Nach wie vor berührend und mit wunderbaren Figuren!
Kaum ein Film hat die Filmlandschaft so geprägt, wie „Forrest Gump“. Das Drama von Robert Zemeckis erhielt nicht nur sechs von 13 Oscarnominierungen (darunter bester als Film), sondern ging nachhaltig in die Geschichte ein. Und das lag nicht nur an seiner Qualität, sondern später auch durch unzählige Memes. Doch schauen wir uns diesen Klassiker Stück für Stück an: Im Jahr 1994 verfilmt Robert Zemeckis das Buch von Winston Groom, nachdem er vor allem mit seiner „Zurück in die Zukunft“-Trilogie die Filmlandschaft auf den Kopf stellte. Damals war Zemeckis noch einer der innovativsten Regisseure in Hollywood, bevor seine Karriere praktisch nur noch bergab ging. Doch mit „Forrest Gump“ bewies Zemeckis, dass er das Zeug für ernstzunehmende Dramen hatte. Zwar mit viel Kitsch und Klischee, aber dennoch sehr emotional verpackt. Und so räumte er nicht nur einen Oscar für den besten Film ab, sondern auch für die beste Regie. Mittlerweile ist „Forrest Gump“ über 30 Jahre alt und hat seitdem die Filmlandschaft geprägt, besonders in den 90ern. Für mich ist das Werk ein Paradebeispiel des Feel-Good-Hollywooddramas, welches wir in der Zeit zuhauf gesehen haben. Doch ist der Film auch heute noch so packend, so emotional und unterhaltsam wie damals?
Als Forrest Gump, ein etwas beschränkter junger Mann, auf einer Bank auf den nächsten Bus wartet, erzählt er vorbeigehenden Passanten seine unglaubliche Lebensgeschichte: Als kleiner Junge fing er an mit Beinschienen, die ihm beim Laufen unterstützen sollten. Während er dafür und für seine naiv, autistische Art von anderen geächtet wird, liebt seine alleinerziehende Mutter ihn umso mehr. Forrest tankt aus dieser Liebe viel Kraft, aber vor allem aus der Liebe zu seiner besten Freundin Jenny, welche er in der Schule kennen lernt. Doch mit der Zeit werden beide erwachsen und die Wege der liebenden Freunde trennen sich. Forrest muss in den Krieg ziehen und startet damit eine unfassbare Karriere…
Ja, „Forrest Gump“ ist aus heutiger Sicht ein wenig vom Kitsch überflutet, besonders am Ende. Auch die Beziehung von Forrest und Jenny ist in manchen Situationen etwas problematisch anzusehen, wenn Forrest nur mit Gewalt agiert, um Jenny aus unangenehmen Situationen zu „retten“.
Aber auf der anderen Seite bietet die Story eine unfassbar, starke Message. Bereits der Film „Rain Man“ spielte mit der Prämisse, dass ein autistischer Mensch die Hauptfigur einer Geschichte sein kann und legte den Grundstein für das Klischee, in dem besagte Figur oftmals auch hochbegabt in bestimmten Dingen ist. Auch Forrest fällt darunter. So ist er ein außergewöhnlicher Ping Pong-Spieler und ein außergewöhnlicher Läufer. Doch vor alle, und das ist das Wichtigste, ist Forrest eine gutherzige und ehrliche Seele. Alles, was er tut ist echt, ungefiltert und basiert auf der Liebe zu seinen Mitmenschen. Egal, ob es die verzweifelte Rettungsaktion seines Freundes Baba im Vietnamkrieg ist, oder das zwanghafte Beschützen von Jenny: Forrest stellt immer wieder andere über sich und versucht so gut es geht moralisch anständig zu handeln. In gewisser Weise ist er damit ein großartiges Beispiel, besonders für Männer, da in den 90ern Actionfilme immer noch voll von gestählten Muskelbergen wie Schwarzenegger oder Stallone waren. Doch „Forrest Gump“ war inmitten dieser Testosteron-verseuchten Filmlandschaft ein frischer Lichtblick. Völlig zurecht spielte der Film ein beeindruckendes Ergebnis von 678 Millionen Dollar ein und war hinter „Der König der Löwen“ der erfolgreichste Film des Jahres!
