Mission Santa - Ein Elf rettet Weihnachten
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Mission Santa - Ein Elf rettet Weihnachten

Lametta war gestern!

Von Björn Schneider

Sie gehören für viele Menschen zu Weihnachten wie Geschenke und gutes Essen: die passenden Festtagsfilme! Alle Jahre wieder bringen die Studios und Streaming-Anbieter entsprechend frische weihnachtliche Filmkost an den Start. Für die Zielgruppe der allerkleinsten Kinozuschauer kommen etliche animierte, familienfreundliche Werke hinzu – und in vielen dieser Produktionen zählen die „klassischen“ Helfer des Weihnachtsmanns, Elfen und Rentiere, zu den tragenden Protagonisten.

In den letzten Jahren etwa gab es zeitreisende Elfen („Saving Santa“) und Ponys, die sich ihren größten Traum erfüllen und den Schlitten des Weihnachtsmannes ziehen („Elliot – Das kleinste Rentier“). Und wer erinnert sich nicht noch an das Rentierjunge Niko, das in „Niko - Ein Rentier hebt ab“ (2008) über sich hinauswächst. Ein unerschütterlich an die Magie von Weihnachten glaubender Elf und ein Rentierkalb wiederum spielen die wichtigsten Rollen in „Mission Santa – Ein Elf rettet Weihnachten“. Das deutsch-amerikanisch-indische Animationsabenteuer erzählt eine unalltägliche, runderneuerte Variante der klassischen und allseits bekannten Weihnachtsgeschichte. Denn Hektik, Modernität, künstliche Intelligenz und High-Tech haben am Nordpol Einzug gehalten!

Mit festtäglicher Heimeligkeit hat die hoch technisierte Weihnachtswerkstatt des Jahres 2025 nicht mehr allzu viel gemein. LEONINE
Mit festtäglicher Heimeligkeit hat die hoch technisierte Weihnachtswerkstatt des Jahres 2025 nicht mehr allzu viel gemein.

Eine neue Generation technikaffiner Elfen hat in der Geschenkwerkstatt am Nordpol mittlerweile das Sagen, während der Weihnachtsmann offenbar in den Ruhestand gegangen ist. Für Yoyo (deutsche Stimme: Julius Weckauf), einen gutmütigen, aber etwas tollpatschigen Elf, geht mit seinem ersten Arbeitstag ein Traum in Erfüllung. Denn seit jeher ist es sein größter Wunsch, die rechte Hand von Santa Claus zu sein. Als die skrupellose Hackerin Cyber Scrooge (Bettina Zimmermann) die Nordpol-IT ein- und damit das gesamte System übernimmt, droht dem Fest der Liebe das Ende. Zusammen mit der zynischen, dauergestressten Managerin Coco, einer rebellischen Verpackungsdrohne namens Schneeflöckchen und dem kleinen Rentier Krümel versucht Yoyo, den verschollenen Weihnachtsmann (Michael Mendl) zu finden.

Drehbuchautor Jamie Nash sowie das Regie-Duo Ricard Cussó und Damjan Mitrevski haben sich mit „Mission Santa“ eine weltumspannende, universelle und höchst vergnügliche Geschichte überlegt. Deren zeitgeistige Anspielungen auf unsere digitalisierte Welt zählen dabei zu den großen Stärken des Films. Yoyo erkennt schnell, dass Weihnachten heute ganz anders funktioniert, als er es sich vorgestellt hat – die Zeit bleibt nicht stehen, im Gegenteil. Die Gesellschaft – und damit auch Weihnachten – entwickeln sich in einem derart hohen Tempo weiter, dass manch einer den Anschluss zu verpassen droht.

Automatik, Bots und Drohnen: Weihnachten 2025!

Ein hypermoderner, elektrifizierter Mitarbeiterbus mit einem Bot am Steuer bringt die Elfen zu ihrer Arbeit. Eine riesige Besucherhalle mit Glitzertechnik und gewaltigen Hologrammen begrüßt Angestellte wie Touristen und versetzt in ungläubiges Staunen. Doch damit nicht genug: In der voll automatisierten Werkstatt fliegen Auslieferungs-Drohnen umher, und die KI-Systeme haben stets alles im Blick. Synchronität, Produktivität, Termineinhaltung und Effizienz bestimmen den Arbeitsalltag. Ja, wir sind in der Weihnachtswerkstatt des Jahres 2025 angekommen. Lebkuchen, Geschenkpapiere oder heimelig-sentimentale Weihnachtsklänge à la „Last Christmas“? Fehlanzeige!

