La Grazia
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Kinobengel
Kinobengel

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4,0
Veröffentlicht am 25. März 2026
ZWICKMÜHLEN


Die Amtszeit des italienischen Staatspräsidenten Mariano de Santis (Toni Sevillo) neigt sich dem Ende. Wichtige Entscheidungen zu zwei schwierigen Gnadengesuchen und einem Gesetz, das die Sterbehilfe erstmals ermöglichen soll, zeigen den Katholiken unentschlossen. Doch an seinen möglichen Nachfolger Ugo (Massimo Ventriello) möchte er diese Aufgaben ungern abtreten.

Sorrentinos Handschrift beinhaltet epische Breite, wuchtige Einstellungen, die vor elegantem Pomp strotzen, mit statischer Kamera oder langsamen Fahrten aufgenommen. Dazu gesellen sich eine Flut von Denkanstößen sowie ein spezieller Humor, der seine Kraft aus der Ruhe der Szenen zieht. Oft steht die Kirche in der Kritik. All das bietet der Filmemacher aus Neapel auch in „La Grazia“. Wer diesen Stil mag oder kennenlernen möchte, ist im Kino gut aufgehoben, denn Sorrentinos Werke sind für die ganz große Leinwand gemacht, jedes Bild bietet etwas Interessantes, oftmals durchdringend begleitet von einem rhythmusbetonten Score.

Nachdem Toni Servillo in Sorrentinos Filmen die Ministerpräsidenten Giulio Andreotti und Silvio Berlusconi so herrlich mimen konnte („Il Divo - Der Göttliche“, 2008; „Loro - die Verführten“, 2018), darf er nun ein fiktives Staatsoberhaupt darstellen, was ihm ebenfalls meisterhaft gelingt. Dann ist es einfach herrlich anzusehen, wie de Santis als erfahrener Jurist seinen beruflichen Problemen mit stoischem Kalkül begegnet, Bedenken zum Ärger seines Gefolges durch unendliche Schleifprozeduren aus dem Weg räumen lässt, aber sich an seinen privaten Baustellen die Zähne ausbeißt. Sorrentino, der die Drehbücher oft selbst schreibt (wie hier), setzt mit Coco Valori (Milvia Mariglano) ein grandioses Pendant zu de Santis. Die langjährige Freundin der Familie ist in ihrer aufbrausend emotionalen Art so ziemlich das Gegenteil der Hauptfigur.

Allmählich entsteht der Eindruck, dass die Zeit für de Santis gekommen ist, Erfahrungen, nicht Erfahrenes wie Altlasten haben ihn müde werden lassen. Dennoch gibt er sich äußerlich majestätisch. Der hervorragende Aufbau der Geschichte durch den erfahrenen Regisseur erlaubt die Interpretation einer jeden Mimik.

Die Probleme alternder Männer beschäftigen Sorrentino offenbar intensiv (vgl. „Ewige Jugend“, 2015), vielleicht zählt er sich bereits dazu. Zweifel an der hohen Qualität seiner Filme muss er nicht haben, denn „La Grazia“ ist ein visueller und erzählerischer Genuss mit hohem Unterhaltungswert.
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