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Nanny Diaries
Originaltitel: The Nanny Diaries
Tragikomödie
USA 2007
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Pressespiegel
Laufzeit: 105 Minuten
Kinostart: 14.08.2008
Verleih-VÖ: 11.03.2009
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Verleih: Central

Kritik

Scarlett Johannson ist ohne Zweifel im Stande, einen Film im Alleingang zu tragen. Ihre Schauspielkunst bewies sie besonders in Lost In Translation oder Das Mädchen mit dem Perlenohrring. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass sie unter den jungen Filmstars zu den großen Hoffnungen gehört. Auch Woody Allens Vorliebe für sie ist ein Zeichen für ihr Talent; er besetzte sie bereits in zwei Filmen (Match Point, Scoop), ein weiterer (Vicky Cristina Barcelona) ist geplant. Für „The Nanny Diaries“ von Robert Pulcini und Shari Springer Berman ist ihre Besetzung ein Glücksgriff, wenn auch ein zweischneidiger: Ihre Performance trägt wesentlich zum Funktionieren der Tragikomödie bei. Doch leider ist auch sie nicht in der Lage, aus einem mittelmäßigen Drehbuch einen richtig guten Film zu machen.

Die College-Absolventin Annie Braddock (Scarlett Johannson) weiß nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. In einem Park rettet sie ein Kind vor einem schweren Zusammenstoß, sofort stecken ihr etliche Mütter ihre Karte zu, die sie gerne als Tagesmutter für ihren Nachwuchs engagieren möchten. Sie ergreift die neue Perspektive beim Schopf und entscheidet sich für die Mutter des Kindes, das sie gerettet hat. Doch als sie den jungen Spross zum ersten Mal von der Schule abholt, tritt der ihr vors Schienbein und läuft davon. Die neue Aufgabe stellt sich schnell als komplizierter und zeitaufwendiger als gedacht heraus.
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Nebenbei verliebt sich Annie in den reichen Nachbarn ihres Schützlings Grayer (Nicholas Art). Dieser zusätzliche Teil der Geschichte steht stellvertretend für die Überforderung von Annie. Denn eigentlich sind Treffen mit Jungen von Grayers Mutter nicht gerne gesehen. Doch in Annies knappen Zeitplan passt ein Date ohnehin kaum noch. Viel Spielraum bietet die Geschichte nicht. Die Zerrüttung der Familie, die Erzählerin Annie schlicht als „X“ bezeichnet, wird zwar dargestellt, doch zu stark stilisiert. Grayers Vater (Paul Giamatti) hat eine Geliebte; die Ehe liegt mehr oder weniger in Trümmern. Doch die Darstellung der Tragik ist nur in wenigen Szenen ernst: Als Mrs. X (Laura Linney) Spitzenunterwäsche von der Geliebten ihres Mannes findet, behauptet sie – wider besseren Wissens – diese müsse Annie gehören.

Dabei bleibt der Anspruch des Films, eine problematische Ehe zu analysieren, leider auf der Strecke. Es fehlt an der richtigen Balance zwischen Tragik und Komik. Stattdessen fokussiert sich „The Nanny Diaries“ auf den amüsanten Teil der Geschichte: Grayer will Annie nicht als neue Kinderfrau akzeptieren und ihre romantische Treffen, die dem Genre entsprechend voller Hindernisse stecken. Diese Vorgehensweise bringt dem Film im Mittelteil einige Längen ein, doch insgesamt weiß die Mischung aus Kindermädchen-Geschichte, romantischer Komödie und Ehedrama auf akzeptablem Niveau zu unterhalten.

Die Regisseure Robert Pulcini und Shari Springer Berman arbeiteten wie bereits bei ihrem Glanzstück American Splendor als Duo. Auch für „The Nanny Diaries“ schrieben sie gemeinsam das Drehbuch, nach der Romanvorlage von Emma McLaughlin und Nicola Kraus aus dem Jahre 2003. Für die Drehbuch-Adaption nahmen sie einige Änderungen an der ursprünglichen Geschichte vor: Sie änderten den Hintergrund des Hauptcharakters sowie das Ende der Story. Die Geschehnisse pressten sie außerdem alle in einen Sommer hinein.


Scarlett Johannson spielt auf gewohntem Standard, ist aber mit der Rolle gnadenlos unterfordert. Nicolas Art gibt einen unsympathischen kleinen Bengel ab, der sich im Laufe des Films zunehmend Sympathie erarbeitet. Denn letztlich ist er nur das Produkt seiner komplizierten Familie. Von Paul Giamatti (Sideways , Das Mädchen aus dem Wasser) ist leider nur wenig zu sehen. Dafür zeigt seine Filmfrau Laura Linney (Tatsächlich Liebe , Kinsey, Absolute Power) ein gutes Stück ihres Könnens.

Besondere Erwähnung verdient die Eröffnungsszene: Hier erläutert Erzählerin Annie Braddock im Amerikanischen Historischen Museum verschiedene Szenen, eine davon erwacht zum Leben. Sie selbst steht im New Yorker Central Park und rettet den kleinen Grayer. Der damit perfekt inszenierte Einstieg ist bereits eine der besten Szenen des Films. „The Nanny Diaries“ ist bei weitem kein weiteres Glanzstück vom Regisseur-Duo Robert Pulcini / Shari Springer Berman. Doch dieser Film tut niemandem weh, er weiß zu unterhalten. Immerhin ist die Stilisierung des Ehedramas im letzten Drittel nicht mehr so stark und „The Nanny Diaries“ nimmt sich an dieser Stelle zum Glück selbst ernster.

Stefan Ludwig

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