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    Vorwurf: Bei den Anti-Oscars "Goldene Himbeere" wird angeblich manipuliert
    Von Tobias Mayer — 01.02.2019 um 17:10
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    Kurz vor den Oscars werden jedes Jahr die nach Meinung der Golden Raspberry Award Foundation miesesten Filme des Jahres „prämiert“. Dieses Jahr fällt ein Schatten auf die bissige Verleihung. Bei den Himbeeren soll was faul sein.

    Lionsgate Premiere

    Fünf Titel konkurrieren 2019 um die Goldene Himbeere als schlechtester Film des Jahres: der Horrorfilm „Winchester - Das Haus der Verdammten“ (den wir tatsächlich gut finden), die John-Travolta-Gurke „Gotti”, der lahme neue „Robin Hood“, der unlustige Böse-Muppets-Film „The Happytime Murders” und die total unlustige Krimi-Komödie „Holmes & Watson“. Die Vorauswahl oblag wie immer den aus zwölf Ländern stammenden Mitgliedern der Golden Raspberry Award Foundation, einer extra für den Schmähpreis gegründeten Organisation aus mehr als tausend Filmkritikern, Journalisten und Filmschaffenden. Ein Mitglied, das sich nun ans Branchenmagazin Hollywood Reporter gewandt hat, wirft dem Raspberry-Gründer John J. B. Wilson allerdings Manipulation vor.

    Der Vorwurf

    Hätte „Fifty Shades Of Grey 3” als schlechtestes Sequel unter den am 20. Januar 2019 verkündeten Nominierten sein müssen? Das jedenfalls soll aus einem angeblich finalen Abstimmungsergebnis hervorgehen, das dem Hollywood Reporter durch das anonyme Mitglied zugeschickt wurde. Der Abschluss der Erotik-Thriller-Trilogie habe diesem Dokument nach die meisten Stimmen in der Kategorie „Schlechtestes Remake, Rip-off oder Sequel“ erhalten, wurde jedoch nicht nominiert. Stattdessen traf es „Death Of A Nation“, „Death Wish“, „Holmes & Watson“, „Robin Hood“ und „Meg“ als Rip-off von „Der weiße Hai“ – obwohl der Hai-Actioner mit Jason Statham längst nicht genug Stimmen bekommen habe.

    Auch in der Kategorie „Schlechtester Schauspieler“ sind den Kollegen des Hollywood Reporters Unregelmäßigkeiten aufgefallen (Jamie Dornan und Kevin Spacey hätten demnach statt Johnny Depp und Bruce Willis nominiert sein müssen). Die Quelle wird mit den Worten zitiert: „Offensichtlich entscheidet John Wilson einfach, wie es ihm passt. Die Wähler aber sind zahlende Mitglieder, die eine saubere Abstimmung erwarten.

    Der Widerspruch

    Der Hollywood Reporter zitiert außerdem einen User im Mitglieder-internen Diskussionsform, der John Wilson ebenfalls Manipulation vorwirft, sowie eine politische Agenda. Wilson reagierte. Gegenüber den Kollegen von THR räumte er ein technisches Problem am Anfang der Wahl ein – ein abgelaufenes Sicherheitszertifikat habe verhindert, dass die Ergebnisse bei ihm ankamen. Doch das Problem sei im letzten Moment gelöst worden. Mit den verkündeten Nominierungen sei die anonyme Quelle des Hollywood Reporters schlicht nicht einverstanden, so Wilson. Deswegen wolle er nun Ärger machen.

    Das Abstimmungsergebnis, das die Quelle an den Hollywood Reporter schickte, sei John Wilson nach also eben nicht final – es sollen schlicht noch weitere Stimmen hinzugekommen sein. Gleichwohl räumte Wilson ein, dass er selbst das letzte Wort habe: „In manchen Jahren – dieses Jahr ebenfalls – haben wir 20 mögliche Nominierungen in der Kategorie ‚Schlechtester Nebendarsteller‘. Ja, ich kürze die Liste zusammen. Aber wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen, die wir bekommen haben und der Lösung dieses Problems.

    Und nun?

    Den Himbeeren wird vorgeworfen, dass dort meistens nur gegen die offensichtlichen Ziele geschossen wird: gegen bekannte, größere, gemeinhin als schlecht abgeurteilte Filme. Wer diese Preisverleihung sowieso nicht mag, dem könnte der aktuelle Manipulationsvorwurf neuen Grund geben, die Razzies abzulehnen – als überflüssigen One-Man-Kreuzzug. Alle anderen nehmen die ganze Veranstaltung, bei der 2002 eine Trophäe für den „Meistfurzenden an Teenies gerichteten Film“ vergeben wurde (Gewinner: „Jackass: Der Film“), vielleicht eh nicht ganz so ernst.

    Die Goldenen Himbeeren 2019 werden am 23. Februar vergeben, die Oscars folgen einen Tag später am 24. Februar.

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