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    Streets of Philadelphia – Unter Verrätern
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Streets of Philadelphia – Unter Verrätern
    Von Christoph Petersen
    Noch immer thront Francis Ford Coppolas Übermeisterwerk Der Pate unangefochten auf Platz eins der Top-250-List der imdb, der Nachfolger Der Pate II befindet sich nur ganze zwei Positionen dahinter. Und mit Joel Coens Miller´s Crossing, Martin Scorseses Casino und vor allem Brian De Palmas Carlito´s Way tummelten sich auch in den 90er-Jahren noch einige Mafiafilme in den Bestenlisten. Daher ist es eigentlich gänzlich unverständlich, warum dieses ehrwürdige Genre im neuen Millennium ein solch unbedeutendes Schattendasein fristet. Lediglich Sam Mendes´ Road To Perdition fällt einem da im ersten Moment ein, aber mit seiner comichaften, lediglich auf die visuellen Elemente setzenden Art kann man ihm kaum als klassischen Mafiastreifen gelten lassen. Dann schon eher Carlito´s Way: Rise To Power, der es aber weder in den USA noch in Deutschland zu Bedeutung jenseits seines Direct-to-DVD-Status gebracht hätte. Es ist also an sich schon eine schöne Sache, mit Robert Morescos „10th And Wolf“ endlich mal wieder einen richtigen Old-School-Mafiathriller serviert zu bekommen. Dass der Film dabei auch noch absolut erstklassig besetzt ist und mit einer provokativ-politischen Ebene aufwarten kann, macht ihn dann natürlich auch nicht unbedingt weniger interessant.

    Weil Tommy (James Marsden) als Soldat im ersten Irakkrieg seinem Vorgesetzten den Jeep geklaut hat und dann damit dreißig Kilometer in die falsche Richtung gefahren ist, haben die US-Behörden ihn in der Hand. Um einer Verurteilung zu entgehen, soll er sich in den kleinen Mafiabetrieb seines Cousins Joey (Giovanni Ribisi) einschleichen, um von dort aus die wirklich großen Fische für den zwielichtigen Agenten Horvath (Brian Dennehy) bespitzeln zu können. Doch das Unterfangen gestaltet sich schwieriger als zunächst gedacht. Joey und Tommys geistig behinderter Bruder Vincent (Brad Renfro, The Jacket) wollen auf einmal nicht nur ins Drogengeschäft einsteigen, sie wollen den Laden sogar mittels eines blutigen Bandenkrieges komplett übernehmen. Außerdem sorgt Joeys cholerischer Handlanger Junior (Dash Mihok, Hollywoodland) immer wieder für Unruhe, indem er die angestellten Bardamen (u.a. Piper Perabo, The Cave) bedrängt. Und auch ein lange verborgenes Familiengeheimnis um den verstorbenen Paten Matello (Dennis Hopper) ist beim Schaffen klarer Verhältnisse nicht gerade hilfreich…

    Die Geschichte von „10th And Wolf“ wurde von der gleichen wahren Begebenheit inspiriert, die auch schon als Vorlage für Mike Newells Donnie Brasco mit Al Pacino und Johnny Depp herhalten musste. Dabei beweist Debütant Moresco, auch wenn er sich in manchen Momenten in seinen teilweise unnötig wirren Konstellationen zu verlieren scheint, dass er nicht nur als Drehbuchautor (Oscar für L.A. Crash), sondern auch als Regisseur zu überzeugen versteht. Aber auch wenn die Mafiasaga spannend und kompetent erzählt ist, machen „10th And Wolf“ in erster Linie seine politischen Parallelen zu etwas Besonderem. Wie in jeder guten Mafiafamilie wird auch in Joyes Clan nach alter Tradition jeder von jedem hintergangen. Tommy und alle seine Kameraden wurden im Irakkrieg von ihren Vorgesetzten und so im Endeffekt auch von der amerikanischen Regierung ohne einen Hauch von schlechtem Gewissen verarscht. Und die beiden Agenten, die Tommy in der Hand haben, betrügen ihn ohne mit der Wimper zu zucken nach Strich und Faden. So erzählt Moresco drei düstere, von Verrat geprägte Geschichten nebeneinander und zieht dabei zahlreiche unvorteilhafte Parallelen – stellt dabei also Politik, Polizei und die Mafia radikal auf die gleiche niedere Stufe. Der Ansatz mag nicht wirklich neu sein, aber die mutige Konsequenz, mit der er in „10th And Wolf“ – trotz Kriegszeiten (es war immerhin mal ein ungeschriebenes Gesetzt Hollywoods, sich in solch schwierigen Zeiten nicht gegen die eigene Führung zu stellen) - durchgezogen wird, ist es auf jeden Fall.

    Der Cast ist schon auf den ersten Blick überragend und dieser Eindruck wird beim Sehen auch zum größten Teil bestätigt. James Marsden (Superman Returns, X-Men), der außer mit seiner „Ally McBeal“-Serienrolle noch nie so richtig glänzen konnte, liefert hier zwar eine der besten Performances seiner Karriere ab, bleibt im Vergleich zur übermächtigen Schauspielkonkurrenz aber dennoch eher blass. Ganz anders Giovanni Ribisi (Der Flug des Phoenix, Nur noch 60 Sekunden), der wie immer ganz nah am Rande des Wahnsinns zu wandeln scheint, auf seine typische Art der Mafioso-Figur aber eine ganz neue Seite abgewinnt. Neben Ribisi sticht vor allem auch noch Brian Dennehy (Aus Mangel an Beweisen), der hier an seine Rolle als superfieser Sheriff aus Rambo anknüpft, aus der hochwertigen Masse heraus. Als besonderes Leckerbissen erweisen sich zusätzlich auch die beiden Kurzauftritte von Val Kilmer (The Salton Sea, The Doors, Kiss, Kiss, Bang, Bang) als saufender Irakkrieggegner und Dennis Hopper (House Of 9, Easy Rider), der seine Rolle als Mafiapate einmal mehr absolut routiniert runterreißt. Sicherlich kann „10th And Wolf“ noch nicht an die ganz großen Mafiameisterwerke der letzten Dekaden heranreichen, aber überhaupt mal wieder einen wirklich guten Film aus diesem vergessenen Genre vorgesetzt zu bekommen, ist auch schon eine ganze Menge wert.
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