Charlie der Superhund
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Charlie der Superhund

Schon jetzt der schlechteste Superheldenfilm des Jahres?

Von Sidney Schering

Es ist ein kompliziertes Gefühl, ein geliebtes Haustier altern zu sehen. Wenn etwa aus dem einst flinken Hund ein sich kaum von seinem Lieblingsplatz bewegendes Häufchen Elend wird, versinnbildlicht dies zwei Dinge zugleich: die lange, schöne Zeit, die man gemeinsam verbracht hat, aber ebenso deren sich unaufhaltsam näherndes Ende. Solch eine dämmernde Erkenntnis ist schon für die meisten tierlieben Erwachsenen schwer zu ertragen – und für Kinder umso mehr.

Der kanadische Animationsfilm „Charlie der Superhund“ fängt zum Auftakt dieses Gefühl ein: Er zeigt, vage an den Beginn von Pixars „Oben“ erinnernd, in einer Montage die gemeinsamen Jahre eines Jungen und seines Golden Retrievers. Gen Ende bangt der Junge sichtbar um seinen altersmüde werdenden Begleiter Charlie, doch dann spielt ihm ein kosmischer Zufall in die Karten: Der treue Hund erlangt Superkräfte! Daraufhin weicht die Todesangst neuem Heldenmut – der aber Charlie bedeutsam mehr Vergnügen bereitet als dem (erwachsenen) Publikum...

Danny und sein Golden Retriever Charlie sind allerbeste Freunde – doch nun neigt sich ihre gemeinsame Zeit vermeintlich unaufhaltsam ihrem Ende zu... Splendid Film
Danny und sein Golden Retriever Charlie sind allerbeste Freunde – doch nun neigt sich ihre gemeinsame Zeit vermeintlich unaufhaltsam ihrem Ende zu...

Danny (Stimme im Original: Dawson Littman) kommt nur noch mit gebremsten Enthusiasmus nach Hause: Sobald die Hundehütte seines geliebten Golden Retrievers Charlie in Sicht kommt, hält der Junge kurz inne. Denn Charlie ist alt, langsam und gebrechlich geworden. Doch eines Nachts entführen Außerirdische den müden Fellträger: Ein verwöhnter Alien-Knirps (Sebastian Billingsley-Rodriguez) soll sich traditionsgemäß ein Haustier aussuchen, und unter anderem steht Charlie zur Auswahl! Der außerirdische Bengel ist mit Charlie und seinem ebenfalls entführten, launischen Nachbarskater Puddy allerdings nicht zufrieden.

Zu unspektakulär sind sie – selbst nachdem sie durch Alientechnologie modifiziert wurden! Also werden sie wieder auf der Erde ausgesetzt, nun mit Superkräften ausgestattet und der menschlichen Sprache mächtig. Charlie (fortan mit der Stimme von Owen Wilson) will sich mit Dannys Hilfe als Superheld versuchen, Puddy (Ruairi MacDonald) dagegen quält erst sein Herrchen und hegt bald darauf weitreichendere, fiese Pläne...

Zu wenig Geld, noch weniger Ideen

Die Grenzen zwischen Kino und Streaming sind fließender, als es manche wahrhaben wollen: Einer der größten Kassenschlager 2024 war „Vaiana 2“, ein Disney-Animationsfilm, der ursprünglich als Miniserie für Disney+ konzipiert wurde. Ein absolutes Phänomen war 2025 indes der Animationsspaß „KPop Demon Hunters“, den Sony Pictures Animation an Netflix veräußerte, wo er derart herausragend abschnitt, dass er letztlich doch in vereinzelte Kinos entlassen wurde.

