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    Darum ist der Kletterfilm "Free Solo" so eine Kino-Sensation
    Von Carsten Baumgardt — 22.03.2019 um 17:30
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    Gute Sportdokumentationen gibt es viele – doch warum sorgt gerade die Kletter-Doku „Free Solo“ derzeit für so viel Aufsehen beim sensationellen Kinostart in Deutschland? Wir haben Antworten.

    Capelight

    Wenn eine Sport-Dokumentation mal ins Kino kommt, ist das sowieso schon etwas Besonderes, weil normalerweise das Fernsehen, Direct to DVD oder heutzutage die Streamingdienste wie Netflix erster Anlaufpunkt für eine Veröffentlichung sind. Aber einige Berg- und Kletterfilme haben es in den vergangenen Jahren doch auf die große Leinwand geschafft. Der erfolgreichste von ihnen war Pepe Danquarts „Am Limit“ (2007). Die Kletter-Doku über die Huber-Buam Thomas und Alexander erreichte 187.000 Besucher in Deutschland.

    Überragender Kinostart von „Free Solo“ in Deutschland

    So furios wie „Free Solo“ ist allerdings noch nie ein Kletterfilm in den deutschen Kinos gestartet. Am Start-Donnerstag verkauften sich 24.000 Tickets (via Blickpunktfilm) für Jimmy Chins und Elizabeth Chai Vasarhelyis Film über den weltbesten Freeclimber Alex Honnold, der „free solo“, also allein und ohne Seilsicherung, als erster Mensch den legendären El Capitan im Yosemite Valley in Kalifornien bestieg. Die Besucherzahl für das gesamte Wochenende vorauszusagen, ist dieses Mal sehr schwierig, da „Free Solo“ meistens als Event am Donnerstag und Sonntag in den Kinos geplant ist und dazwischen nur wenige Vorstellungen laufen.

    FILMSTARTS-Kritik zu "Free Solo"

    Aber was macht „Free Solo“ so besonders? Das beginnt schon mit der tatsächlichen sportlichen Leistung, die in dieser Form bisher noch kein Mensch auf der Erde je erbracht hat. Einen 975 hohen, meist senkrecht abfallenden Fels mit minimalen Möglichkeiten, Griffe zu fassen, komplett ohne Sicherung in einem Zug in unter vier Stunden zu erklimmen, hat bisher nur Alex Honnold überhaupt gewagt. Bei diesen sensationellen Bildern, die Profibergsteiger Jimmy Chin und seine Regiepartnerin Elizabeth Chai Vasarhelyi zeigen, schießt einem schon beim bloßen Zusehen das Adrenalin in die Adern.

    Über vier Stunden ist Honnold jeweils nur einen Fehlgriff vom Tod entfernt. Und dennoch ist der Mittdreißiger kein gewissenloser Draufgänger. Seinen Angriff auf den El Capitan, den mit Abstand berühmtesten Berg der Freiklettererszene, hat er in zahlreichen Testdurchläufen (am Seil) so gut es nur geht, vorbereitet.

    Capelight
    Regisseur Jimmy Chin (links) kletterte für die Filmaufnahmen selbst neben Alex Honnold (am Seil) mit

    Alex Honnolds sportliche Leistung ist übermenschlich

    Um Honnolds alles überragendes Können besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick zu seinem Kletter-Kumpel Tommy Caldwell, der auch in „Free Solo“ als Begleiter und Unterstützer Leinwandzeit hat. Caldwell ist selbst einer der besten Freikletterer der Welt, was in Josh Lowells und Peter Mortimers Doku „Durch die Wand“ (2017) gewürdigt wurde. Caldwell meistert die „Dawn Wall“ genannte Route am El Capitan und braucht dafür fast unzählige Versuche mit vielen Abstürzen ins Seil. Allerdings ist die Dawn-Wall-Route auch schwieriger als die „Freerider“-Variante, die Honnold geklettert ist. Doch Honnold hatte diese Sicherheit eben nicht, was einen gigantischen Unterschied macht. Ein Griff ins Leere hätte die Katastrophe bedeutet.

    Das ist pures menschliches Drama, das die beiden Filmemache auf einer zweiten erzählerischen Ebene in „Free Solo“ wunderbar sichtbar machen. Die Zuschauer werden zum Mitleiden und Mitfiebern in die Kinositze gepresst. So ist der Film gleichzeitig auch ein Charakterdrama.

