in der ersten Hälfte zu einer ebenso amüsanten wie liebevollen Neuinterpretation.

Krawall statt Kreativität


Dass „Wenn du König wärst“ im Kern einer klassischen Sage folgt, bedeutet auch, dass am Ende alles auf den unvermeidlichen Kampf Gut gegen Böse zusteuert. Und auch wenn Rebecca Ferguson als mal in Menschengestalt, mal als Drache auftretende Morgana (inspiriert von der mächtigen Zauberin Morgan le Fay, die ebenfalls in der Original-Artussaga auftaucht) sichtlich Spaß an ihrer Rolle hat, kommt ihre Figur nicht über den Status eines simplen Monsters hinaus. Das hat vor allem im letzten Drittel spürbare Auswirkungen.

Ab Alex‘ aufbrausender Motivationsrede an seine Mitschüler, nach der sich die Teenager in ihrer eigenen Interpretation einer Rittermontur gegen den Bösewicht formieren, gibt sich Joe Cornish einem austauschbar inszenierten, mit mittelmäßigen Trickeffekten versehenen Krawallfinale hin, in dem Alex und seine Kameraden mit Schwertern bewaffnet auf alles eindreschen, was Morgana ihnen entgegenwirft. Das wird der zuvor an den Tag gelegten erzählerischen Kreativität einfach nicht gerecht, selbst wenn sich Cornish hiermit ja eigentlich nur an die Vorlage hält.

Zur Abwechlungs mal nicht in Drachengestalt: Morgana.


Bis zuletzt gelungen ist dagegen der Umgang mit den übrigen Figuren. Die Newcomer Louis Serkis (der Sohn von Andy Serkis), Dean Chaumoo, Tom Taylor („Der dunkle Turm“) und Rhianna Dorris („Secret Life Of Boys“) wachsen im Laufe der knapp zwei Stunden glaubhaft zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen, obwohl es sich Joe Cornish damit sogar selbst besonders schwer macht: Er etabliert Lance und Kaye nämlich zu Beginn als angsteinflößende Bullys und damit fast schon als Bösewichte, die grundlos Schwächere piesacken und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Behutsam lässt Cornish die Charaktere anschließend über ihr Handeln reflektieren und schafft es so in der zweiten Hälfte, echte Sympathie für sie aufzubauen. Das ist, gerade in einem Film für eine eher jüngere Zielgruppe, eine bemerkenswert komplexe Herangehensweise abseits des üblichen Schubladendenkens.

Fazit: Mit „Wenn du König wärst“ zieht „Attack The Block“-Regisseur ein eigentlich zu Tode gerittenes Thema nochmal ganz neu auf und legt ein äußerst amüsantes Jugendabenteuer vor, das in der ersten Hälfte allerdings weitaus kreativer ist als im krawalligen Finale.

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