„Forrest Gump“ wechselt zudem wunderbar zwischen Drama und Comedy. Während es unzählige witzige und ikonische Momente gibt (allein die Shrimps-Segmente mit Forrest und seinem Freund Baba), berühren mich vor allem die ernsteren Szenen. Da wäre einerseits Jenny, die durch ihre tragische Kindheit seelisch vollkommen zerstört wurde. Immer wieder läuft sie weg, versucht mit jedem Trend mitzuhalten, schafft es aber nie Halt zu finden. Nur Forrest kann ihr diese Sicherheit geben, doch selbst das reicht nicht immer aus… Jenny ist eine sehr spannende Figur, die in gewisser Weise die tragische Hauptrolle des Films ist. Mein persönlicher Favorit ist aber Lieutenant Dan, wenn es um berührende Nebenfiguren geht. Er startet als klassischer Haudrauf-Soldat, der seine Bestimmung im heldenhaften Kriegstod sieht. Doch Forrest verhindert das und Dan muss eine neue Bestimmung in seinem Leben finden. Es ist besonders die wundervolle Dynamik zwischen Forrest und Dan, die ihre Szenen so besonders machen. Lieutenant Dans Verwandlung in der Story, ist einfach nur wunderbar und lebensbejahend!
Schauspielerisch zeigen hier alle großartige Leistungen! Tom Hanks erhielt völlig zurecht den Oscar als bester Hauptdarsteller. Seine rührende Performance sticht auch heute noch heraus. Hanks spielt dabei sowohl subtil, als auch sehr komödiantisch, aber es ist immer passend! Diese Rolle brachte ihm bereits seinen zweiten Oscar nach „Philadelphia“ ein. Übrigens sehr witzig, dass unter anderem John Travolta für die Rolle vorgesehen war. Travolta wurde aber dennoch für „Pulp Fiction“ nominiert, auch wenn er hier nur ein Drittel der Screentime hatte i Vergleich zu Hanks.
Robin Wright als Jenny ist ebenfalls toll und Gary Sinise als Lieutenant Dan hätte in meinen Augen ebenfalls eine Trophäe verdient, erhielt aber zumindest eine Nominierung.
Auch optisch war der Film ein Meilenstein: Die visuellen Effekte von ILM (Industrial Light & Magic) sorgten nicht nur dafür, dass Tom Hanks mit historischen Berühmtheiten wie John F. Kennedy oder John Lennon zusammen vor der Kamera stand, sie ließen auch die Beine von Gary Sinise verschwinden, der im Film eine Kriegsverletzung davon trägt. Das alles ist für 1994 extrem eindrucksvoll, immerhin erschien erst ein Jahr zuvor „Jurassic Park“. Auch hier erhielt der Film zurecht einen Oscar.
Die Musik stammte natürlich wieder von Alan Silvestri, dem Stammkomponisten von Zemeckis. Sein kitschiger, aber wundervoller Score passt perfekt in den Film und das Hauptthema wurde international berühmt. Dazu gesellen sich viele bekannte Popsongs der 50er, 60er und 70er. Die Songauswahl ist an sich grandios, aber auch manchmal etwas überbordend und zum Teil inflationär…
Ein letztes Wort noch zur deutschen Synchronisation: Für deutsche Zuschauer wurde Forrest Gump besonders durch die fantastische und großartige Stimme von Arne Elsholtz zum Leben erweckt. In meinen Augen und Ohren macht Elsholtz das Ganze sogar noch etwas besser und ist für mich ein Grund dafür, warum der Film auch hier hier so erfolgreich wurde.
Fazit: „Forrest Gump“ ist für mich zwar kein perfekter Film, da der Kitsch etwas anstrengend sein kann, doch auf der anderen Seite gibt es einfach extrem viel, was dieses Werk zeitlos und unterhaltsam macht. Da wäre nicht nur eine spannende und mitreißende Story, sondern auch eine wunderbare Hauptfigur, die eine schöne und kraftvolle Message abliefert. Hinzu kommen starke Darsteller*innen, tolle Effekte und gute Musik. Auch heute noch ist „Forrest Gump“ beste Hollywood-Unterhaltung mit Herz und Kitsch.