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Genialer Trick: Darum boten Netflix und Co. Rekordsummen für den Film über den McDonald’s-Monopoly-Skandal
Von Björn Becher — 14.08.2018 um 17:31
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Wie bringt man eine Idee für einen Film an den Mann, wenn kein Hollywood-Boss einem die Tür öffnet? Zwei Männer verfolgten eine geniale Idee und am Ende prügelten sich Dutzende Top-Stars um die Rechte. Eine interessante Geschichte aus Hollywood.

Ein passendes Jubelbild aus dem McDonald's-Gründer Biopic "The Founder" / © splendid-film

Es war ein Bieterwettstreit sondergleichen. Nur wenige Tage nachdem auf der Webseite Daily Beast ein ausführlicher Hintergrundbericht über eine 2001 aufgeflogene Gruppe von Betrügern online ging, die über Jahre nahezu alle hochwertigen Gewinne beim McDonald’s-Monopoly abräumten, wollte halb Hollywood die Rechte an dem Artikel für ein Filmprojekt haben.

Am Ende gewann Fox. Das Studio hatte ein Paket mit Regisseur Ben Affleck, Hauptdarsteller Matt Damon und den „Deadpool“-Autoren Paul Wernick und Rhett Reese am Start und zahlte natürlich auch viel Geld: Der Artikel-Autor Jeff Maysh bekam 350.000 Dollar direkt, die Summe erhöht sich auf eine Million Dollar, wenn der Film wirklich realisiert wird. Das ist ein Rekord, denn es ist die höchste Summe, die je in Hollywood für die Rechte an einem Zeitungs- oder Online-Artikel gezahlt wurde.

Scorsese, DiCaprio, Spielberg, Netflix: Alle wollten die Rechte

Erzielt wurde diese enorme Summe auch, weil sich noch mehr Hollywood-Top-Stars um die Rechte stritten als bislang bekannt war. Nachdem bereits am Anfang die Runde machte, dass unter anderem Netflix mit Robert Downey Jr. und „Hangover“-Regisseur Todd Phillips, Universal mit Kevin Hart als Star und Warner mit Steve Carell und dem Regie-Duo John Requa und Glenn Ficarra („Crazy Stupid Love“) im Rennen war, enthüllten die Kollegen von Vulture in einem Hintergrundbericht mittlerweile noch mehr hochkarätige Namen.

So habe Regie-Legende Martin Scorsese gemeinsam mit Leonardo DiCaprio kurz vor Ende des Bietprozesses noch versucht, die Rechte zu erwerben. Auch Steven Spielberg habe sich mit seiner Firma darum berühmt. Und unabhängig voneinander seien auch so unterschiedliche Schauspieler wie Will Ferrell und Mark Wahlberg interessiert gewesen. Doch das Besondere an der Story ist, warum sich ganz Hollywood überhaupt für das Projekt interessierte. Denn dahinter steckt ein so genialer wie einfacher Trick.

Ein Artikel nur für die Kino-Rechte

Hier kommt der Name David Klawans ins Spiel. Der an so unterschiedlichen Filmen wie „Nacho Libre“ und „Argo“ beteiligte Produzent ist nämlich quasi der Mann hinter Autor Jeff Maysh und entwickelte ein geniales System, um Aufmerksamkeit in Hollywood zu erregen. Der unabhängige Produzent musste nämlich einsehen, dass es selbst mit den besten Ideen schwer ist, Meetings bei hohen Hollywood-Tieren zu bekommen. Und ein Bieterkrieg zwischen Dutzenden Stars und Studios kann man noch schwerer auslösen, denn dann muss man ja ganz viele Meetings bekommen und alle für den Stoff begeistern.

Daher kam er auf die Idee, gemeinsam mit ausgewählten Autoren interessante Geschichten bei großen Webseiten und Zeitungen zu lancieren, um so Aufmerksamkeit dafür zu erzielen und anschließend die Rechte zu verkaufen. Die Kollegen von Vulture beschreiben in ihrem ausführlichen Hintergrundbericht diese Methode. Klawans durchsucht RSS Feeds, Blogs, Bibliotheken, Nischenmagazine und vieles mehr nach Storys, die obskur und interessant sind, aber irgendwie unter dem Radar geblieben sind. Die recherchiert er dann gemeinsam mit dem Autor, bringt sie irgendwo unter und wartet auf die Angebote.

Dass der Artikel über den Skandal beim McDonald’s-Monopoly also plötzlich – über 17 Jahre nach den Ereignissen – erschien, war kein Zufall: Der Artikel wurde nur geschrieben, um anschließend die Filmrechte zu verkaufen! Das Medium selbst, also hier Daily Beast, geht übrigens leer aus. Da der freie Autor Maysh ja von Anfang an die Verfilmung im Blick hatte, handelte er einen Vertrag aus, der entsprechende Rechte komplett bei ihm ließ. Er dürfte dafür massive Abstriche bei der Bezahlung gemacht haben, aber die war ja ohnehin nur sekundär.

"Argo" als erster Erfolg

Schon bei seinem ersten Erfolg in dieser Hinsicht nutzte Klawans diese Methode. Die Geschichte zum ebenfalls von Ben Affleck inszenierten „Argo“ wurde damals auch im Magazin Wired quasi nur „platziert“, um zu hoffen, dass jemand dadurch darauf aufmerksam wird und die Filmrechte erwerben will.

