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    Zimmer 1408
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Zimmer 1408
    Von Björn Helbig
    Statt Haunted-House mal Haunted-Hotelzimmer. Dementsprechend moderner rasseln die Gespenster in „Zimmer 1408“ mit den Ketten – bzw. mit Fernsehern, Radioweckern und Notebooks. In Vertretung für Eli Roth (Hostel), der ursprünglich die Stephen-King-Short-Story „1408“ aus der Sammlung „Im Kabinett des Todes“ umsetzen wollte, zeichnet für die Regie nun der Schwede Mikael Håfström verantwortlich. Frei nach dem Motto „Ein Zimmer dreht durch“ fährt dieser Effektkost vom Feinsten auf – vergisst dabei aber irgendwann, dass wahrer Horror von innen kommt.

    „It's an evil fucking room.” (Mike Enslin)

    Mike Enslin (John Cusack) schreibt Bücher über Hotels, in denen es angeblich spukt. So reist er von Ort zu Ort und quartiert sich für eine Nacht in den entsprechenden Unterkünften ein. Einen Geist hat der Skeptiker vom Dienst bisher noch nicht gesehen. Und er rechnet auch nicht damit. Doch als er eines Tages eine Karte, auf der das Dolphin Hotel abgebildet ist, in seinem Postfach findet, wird er doch neugierig. „Betreten Sie nicht Zimmer 1408“ ist der einzige Satz darauf. Enslin versucht ein Zimmer zu reservieren, doch Manager Olin (Samuel L. Jackson) lässt ihn abblitzen. Erst mit Hilfe seines Anwalts und einer ordentlichen Portion Beharrlichkeit erreicht er sein Ziel. Gegen alle Widerstände und die charismatischen Überzeugungsversuche Olins bezieht Enslin doch schließlich Zimmer 1408, in dem niemand länger als eine Stunde überlebte. Na, dann gute Nacht!

    Es ist nicht leicht, Stephen Kings Romane und Kurzgeschichten für die Leinwand zu adaptieren. Was zuerst aussieht wie ein Selbstläufer – schließlich finden die Geschichten des King of Horror bei den Leseratten dieser Welt unvergleichlichen Anklang – erweist sich allzu oft als schwieriges Unterfangen. Mehr noch als durch die Ideen leben die Werke des Autors durch seine meisterhafte erzählerische Gabe und durch seine Fähigkeit, den Schrecken im Alltäglichen zu finden. Und nicht selten spielt sich das wahre Grauen in den Köpfen seiner Protagonisten ab. Dieses Kopfkino ins Kino zu bringen und die Fabulierkunst des Autors in filmische Sprache zu übersetzen – daran sind schon einige Regisseure gescheitert. Natürlich gibt es auch rühmliche Ausnahmen wie z.B. Frank Darabonts Die Verurteilten, David Cronenbergs „Dead Zone“, Rob Rainers „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“ oder, last but not least, Stanley Kubricks Shining.


    Und Mikael Håfström? Wo ist sein Adaptionsversuch einzuordnen? Top oder Flop? Zum Glück oder leider – weder noch. Håfström (Entgleist) macht vieles richtig, aber auch Entscheidendes falsch. „Zimmer 1408“ wirkt im Vergleich zu Kubrick Meisterwerk fast ein wenig wie dessen kleiner, tobsüchtiger Bruder. Ein Indiz für das Missverständnis, dem die Macher von „Zimmer 1408“ unterlagen, zeigt sich an Kleinigkeiten. Z.B. wurde die Zahl der Opfer des Zimmers von 42 auf 56 erhöht, ganz so, als würde eine höhere Todesrate den Schrecken steigern. Dieser Einstellung folgend, fahren Håfström und sein FX-Team eine ganzen Menge Brimborium auf, um aus dem reduzierten Setting das Maximum an Effekt rauszukitzeln. Ohne Frage, mitunter sind die Eskapaden vom Zimmer 1408 wirklich beeindruckend. Doch es lässt sich kaum leugnen, dass der ursprünglich so geschickt aufgebauten Spannung mit jedem Krawumms ein wenig mehr die Puste ausgeht.

