Cool Runnings
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Cool Runnings

3,0


Von Lars-Christian Daniels

Die Olympischen Sommerspiele 2000 brachten neben ruhmreichen Medaillengewinnern auch einen Helden der ganz besonderen Sorte hervor: Eric Moussambani aus Äquatorialguinea. Der Schwimmer hatte in seinem Heimatland acht Monate zuvor das Schwimmen erlernt und bis zum Start in Sydney lediglich in einem 20m-Becken trainiert. Weil im Vorlauf die gesamte Konkurrenz wegen Fehlstarts disqualifiziert wurde, hatte der Afrikaner das Becken für sich allein – und wäre auf der 100m-Strecke, für die er knappe zwei Minuten benötigte, beinahe vor Erschöpfung ertrunken. Ins Ziel getragen wurde er von einem frenetischen Publikum und verkörperte dabei den olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles!" wie kaum ein zweiter Athlet. Eine ganz ähnliche Geschichte erzählt Regisseur Jon Turteltaub („Duell der Magier") in seiner Sportkomödie „Cool Runnings": Hier beweist eine jamaikanische Bob-Mannschaft nicht nur der spottenden Konkurrenz, sondern auch den Skeptikern im eigenen Land, dass frierende afrikanische Sprinter ohne professionelles Training dazu in der Lage sind, der europäischen Elite auf der Eisbahn den Kampf anzusagen. Wer sich auf diese denkbar absurde Prämisse einlässt, dürfte großen Spaß mit der blauäugigen, aber charmanten Walt-Disney-Produktion haben.

Jamaika, 1987: Gut 20 Jahre vor dem ersten Weltrekord von Sprint-Superstar Usaine Bolt ruhen die Medaillen-Hoffnungen des kleinen Landes auf den Schultern seines schnellsten Läufers: Derice Bannock (Leon Robinson). Als dieser beim entscheidenden Qualifikationslauf mit seinen beiden schärfsten Konkurrenten Junior Bevil (Rawle D. Lewis) und Yul Brenner (Malik Yoba) kollidiert, ins Straucheln gerät und den Zieleinlauf verpasst, platzt für die drei der Traum von der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Seoul. Als dem enttäuschten Bannock zu Ohren kommt, dass der ehemalige Bob-Startrainer Irving „Irv" Blitzer (John Candy) sich mittlerweile auf Jamaika zur Ruhe gesetzt hat, wittert der Läufer eine letzte Chance auf Edelmetall: Warum keine jamaikanische Bob-Mannschaft zu den Winterspielen in Calgary schicken? Gemeinsam mit seinen Kollegen Brenner und Bevil und dem ausgeflippten Seifenkisten-Piloten Sanka Coffie (Doug E. Doug) gründet er den ersten jamaikanischen Vierer-Bob. Blitzer, zwei Jahrzehnte zuvor unrühmlich von der Sportbühne abgetreten, hat alle Hände voll zu tun, um aus dem zerstrittenen Haufen eine wettkampffähige Truppe zu formen...

„Cool Runnings" basiert lose auf einer wahren Geschichte: Tatsächlich schickte Jamaika 1988 bei den Winterspielen in Calgary gleich zwei Bob-Teams ins Rennen. Wenngleich der Vierer-Bob es nicht unfallfrei ins Ziel schaffte und der Zweier-Bob abgeschlagen auf dem 30. Platz über die Ziellinie fuhr, witterte das Autorenduo Lynn Siefert und Michael Ritchie die Steilvorlage für ein vielversprechendes Drehbuch, das kassenträchtiger kaum hätte ausfallen können. Die mit 14 Millionen Dollar budgetierte Produktion spielte weltweit über 150 Millionen Dollar ein und wurde 1995 sogar mit der Goldenen Leinwand bedacht. Letzteres überrascht dann doch: Die an den klassischen Sportfilm angelehnte Dramaturgie mit dem großen finalen Wettkampf, auf den alles zielstrebig zusteuert, gestaltet Turteltaub denkbar konventionell. Der Endlauf, bei dem die gestrandeten Piloten ihren eigenen Bob unter dem tosenden Beifall von Publikum und Journalisten in Zeitlupe über die Ziellinie tragen, wird in Sachen Pathos allenfalls noch von manch patriotischer Hollywood-Heldengeschichte übertroffen – fehlt eigentlich nur noch die Nationalhymne.

Turteltaub nimmt sein Publikum mit auf eine humorvolle Abfahrt, bei der Ausscheren nach links oder rechts ebenso untersagt ist wie der Blick über den Tellerrand. Natürlich trägt im Karibikparadies Jamaika jeder Dorfbewohner knallbunte Hemden und Rastafari-Mützen, faulenzt mit Hingabe und lässt es sich bei Qualm und Alkohol in der Hütte vorm Fernseher gutgehen. Dass in Kingston fast jeder dritte Einwohner arbeitslos ist und das schneefreie Dritte-Welt-Land mit ganz anderen Sorgen als dem Gewinn von Wintersport-Medaillen zu kämpfen hat, klammert der Filmemacher aus. Auch die Anmeldung zur Olympiade läuft bemerkenswert glatt: Die Hindernisse, die die vier Paradiesvögel in „Cool Runings" dabei zu bewältigen haben, fallen in etwa so knifflig aus, wie eine F-Jugend-Mannschaft für ein Hallenfußballturnier zu melden. Unwillkommene Regeländerungen durch das Komitee wischt Blitzer kurzerhand mit einer emotionalen Ansprache beiseite, die anspruchsvolle Abfahrt in der eiskalten Bobbahn wird einfach auf einer jamaikanischen Buckelpiste und in der Hotelbadewanne trainiert.

Das alles ist so herrlich bescheuert, dass man den Filmemachern nie wirklich böse sein kann. „Cool Runings" nimmt sich und seine Figuren zu keinem Zeitpunkt ernst: Da muss Komiker Doug E. Doug („Dieser verflixte Kater") in einer der spaßigsten Szenen schon einmal die arktischen Temperaturen im Gefrierwagen eines Eisverkäufers ertragen, während John Candy („Allein mit Onkel Buck") in aller Ruhe an seinem Eis schleckt und sich die Sonne auf den Pelz scheinen lässt. Der für Oscar-Gewinner Hans Zimmer („Der König der Löwen") eher ungewöhnliche, reggaelastige Soundtrack zaubert trotz eisiger Minusgrade karibisches Feeling auf die Bobbahn in Calgary und sorgt so für eine locker-leichte Atmosphäre. Und wenn sich am Ende selbst die spottenden Amerikaner, die arroganten Ostdeutschen und die eigenwilligen Schweizer im Sinne des olympischen Gedankens verbal die Hände reichen – wer wollte sich da noch über die familiengerechte Moral der Geschichte beklagen?

Fazit: Jamaika, ein Wintermärchen - Jon Turteltaubs „Cool Runnings" ist eine naive, aber über weite Strecken amüsante Sportkomödie, deren Geschichte so herrlich abwegig ausfällt, dass man die klischeelastige Skizzierung des Entwicklungslandes und das pathostriefende Hollywood-Finale nicht lange übelnimmt.

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