    Man leidet furchtbar mit

    Fast gegen Ende von „Free Solo“ gibt es bemerkenswert aufwühlende Szene, in der ein Kamermann des Filmteams mit einem Mega-Teleobjektiv Honnolds Kletterei weit oben am El Capitan verfolgt und es nervlich nicht mehr aushält. Er kann einfach nicht mehr hinschauen, weil der Tod so nahe ist. Dieses Gefühl hat man als Zuschauer oft, obwohl der Ausgang bekannt ist. „Free Solo“ ist ein Film, der einen extrem mitnimmt und reinzieht. Der Oscar als bester Dokumentarfilm ist hochverdient. 

    „Free Solo“ läuft seit dem 21. März 2019 in den deutschen Kinos.

     

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    Kommentare
    • Fog
      Meine Söhne und mich hat es immer wieder in die Kino-Sessel gepresst, dazu ein Protagonist, der über Witz und Intellekt verfügt, großes Kino ...
    • Gravur51
      Valley Uprising hab ich auch im Rahmen der Reel Rock Tour und beruflich gesehen. Auch Am Limit fand ich spannend, vor allem inszenatorisch als es dann ums Speed Klettern ging. Cerro Torre, der sich um David Lama dreht, war auch interessant, auch so ein verrückter.
    • FILMSTARTS
      Interessant ist es auch, Valley Uprising jetzt (also nach Free Solo) noch einmal zu gucken. Dort war Honnold einer von vielen, der junge Wilde, dieser schräge, neue Typ. Er ist nun schon gereift. Auch The Dawn Wall (Durch die Wand) ist noch einmal einen Blick wert: Tommy Caldwell spielt in Free Solo auch eine Nebenrolle, während ihm The Dawn Wall allein gehört.
    • Gravur51
      Jepp. Honnold legt aber in letzter Zeit auch eine gewisse Erwachsenheit zutage, die ihm früher noch abging, er scheint - zumindest aus Interviews zu schliessen - verantwortungsvoller auch gegenüber sich selbst umzugehen. Früher war da ein kaum zu fassendes Flackern in seinen Augen, welches irgendwie ausdrückte, dass ihm das Ausmass der Konsequenzen eines Fehlgriffs völlig verwehrt blieb. In der Wand blendet man dies natürlich eh alles aus, ich kenne es ja selber (am Seil natürlich:)), am besten bin ich geklettert als ich einfach alles ausblendete. Sonst beginnen die Fehler. Freue mich auf den Film :)
    • FILMSTARTS
      Früher und später enden viele Free-Solo-Kletterer am Boden, wenn sie den Absprung nicht schaffen. John Bachar? Einer der größten überhaupt... 2009 aus der Wand gefallen... mit 52. Honnold kann es auch so gehen.
    • Gravur51
      Ich weiss was du meinst. Ich habe auch andere dokus mit ihm gesehen, er hat ja schon paar free Solos gemacht. Ich denke schon, dass ihm was fehlt, was aber nicht heisst, dass er nicht völlig konzentriert und 100 Prozent in seinem Element ist. Für free solo muss er die Route (gesichert) immer und immer wieder begehen, damit jeder Griff und jede fussstellung sitzt. Es gibt dann beim free solo keinen Spielraum mehr, er fasst genau das Stückchen Stein an, das er sich an der jeweiligen stelle gemerkt hat.
    • FILMSTARTS
      @ Gravur51: Ich denke nicht, dass Alex Honnold die Angst fehlt. Er hat diese Aktion Jahre durchdacht, verschoben und verschoben, bis er sich traute - nachdem er die Wand immer und immer wieder im Training in kleine Einzelteile zerlegt bestiegen hatte. Er war sich sicher, dass seine Können ausreichen würde. Trotzdem Wahnsinn, aber so kontrolliert es eben ging.
    • Gravur51
      Danke auch für den Bericht und die Werbung für den Film. Den sollten viele sehen. Honnold scheint einfach diese Angst zu fehlen. Das ist einerseits bemerkenswert, andrerseits sicherlich hochgefährlich.
    • CineMan
      Ab dem 9.April. Siehe Links (Leerstellen mit einem Punkt ersetzen):www freesoloswitzerland comwww presseportal ch/de/pm/100055659/100825199
    • Gravur51
      Es ist mal wieder typisch, dass der Film in der Schweiz fast nirgends laufen wird. Bei uns ist Kinostart auch erst im April. Hier zeigt dann wohl jedes Kino lieber 10 mal Avengers am Tag.
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