    Hinzu kommt, dass sich die verschiedenen Story-Elemente nicht zu einem Ganzen zusammen fügen. Enslin und sein Vater, der Tod seiner Tochter und die Beziehung zu seiner Ex-Frau werden durch seine Visionen in Zimmer 1408 zwar in einen räumlichen, niemals aber in einen bedeutungsvollen Zusammenhang gebracht. Auch wenn eine Menge Dreizehnen im Film versteckt sind (die Quersumme von 1408, die Quersumme der Hoteladresse 2245 Lexington Street, der 13. Stock usw.), gibt es dennoch keinen Aha-Effekt, nichts fügt sich am Ende zusammen, die Twists wirken nach Filmende wie ein Gespenst auf der Sommerwiese, das Ganze bleibt eine unverbundene Ansammlung von Spuk-Momenten ohne tieferen Sinn. Das ist besonders schade, weil sich der Zuschauer gerade auf die Lösung dieses Puzzles konzentriert, wenn die Eskapaden des Zimmers zu nerven beginnen. Wenn die Autoren die Original-Geschichte schon abändern, so dass Enslin nicht mehr der reine Skeptiker, sondern nach dem Dahinscheiden seiner Tochter auf der Suche nach einem Beweis für ein Dasein nach dem Tod ist, sollte man aus dieser Änderung auch Kapital schlagen, und sie nicht einfach verpuffen lassen.

    Obzwar die gestreckte Kurzgeschichte inhaltlich nicht allen Erwartungen genügt, gibt es doch auch Positives zu vermelden. Denn der Spuk sieht in der Regel wirklich gut aus und ist wirkungsvoll in Szene gesetzt. Das Visual-Effects-Team leistet ganze Arbeit und verzichtet so weit es geht auf computergenerierte Effekte. Und dafür, dass es keine konventionelle Storyline gibt und sich beinahe der ganze Film in einem Raum abspielt, in dem sich John Cusack von Spuk zu Spuk hangelt, ist das Ergebnis recht kurzweilig und stellenweise sogar fesselnd geraten. Cusack (Identität, Being John Malkovich), der schon in der Stephen-King-Verfilmung „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“ mitgewirkt hatte, spielt seine One-Man-Show mit einer leichten Tendenz zum Overacting sehr solide runter. Und auch die anderen Darsteller wie Mary McCormack K-Pax als seine Ex-Frau Lily sowie Jasmine Jessica Anthony als Gespenstertochter Katie fügen sich gut in den Film ein. Ein besonderes schauspielerisches und atmosphärisches Highlight ist die Szene, in der Enslin mit Hotelmanager Olin um den Einlass zu Zimmer 1408 feilscht. Eigentlich ist dies der Moment, in dem ein Großteil der Spannung aufgebaut wird. Samuel L. Jackson – zuletzt zu sehen in Black Snake Moan – hat als Olin zwar nur einen kleinen, aber sehrt wirkungsvollen Auftritt.

    Fazit: Erst fängt alles ganz viel versprechend an. Der Spannungsaufbau ist bis Enslins Einzug ins Zimmer 1408 und kurz darüber hinaus gelungen. Leider wird dann mit einem Übermaß an Effekten versucht, die an sich inhaltsarme Geschichte aufzupolieren. Das gelingt nur zum Teil. Zwar lassen die gute Inszenierung und das solide Spiel von Cusack diesen Makel oft vergessen, doch zum Schluss bleibt ein Gefühl der Leere. Die Kinokassen füllten sich dennoch. In den USA befand er sich sechs Wochen in den Top Ten und spielte in Nordamerika mehr als 70 Millionen Dollar ein, wodurch er nach The Green Mile als zweiterfolgreichste Stephen-King-Verfilmung gilt.
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