Über alle Abläufe bestimmt die karrieregeile, stets auf ihren Ruf bedachte Coco, die zu Beginn nur selten ohne Betriebs-Tablet oder Handy voller smarter Tools zu sehen ist. Mit der Werkstatt, Coco und ihrem exakt durchgeplanten Verhalten spielen Nash, Cussó und Mitresvki augenzwinkernd und passgenau auf Themen wie (pathologischen) Optimierungszwang, Cyberbedrohungen, KI-Übermacht und Technik-Wahn an. Als nicht immer geglückt erweist sich hingegen die Animation. Einige Figuren erscheinen seltsam steif, es fehlt ihnen die Lebendigkeit und das Verspielte. Die einzelnen Kulissen und Welten, von der Werkstatt über die Schneelandschaften bis zum Aufenthaltsort des Weihnachtsmannes, sind optisch zwar ansprechend gestaltet – an die Opulenz und Strahlkraft großer Disney-Produktionen aber reichen sie nie auch nur ansatzweise heran.

Elf Yoyo und Rentier Krümel haben sich so auf das bevorstehende Fest gefreut – doch wegen der skrupellosen Hackerin Cyber Scrooge steht plötzlich alles auf dem Spiel! LEONINE
Elf Yoyo und Rentier Krümel haben sich so auf das bevorstehende Fest gefreut – doch wegen der skrupellosen Hackerin Cyber Scrooge steht plötzlich alles auf dem Spiel!

Die Macher lassen die Storylines um den Cyberangriff und die Weihnachtsmann-Suche parallel verlaufen. Erstgenannter inhaltlicher Nebenschauplatz gerät etwas fad, da während des Hacker-Angriffs einfach nicht viel Spannendes passiert. Scrooge verlangt die Auslieferung des Weihnachtsmannes und zerstört, um seinen Drohgebärden mehr Ausdruck zu verleihen, ein Geschenk nach dem anderen. Viel mehr ist in der Werkstatt im Zuge der „feindlichen Übernahme“ nicht los. Dafür geht es bei Coco, Yoyo und Co. ordentlich – und ganz schön fantastisch – zur Sache.

Bei seinem abenteuerlichen Unterfangen unternimmt das kunterbunt zusammengewürfelte Team unter anderem eine surreal anmutende Schneekugelreise und eine Fahrt mit einem etwas angestaubten, aber wundervoll anzusehenden Retro-Schlitten. Hinzu kommen parallele Universen und mysteriöse Portale, die magischen Weihnachtszauber versprühen. Phänomenal gegen den Strich bürstet das Regie-Duo gängige Weihnachtsklischees und altbekannte Traditionen, wenn es plötzlich eine Armada an „schwermetallischen“, tätowierten und gepiercten Biker-Weihnachtsmännern auffährt. Die sehen nicht nur megacool aus, sondern haben ebenso einen richtigen guten Musikgeschmack. So stehen die muskelbepackten Nikoläuse auf Kiss, ZZ Top und andere (hard-)rockende Combos!

Die Nebenfiguren sind die wahren Stars

Daneben sind in diesem dramaturgisch weitgehend in erwartbaren Bahnen verlaufenden Film für den Humor vor allem die schrulligen Sidekicks und heiteren Nebenfiguren verantwortlich. Besonders im Gedächtnis bleibt der derbe, zum Schreien komische Auftritt von Yoyos Opa, der früher der treuste Helfer von Santa Claus war. Als verrückter, drolliger Zeitgenosse wirkt er zeitweise wie ein Doc Brown auf Drogen – dank Hyperaktivität sowie kaum zu bändigender Energie und Lebenslust. Und dann ist da natürlich noch das putzige Rentier Krümel, der heimliche Star in der illustren Figuren-Schar. Krümel ist eine treue Seele und steht Yoyo immer zur Seite. Mit seinem natürlichen Entdeckungsdrang und der stets präsenten Offenheit, gerade in Bezug auf neue Bekanntschaften, hat das Tier die Sympathien schnell auf seiner Seite.

Fazit: Tradition und Sentimentalität waren gestern! Der durch und durch auf die Vorzüge (und Gefahren) unserer Zeit anspielende, vergnügliche Animationsfilm gefällt mit seinem Aktualitätsanspruch und der unkonventionellen Erzählung. Erfrischend unangepasst und ironisch handelt er von Wandel, tradierten Vorstellungen, aber auch von Zusammenhalt und Freundschaft. Qualitative Abzüge ergeben sich aufgrund der nicht durchweg überzeugenden technischen Umsetzung und einiger unausgereifter Handlungselemente.

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