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    Von ihm stammt eine der kultigsten Serien-Melodien überhaupt: "Twin Peaks"-Komponist Angelo Badalamenti ist tot
    Markus Trutt
    Markus Trutt
    -Redakteur
    Filme, Serien, Videospiele. Markus brennt schon seit Kindertagen für so ziemlich alles, was über Bildschirme und Leinwände flimmert.

    Er war Stammkomponist von Ausnahmeregisseur David Lynch und sorgte so unter anderem (aber längst nicht nur) für die musikalische Untermalung des Mystery-Meilensteins „Twin Peaks“. Nun ist Angelo Badalamenti im Alter von 85 Jahren verstorben.

    CBS Television Distribution

    Twin Peaks“ ist Kult – wofür (natürlich nicht zu Unrecht) vor allem Co-Schöpfer und Regisseur David Lynch die Lorbeeren bekommt. Entscheidend zur ganz eigenen Stimmung der wegweisenden Mystery-Serie haben aber auch die melancholischen, schwelgerischen und bisweilen fast schon hypnotischen Klangteppiche vom dafür mit dem Grammy prämierten Angelo Badalamenti beigetragen.

    Vor allem sein so markantes Hauptthema, das im Vorspann zur Serie erklingt, ist eine jener TV-Melodien, die selbst denjenigen, die „Twin Peaks“ nie geschaut haben, vertraut vorkommen dürfte – und die man sich nun aus traurigem Anlass erst recht noch mal zu Gemüte führen sollte: Wie US-Branchenblätter nämlich berichten, ist Angelo Badalamenti bereits am 11. Dezember 2022 mit 85 Jahren verstorben.

    Angelo Badalamenti und David Lynch

    Schon vor ihrer engen Zusammenarbeit bei „Twin Peaks“ hatten sich Angelo Badalementi und David Lynch gesucht und gefunden. Nachdem der amerikanische Komponist italienischer Abstammung in den 70er Jahren die Soundtracks zu unbekannteren Filmen wie „Jagd auf linke Brüder“ schrieb (damals noch unter seinem Künstlernamen Andy Badale) und eine Zeit lang als Musikproduzent arbeitete (u.a. für die „Pet Shop Boys“), verhalf ihm Lynch schließlich zum großen Durchbruch als Filmmusik-Komponist.

    Lynch holte den Musik-Experten bei seinem verstörenden Thriller-Meisterwerk „Blue Velvet“ aus dem Jahr 1986 zunächst als Gesangscoach für Hauptdarstellerin Isabella Rossellini an Bord – und heuerte ihn dann schließlich als Komponisten an. Von da an steuerte Badalamenti die oftmals düstere Musik zu fast allen Lynch-Projekten bei – vom erwähnten „Twin Peaks“ (inklusive des Prequel-Films) über „Wild At Heart“ und „Lost Highway“ bis hin zu „The Straight Story“ und „Mulholland Drive“. In zweien der Werke war er zudem in Gastauftritten auch vor der Kamera zu sehen: als Klavierspieler in „Blue Velvet“ und als Gangster Luigi Castigliane in „Mulholland Drive“.

    Auf seine ganz eigene subtile Weise hat David Lynch nun auch Abschied von Angelo Badalementi genommen. In seinen skurrilen Wetterbericht-Videos, die er täglich auf YouTube veröffentlicht, sprach er in der Ausgabe vom 12. Dezember davon, dass es heute keine Musik gebe – was von vielen natürlich schnell als Verweis auf den Verlust seines langjährigen Freundes identifiziert wurde:

    Vielfältiges Musik-Genie

    Schon bei seiner wiederholten Kollaboration mit David Lynch, noch mehr aber abseits davon hat Angelo Badalementi auch immer wieder seine musikalische Vielfalt unter Beweis gestellt. So stammen etwa auch die Scores zu so unterschiedlichen Filmen wie „Nightmare On Elm Street 3“, „Schöne Bescherung“, „Arlington Road“ und „The Beach“ von dem Komponisten. Und mit der einprägsamen Musik zum Videospiel-Hit „Fahrenheit“ hat er 2005 sogar einen Abstecher in den Gaming-Bereich gemacht.

    Zu seinen letzten Arbeiten gehören nun die Musiken zur Fantasy-Romanze „Here After“ aus dem Jahr 2020 und zur meisterlichen Revival-Staffel von „Twin Peaks“ aus dem Jahr 2017, deren 18 Folgen erneut allesamt von Badalementis Klängen bereichert wurden.

    Etwas ausführlicher als David Lynch verabschiedete sich übrigens Angelo Badalamentis Großneffe in einem Instagram-Post von seinem berühmten Verwandten, in dem man noch einmal einen schönen Eindruck vom Schaffen und Auftreten des Komponisten bekommt:

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