LifeHACK
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
LifeHACK

Einer der glaubhaftesten Hacking-Thriller – zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Von Christoph Petersen

Man könnte Regiedebütant Ronan Corrigan und seiner Co-Autorin Hope Elliott Kemp durchaus vorwerfen, dass sie die ersten Minuten ihres Hacking-Thrillers „LifeHACK“ fast eins zu eins aus bekannten YouTube-Formaten übernommen haben. In diesen geben sich Hacker als vermeintlich hilflose Senior*innen aus, um sich so von meist in Indien ansässigen Online-Betrüger*innen übers Ohr hauen zu lassen. Aber dann wird der Spieß kurzerhand umgedreht: Während des Scam-Versuchs verwenden die Video-Verantwortlichen plötzlich den wahren Namen ihres Gegenübers, woraufhin in den Callcenter-Fabriken nach einem ersten Schreck meist die schiere Panik ausbricht. Und weil vorab die Überwachungskameras geknackt wurden, kann das YouTube-Publikum live dabei zusehen.

Diese Ähnlichkeit des „LifeHACK“-Auftakts zu online längst viralen Video-Hits ist allerdings gar nicht verkehrt, denn zum einen macht es selbst in der fiktiven Version diebischen Spaß, wenn zur Abwechslung die Scammer gescammt werden. Zum anderen etabliert der Einstieg direkt eine Authentizität, die vor allem deshalb wichtig ist, weil „LifeHACK“ in das Genre der sogenannten Screenlife-Filme fällt. Sprich: Die gesamte Handlung spielt sich ausschließlich auf Computer- und Handy-Bildschirmen ab – wobei gerade das Hantieren mit bekannten Programmen und Apps zum Wiedererkennen einlädt. So ähnlich sehen Zoom-Calls und Chat-Programme auf dem heimischen Desktop schließlich auch aus.

Die gesamte Handlung von „LifeHACK“ spielt sich nur auf Bildschirmen ab – vornehmlich in den Zoom-Calls des zentralen Hacker*innen-Quartetts. StudioCanal
Die gesamte Handlung von „LifeHACK“ spielt sich nur auf Bildschirmen ab – vornehmlich in den Zoom-Calls des zentralen Hacker*innen-Quartetts.

Die jugendlichen Freund*innen Kyle (Georgie Farmer), Alex (Yasmin Finney), Sid (Roman Hayeck-Green) und Petey (James Scholz) haben sich online beim Zocken des Survival-Shooters „Rust“ oder beim Chatroulette kennengelernt. Inzwischen sind sie unzertrennlich, selbst wenn sie sich – auch einfach, weil sie sich die Flüge nicht leisten können – teilweise noch nie live getroffen haben. Das Quartett steckt auch hinter dem eingangs beschriebenen Scammer-Scam. Im Gegensatz zu den echten YouTube-Videos sieht man im Film genau, welche Programme die Clique nutzt, um in Echtzeit entlarvende Details über das weit entfernte Gegenüber herauszufinden. So jagen sie dem Betrüger immer mehr Angst ein, bis er vor den Augen seiner verdutzten Kolleg*innen fluchtartig das Callcenter verlässt.

Aber solche spaßigen Aktionen reichen nicht mehr. Stattdessen wird der superreiche Tech-Millionär Don Heard (Charlie Creed-Miles) als nächstes Opfer auserkoren. Mit einem über Wochen ausgeheckten Heist sollen 100.000 Dollar in Krypto abgestaubt werden – und tatsächlich ist selbst das nur der Anfang eines Beutezugs, der es den Teenager*innen schon bald erlaubt, sogar in Privatjets um die Welt zu düsen. Aber offenbar haben sie ihre Spuren längst nicht so gut verwischt wie geglaubt. Jemand erpresst das Quartett zu einem letzten großen Heist – und der lässt sich endgültig nicht mehr nur aus dem heimischen Jugendzimmer durchziehen …

Auf dem Papier hätte Kyle (Georgie Farmer) leicht eine der nervigsten Kinofiguren des Jahres werden können – ist dann aber doch ein echt sympathisches Kerlchen. StudioCanal
Auf dem Papier hätte Kyle (Georgie Farmer) leicht eine der nervigsten Kinofiguren des Jahres werden können – ist dann aber doch ein echt sympathisches Kerlchen.

Vier halbstarke Hacker*innen, die sich bei ihrem ständigen Online-Rumhängen irgendwann so sehr langweilen, dass sie stattdessen Krypto-Raubzüge starten – das klingt zunächst mal nach maximal nervigen Teenies, mit denen man ganz sicher nicht 90 Minuten lang abhängen will, ob nun im echten Leben oder auf einem Computerdesktop. Aber Pustekuchen: Ronan Corrigan gelingt tatsächlich das Kunststück, die Truppe so einzuführen, dass man ihr anschließend gern die Daumen drückt – und bei den softwarebasierten Heists absolut mitfiebert. Nur die Papa-Probleme von Kyle, der seinem nach Dubai ausgewanderten Erzeuger unbedingt beweisen will, was er wirklich draufhat, wirken arg dick aufgetragen. „LifeHACK“ ist dabei im Detail sicherlich nicht so stimmig, dass man die vorgeführten Krypto-Scams einfach nachmachen könnte, wenn man sich den Film nur Bild für Bild als Vorlage nimmt …

… aber für alle, die online viel unterwegs ist, ohne selbst zu hacken, gibt es genügend authentische Wiedererkennungsmomente, um das alles für glaubhaft genug zu halten (und das gilt natürlich längst nicht für alle Screenlife-Filme). In den gehackten E-Mails von Don Heard gibt es sogar die Insel-Einladung eines gewissen Jeffrey – „LifeHACK“ hat gerade bei seinen zahlreichen Easter-Eggs zudem einen schön bösen Humor. Nur sobald sich die Heists dann vom Desktop zumindest teilweise auch in die physische Welt erweitert werden, fällt das mitunter wahnsinnig hölzerne Schauspiel auf. Und wenn schließlich auch noch geheime Söldnertrupps auftauchen, wähnt man sich endgültig nicht mehr auf dem PC einer Teenie-Truppe, sondern dann eben doch in einem 08/15-Hollywood-Thriller.

Fazit: Ein sympathisches Quartett, das im Affenzahn Online-Heists durchzieht – das ist nicht nur extrem intensiv, sondern spielt auch die spezifischen Stärken des Screenlife-Genres endlich mal konsequent aus. Lediglich in den letzten 20 Minuten übertreibt es „LifeHACK“ dann leider doch noch, sodass auf der Zielgeraden nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern damit auch ein Stück weit die Spannung flöten geht. Dabei wäre es gar nicht nötig gewesen, am Ende unbedingt noch einen draufsetzen zu wollen.

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