Der ein oder andere Leser wird sich nun vielleicht fragen: Warum müssen die ganzen Hollywood-Studios überhaupt die Rechte für diese Artikel kaufen, wo es sich doch um die Nacherzählung wahrer Begebenheiten handelt? Hier zeigt sich, dass Klawans und der inzwischen hauptsächlich mit ihm arbeitende, für die McDonalds-Monopoly-Story verantwortliche Mays auch wirklich etwas für ihren Erfolg tun und nicht nur Erzählungen verschiedener Quellen vermischen.

Aufwendige Recherche

Das McDonald’s-Monopoly-Projekt hatte Klawans so seit 2014 auf der Agenda, ab 2016 kümmerte sich Journalist Mays um die Story. Er sichtete nicht nur unzählige Gerichtsdokumente, sondern sprach dafür nach eigener Aussage mit mindestens 50 Menschen, darunter mit Insider-Quellen, die bisher nirgends in Erscheinung traten und einem Drogenschmuggler, der mit der Polizei sicher nicht geredet hat.

Allein das Schreiben des Artikels dauerte zudem vier Monate und das Ergebnis bietet nun eben keine Rekapitulation der zwar der breiten Öffentlichkeit unbekannten, aber eigentlich durch den Gerichtsprozess 2001 bekannten Story, sondern zahlreiche neue Informationen. Und weil sich Klawans und Mays vor allem auf die skurrilsten Ereignisse konzentrieren, gerade auf jene Elemente, die besonders „hollywoodreif“ sind, wie wir es in unserem Artikel zur Ankündigung des Filmprojekts formulierten, müssen die Filmemacher sich um die Rechte von ihnen bemühen (oder selbst mit allen Quellen in Kontakt treten, was schwierig und sehr zeitaufwendig werden dürfte), um diese Ereignisse auf der Leinwand zu zeigen.

"Wolf Of Wall Street" als Vorbild

Die aufwendige Recherche und die Zeit, die man sich genommen hat, haben natürlich auch den willkommenen Nebeneffekt bewirkt, dass der Originalartikel auf Daily Beast dann auch sehr gut geworden ist. Das wiederum führte dazu, dass er im Internet so groß die Runde machte (und dem Autor dieser Zeilen auch unterkam) und die Aufmerksamkeit in Hollywood auf sich zog. Es ist also auch ein Win-Situation für das Magazin, das die Veröffentlichung angenommen hat.

Ein interessanter Randaspekt noch: Als wir über den Deal mit Affleck und Damon berichteten, erwähnten wir, dass „das Projekt anhand der Geschichte unserer Meinung nach ein wenig in Richtung ‚The Wolf Of Wall Street‘“ gehen könnte. Genau diesen Film hatte Klawans im Sinn, der sich nach Stoff für ein Werk umschaute, das Ähnlichkeit mit Scorseses Börsen-Satire hat. Dass er sich dann trotzdem gegen Scorsese und DiCaprio und für Damon und Affleck entschied, hat wohl nicht nur damit zu tun, dass das „Wolf Of Wall Street“-Duo erst so spät einstieg. So gab wohl auch die Vergangenheit mit Affleck bei „Argo“ am Ende neben dem finanziellen Angebot den Ausschlag.

Neben Spielfilm kommt auch eine Doku-Serie von Mark Wahlberg

Klawans und Mays kassierten übrigens doppelt ab. Nachdem Mark Wahlberg beim Bieten um die Filmrechte verlor (siehe oben), trat er mit einer neuen Idee an das Duo heran. Anschließend erwarb er mit seiner Produktionsfirma Unrealistic Ideas die Rechte für eine Doku-Serie über den Betrug beim auch in Deutschland beliebten, jährlichen Sammelspiel der Fast-Food-Kette.

Diese Serie soll den Titel „McMillions“ tragen, Wahlberg wird produzieren und ist gerade dabei, das Projekt allen großen US-TV-Sendern vorzustellen, um dort einen Partner zu finden. Wie viel er für diese Rechte zahlt, ist nicht bekannt. Es dürfte aber natürlich deutlich unter der Rekordsumme liegen, die für den Spielfilm erlöst wurde.

Zukunftsmodell für unabhängige Produzenten?

Die Kollegen von Vulture glauben übrigens, dass Klawans' und Mayshs Modell eines für die Zukunft sein könnte. Gerade Filme mit mittelgroßen Budgets, die nicht Teil einer Blockbuster-Reihe sind, sondern in denen interessante Geschichten erzählt werden, haben es schließlich schwer in Hollywood. Wenn man sieht, dass die eigentliche Story schon millionenfach auf Twitter und Co. geteilt wurde, weil die Leute sie so interessant finden, überzeugt dies einen Studioboss vielleicht eher, grünes Licht zu geben.

Klawans hat übrigens nach eigener Aussage noch mehr Artikel bei den unterschiedlichsten Publikationen „platziert“, deren Filmrechte bereits verkauft wurden, und plant auch in Zukunft noch mehr in diese Richtung zu tun.

Nun warten wir mit Spannung ab, was Ben Affleck und Matt Damon für einen Film aus dem aufregenden Stoff machen. Mehr zur wirklich interessanten und hollywoodreifen Geschichte des McDonald’s-Monopoly-Skandals gibt es in unserer Nachricht zur Ankündigung des Filmprojekts.

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