Over Your Dead Body
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Over Your Dead Body

Ein Wochenendtrip endet im Blutbad

Von Lutz Granert

Aus Skandinavien kommen immer mehr bitterböse Filme. Aber wenn solche eisgekühlten Erfolge dann in den USA neu aufgelegt werden, geht das selten gut aus. Liam Neeson war in „Hard Powder“ nur halb so fies wie Stellan Skarsgård in „Einer nach dem anderen“ – und von den atemberaubenden Grenzüberschreitungen im dänischen „Speak No Evil“ fanden sich im gleichnamigen Hollywood-Remake mit James McAvoy ebenfalls nur Spurenelemente wieder. All das machte nicht unbedingt Hoffnung für den in Deutschland direkt bei Amazon Prime Video erscheinenden „Over Your Dead Body“. Noch im Erscheinungsjahr der norwegisch-finnischen Komödie „The Trip – Ein mörderisches Wochenende“ von 2021 wurde direkt eine Neuverfilmung für den US-amerikanischen Markt beschlossen.

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Dead Snow“-Regisseur Tommy Wirkola sollte nach dem Original auch das Remake inszenieren, war dann aber doch nur als ausführender Produzent beteiligt. Stattdessen übernahm Jorma Taccone („Popstar: Never Stop Never Stopping“) die Regie. Gedreht wurde erneut an Schauplätzen in der finnischen Provinz – und wirkliche Neuerungen sucht man lange Zeit vergebens. Aber dann bringt ein völlig enthemmt aufspielender 90er-Jahre-Star einen anarchischen Wahnsinn in die rabenschwarze Komödie – und stellt damit sogar das im Vergleich fast schon gesittet wirkende Original in den Schatten!

Die Eheleute Dan (Jason Segel) und Lisa (Samara Weaving) sind parallel auf dieselbe tödliche Idee gekommen! Amazon Prime Video
Die Eheleute Dan (Jason Segel) und Lisa (Samara Weaving) sind parallel auf dieselbe tödliche Idee gekommen!

Der von seinem Job frustrierte Werbefilmer Dan (Jason Segel) verbringt ein Wochenende mit seiner Ehefrau Lisa (Samara Weaving), einer erfolglosen Schauspielerin. Offiziell soll die Auszeit in einer kleinen Hütte am See die Beziehung wieder auf Vordermann bringen. Insgeheim hat Dan jedoch vor, seine Angetraute zu töten und so die Lebensversicherung zu kassieren. Was er nicht weiß: Lisa verfolgt genau denselben Plan!

Just als sich die mordlüsternen Streithähne so richtig in die Haare bekommen, taucht ein Gaunertrio auf, das sich bis dahin unbemerkt in der Hütte versteckt hielt. Dem cleveren Pete (Timothy Olyphant) und seinem infantilen Kumpel Todd (Keith Jardine) ist mit Unterstützung der einfältigen Aufseherin Allegra (großartig stumpf: Juliette Lewis) die Flucht aus dem Knast gelungen. Nun wittern sie bei dem zerstrittenen Paar die große Beute ...

Ein Geschlechtertausch, der sich auszahlt!

Während in „The Trip“ noch drei (männliche) entflohene Sträflinge den bereits schiefhängenden Haussegen empfindlich störten, sorgt hier die ohnehin auf eigenwillige Charaktere abonnierte Juliette Lewis für einen erfrischend verdorbenen Spin. Durch eine ebenso rotzige wie uneitle Performance rechnet der einstige Teenie-Star aus „Kap der Angst“ und „From Dusk Till Dawn“ mit sämtlichen Vorstellungen weiblicher Etikette genüsslich ab. Als ebenso tumbe wie notgeile Gefängniswärterin lässt sie sich kurz nach der Ankunft in der Hütte direkt von ihrem Schwarm Pete beglücken, bevor sie im Versteck auf dem Dachboden unter den Blicken der beiden Knackis einem weiteren natürlichen Bedürfnis nachgeht.

Gerade bei ihrer anarchischen Figur, die „Ready Or Not“-Scream-Queen Samara Weaving und Sitcom-Superstar Jason Segel („How I Met Your Mother“) wie gediegene Langweiler dastehen lässt, wird aber deutlich: Zwischen dem wiederholten Ausscheiden von Körperflüssigkeiten und tatsächlich zündendem Humor liegt ein schmaler Grat – den Jorma Taccone nicht immer (stil-)sicher beschreitet.

Samara Weaving ist eine erprobte Scream Queen – aber mit dem Wahnsinn von Juliette Lewis kann auch sie nicht mithalten! Amazon Prime Video
Samara Weaving ist eine erprobte Scream Queen – aber mit dem Wahnsinn von Juliette Lewis kann auch sie nicht mithalten!

In der ersten halben Stunde beschränkt sich das Skript auf zwar scharfzüngig geführte, aber bisweilen zähe Streitereien zwischen dem nur nach außen hin sympathischen Dan und der zickigen Lisa. Die Anstöße für die Zankereien reichen von einer möglichen Affäre bis zum Lieblingsessen. Es dauert also ein wenig, bis die rabenschwarze Komödie den Schalter umlegt, aber dann bricht sich ein mit erfrischend altmodischen Makeup-Effekten getrickstes Gekröse Bahn. Spätestens mit dem zweckentfremdeten Einsatz eines Rasenmähers erweist „Over Your Dead Body“ dabei sogar Peter Jacksons Splatterfest „Braindead“ (1992) seine Ehrerbietung.

Eine erzählerische Schwäche des Originals wurde aber auch im Remake nicht behoben: Die gekünstelt eingeflochtenen Rückblenden, die den Geschehnissen in der Hütte einen gewissen Kontext verleihen wollen, scheitern weiterhin daran, dem blutigen Treiben einen seriösen und cleveren Anstrich zu verpassen. Stattdessen wirken sie wie unnötige Fremdkörper in einem Film voller Gewaltfantasien, der sich seine beste (Meta-)Pointe bis zum Schluss aufhebt.

Fazit: Mit dieser blutigen schwarzen Komödie voll ungezügelter Gewalt erlebt das norwegische Original ein unnötiges, aber zumindest witziges US-Remake. „Over Your Dead Body“ rechtfertigt seine Existenz vor allem durch eine Juliette Lewis, die einmal mehr Mut in ihrer Rollenwahl beweist.

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