Dass hinter „Charlie der Superhund“ die kleine Trickschmiede ICON Creative Studio Vancouver steckt, die unter anderem an den kinderorientierten Disney-Serien „Star Wars: Die Abenteuer der jungen Jedi“ und „Disney Junior Arielle“ mitwirkte, muss also kein K.O.-Kriterium darstellen. Doch dass „Vaiana 2“ geschätzt 150 Millionen US-Dollar gekostet hat, sich das Budget von „KPop Demon Hunters“ auf über 100 Millionen US-Dollar belaufen soll, dem Team rund um Regisseur Shea Wageman aber bloß knapp 20 Millionen kanadische Dollar zur Verfügung standen, macht sich auf der Kinoleinwand sehr wohl überdeutlich bemerkbar:

Der ICON-Computeranimationsfilm mag in Standbildern annehmbar aussehen: Charlies Fell fällt für einen Film dieser Größe detailreich aus, und die Hintergründe könnten karger sein. Aber in Bewegung offenbaren sich das dürftige Budget und die TV-Serien-Wurzeln des Trickstudios, die im Zusammenspiel mit einem nichtssagenden Produktionsdesign für eine langweilige, leblose Ästhetik sorgen. Hier hatte niemand solch ausgefallene Ideen wie das Team hinter dem kostengünstigen Oscar-Gewinner „Flow“. Stattdessen versucht man vergeblich, mit winzigen Mitteln den gegenwärtigen Standardlook großer US-Computeranimationsfilme zu imitieren.

Nachbarskater Puddy wird ebenfalls von den Aliens modifiziert – schlägt sich anders als Superhund Charlie aber auf die dunkle Seite. Splendid Film
Nachbarskater Puddy wird ebenfalls von den Aliens modifiziert – schlägt sich anders als Superhund Charlie aber auf die dunkle Seite.

Superhund Charlie ist so steif und mimisch so ausdrucksarm, dass weder Emotionen noch Agilität vermittelt werden – und er ist bereits die am lebhaftesten animierte Figur im Film. Der obligatorische Tier- und Superhelden-Slapstick während Charlies Eskapaden zündet daher nahezu kontinuierlich fehl, und sobald sich menschliche Nebenfiguren wie eine groteske US-Präsidentin (die aussieht wie eine abschätzige Hillary-Clinton-Karikatur, sich aber verhält wie eine an Vorschulkinder gerichtete Mahnung vor Trump-Gier) einmischen, ist dank des klobigen Skripts von Wageman und Steve Ball Fremdscham vorprogrammiert.

Lacher gibt es im Laufe der konfusen Story über heldenhaften Tatendrang, die fürsorgliche Bindung zwischen Herrchen und Hund sowie Neid nahezu gar keine, solide Schmunzler verbergen sich ausgerechnet dort, wo die Kernzielgruppe sie kaum finden wird: in winzigen Randdetails, etwa pointiert-dümmlichen Wortspielen in reißerischen Anti-Charlie-Schlagzeilen, als der Superhund aufgrund eines miesen Täuschungsmanövers des neidischen Katers Puddy in Verruf gerät.

Auch die Botschaft geht daneben

Was im Mittelteil eine orientierungslose, träge erzählte und belanglos inszenierte Sketchparade darstellt, wird kurz nach Puddys Attacke auf Charlies Ruf dann mit dem Brecheisen in Richtung Tränenzieherei geprügelt. Das gerät aber wenig überzeugend und thematisch völlig inkongruent: Die zu Filmbeginn vorbereitete Botschaft über Vergänglichkeit und Dankbarkeit für eine kurze, aber gemeinsame Zeit wird aus dem Fenster geworfen.

An ihre Stelle tritt eine durch einen verkrampften Monolog vermittelte Aussage darüber, dass man kein Superheld sein muss, um gut zu sein, da ja jede kleine Heldentat wertvoll sei – all das, während groß krachende, übernatürliche Cape-Action gezeigt wird. Na, da wird die Botschaft bei den jüngsten und anspruchslosesten im Kinosaal, die nicht schon angesichts des nahenden Abspanns die Flucht ergriffen haben, garantiert ankommen...

Fazit: Starre Animationen, ein ödes Skript und eine thematisch konfuse Schlussnote machen „Charlie der Superhund“ zu der Art belanglosem Film, die unnötig dem Ruf des Animations-, Kinder- und Superheldenkinos schadet.

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