Das Amazon-Phänomen geht in die nächste Runde!
Von Lutz GranertGenau wie die drei Bände der sogenannten „Culpables“-Reihe der argentinischen Romanautorin Mercedes Ron avancierten anschließend auch die Filmadaptionen zum Phänomen. Mehr als 100 Millionen Abrufe verzeichneten „Culpa Mia – Meine Schuld“, „Culpa Tuya – Deine Schuld“ und „Culpa Nuestra – Unsere Schuld“ weltweit auf Amazon. So setzten sich die Young-Adult-Romanzen nach ihrer Veröffentlichung in 170 Ländern an die Spitze der beliebtesten Titel von Prime Video – und das, obwohl es sich um spanischsprachige Produktionen handelt. Kein Wunder also, dass bereits ein inhaltlich nur geringfügig abgeändertes englischsprachiges Remake an den Start gegangen ist. Und tatsächlich: Im Februar 2025 übernahm auch „Culpa Mia – Meine Schuld: London“ in 106 Ländern die Top-Position der beliebtesten Prime-Titel.
"Culpa Tuya – Deine Schuld: London" bei Amazon Prime Video streamen*
Die Fortsetzung „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ setzt nun nahtlos an den Vorgänger an – und präsentiert sich erneut als halbgarer Young-Adult-Mix aus „Eiskalte Engel“ und „The Fast And Furious“. Die Änderungen im Vergleich zum spanischen Original sind abermals gering, wobei aber zumindest die Rolle der Erziehungsberechtigten auffällig stark zurückgedrängt wurde. Das Endergebnis ist jedoch auch unter der Regie des bislang für Musikvideos verantwortlich zeichnenden Duos Charlotte Fassler & Dani Girdwood wieder dasselbe: Über kitschigen und konfliktüberlasteten Herzschmerz mit einem emotional überspannten Paar kommt auch der zweite Teil nicht hinaus.
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Die Liebe zwischen den Stiefgeschwistern Noah (Asha Banks) und Nick (Matthew Broome) ist ein Jahr nach den Geschehnissen des ersten Teils gefestigt. Noch immer können sie einfach nicht voneinander lassen. Das ist auch Noahs Mutter Ella (Eve Macklin) und Nicks Vater William (Ray Fearon) nicht verborgen geblieben. Die Eltern heißen die in ihren Augen unsittliche Liebesbeziehung alles andere als gut. Doch das Liebesglück scheint (ohnehin) nicht von Dauer zu sein:
Noah nimmt in Oxford ein Ingenieurstudium auf und findet dabei schnell Anschluss bei ihrer flippigen Zimmernachbarin Briar (Scarlett Rayner) und dem älteren Kommilitonen Michael (Joel Nankervis). Nick hingegen wird in der Cybersicherheits-Firma seines Vaters stärker eingebunden und erhält mit Sophie (Louisa Binder) eine äußerst attraktive Kollegin. Durch die große Distanz wächst das Misstrauen des Paares untereinander immer mehr …
Die schnell gekränkten Noah und Nick schaukeln sich in ihrer rasenden Eifersucht gegenseitig hoch. Wenn mal ein nächtlicher Anruf nicht sofort angenommen wird oder im Hintergrund Stimmen zu hören sind, ist sofort die Hölle los. Als ein Tennismatch nahtlos in einen Familienstreit übergeht, muss Noah erst einmal ihren Frust im Boliden-Duell mit dem zwielichtigen Gangster Cruz (Orlando Norman) herauslassen – so reagieren sich Rich Kids ohne echte Probleme offenbar ab. Dabei stinken das illegale Autorennen und die Revanche in Londons Peripherie in Sachen Länge, Dramatik und Action-Choreografie gegen das Gegenstück im Original „Culpa Tuya – Deine Schuld“, wo noch eine stark befahrene Straße gequert wurde und ordentlich Pyrotechnik zum Einsatz kam, allerdings ziemlich ab.
Auch bei den mit reichlich Pop-Gesülze unterlegten, stilisierten Liebesszenen kann das Regieduo nicht mit frischen Ideen punkten. Stattdessen wirkt es recht albern, wenn eine rustikale Pub-Toilette, in der das Paar über sich herfällt, durch magentafarbenes Licht „auf Romantik“ getrimmt wird.
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Während im spanischen Original noch die leiblichen Eltern – darunter Nicks Mutter, die mit den überraschenden Erkenntnissen eines Vaterschaftstests eine Party sprengt – gegen ihre eigenen Kinder intrigieren, spielen sie in der englischen Variante eine wesentlich kleinere Rolle. Auch Nicks weniger gut betuchter und deshalb sympathischer Kumpel Lion, der sein finanziell angeschlagenes Fitnessstudio bei einem Autorennen verzockt, erhält im Vergleich zum spanischen Film kaum Screentime.
Stattdessen fokussiert sich „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ ganz auf das von den Serienstars Asha Banks („A Good Girl's Guide To Murder“) und Matthew Broome („The Buccaneers“) verkörperte Liebespaar – allerdings wirkt dieses gerade wegen seines permanenten emotionalen Ausnahmezustands nur phasenweise sympathisch. Immerhin: Am Ende leistet sich die britische Version dann doch noch eine recht mutige neue Wendung, die den gemeinsam mit Teil 2 bereits im Juni 2025 abgedrehten dritten Teil zumindest vor eine kleine erzählerische Hürde stellt.
Fazit: Selbst schuld, wer nach dem ersten Teil auf Besserung hofft! Als Mittelteil der Trilogie liefert auch „Culpa Tuya – Deine Schuld: London“ nur einen weiteren ermüdenden Cocktail aus permanenten Streitereien, exzessiven Partys und jugendfreiem Rumgemache, wenn nicht gerade ein illegales Autorennen für zumindest etwas Abwechslung sorgt.
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