Frank Darabont und die Suche nach der Menschlichkeit!
Wer würde heute noch vermuten, dass der Film „Die Verurteilten“ (1994) damals ein finanzieller Flop war? Heute gilt die Verfilmung von Stephen Kings Kurzgeschichte als eines der besten Filmwerke aller Zeiten und ist nach wie vor (Stand 2026) der best bewertete Film aller Zeiten auf „imdb“. Der Film war für sieben Oscars nominiert (darunter die Trophäe für den besten Film), konnte sich aber nicht gegen den großen Gewinner „Forrest Gump“ durchsetzen. Und doch ist es kurios, dass der Film damals an den Kinokassen kaum etwas einspielte. Betrachtet man jedoch die Zeit, in der der Film erschien, kommt etwas mehr Licht ins Dunkel: Amerika (und auch der große Rest der Filmwelt) hatte verurteilte Verbrecher in Gefängnissen immer wieder als Monster dargestellt. Das Klischee hält sich bis heute, doch vor allem damals wurde durch den damaligen Präsidenten Bill Clinton und sein sogenannter „Violent Crime Control and Law Enforcement Act“ der Hass auf Kriminelle geschürt. Dass das damals umjubelte, problematische Gesetzt später als absolutes Desaster in die Geschichte einging, ist ein ironischer Kontrast zum Filmdrama, welches als Flop begann und nun als Klassiker gilt. Für eine tiefgründigere und äußerst spannende Interpretation des Ganzen, empfehle ich das informative Video von Pop Culture Detective auf „Youtube“ zum Film!
Die Regie übernahm der damals noch unbekannte Frank Darabont. Der hatte bis dato nur einmal Regie geführt und sonst die Drehbücher für Filme wie „Der Blob“ und „Die Fliege II“ geschrieben. „Die Verurteilten“ (im Englischen „The Shawshank Redemption“) sorgte für seinen Durchbruch und in den späteren Jahren sollte Darabont zwei weitere King-Adaptionen verfilmen („The Grren Mile“ und „Der Nebel“). Was er mit diesem Film schuf, ist bis heute wegweisend gewesen in Hollywood und veränderte die Sicht auf Menschen im Gefängnis. Doch wie gut ist „Die Verurteilten“ heute noch, über 30 Jahre später?
Im Jahre 1947 wird der junge Bänker Andy Dufresne wegen des Mordes an seiner Frau und deren heimlicher Affäre zu zwei Mal lebenslänglich verurteilt. Im Shawshank Gefängnis wird er mit der harten Realität konfrontiert. Doch über die Jahre hinweg gelingt es ihm immer wieder das Leben für sich und seine Mitinsassen erträglicher und manchmal sogar wirklich schön zu gestalten, auch wenn es nur wenige Momente sind…
„Die Verurteilten“ ist bis heute ein beeindruckendes Werk über Menschlichkeit! Nach wie vor werden Menschen hinter Gittern als gewalttätige und kaltblütige Monster gezeigt. Hier jedoch nicht: Andy und seine Freunde sind Verbrecher. Sie haben gestohlen, gemordet und wer weiß was getan, um dort ihr Dasein zu fristen. Der Film kommuniziert dies auch mit dem sarkastischen Kommentar einiger Figuren „Alle in Shawshank sind unschuldig.“ Damals gab es immer wieder Kritik am Film für das romantisierte Bild dieser Verbrecher. Doch trotz einiger kitschiger Momente, ist es in meinen Augen unfassbar tragisch zu sehen, was für gutmütige Menschen dort im Gefängnis sitzen. Nicht weil ich denke, dass diese nicht dort sein sollten, sondern weil der Film zeigt, was für ein Potential viele der Männer haben. Doch aufgrund ihrer Tat konnten sie dieses Potential nie wirklich entfalten. Im Gefängnis jedoch sieht das Ganze anders aus. Der Film zeigt eine ganz eigene Welt, in der selbst ein alter Mann, der sein Leben lang dort verbrachte, einen Nutzen und sogar einen Stellenwert hat. „Die Verurteilten“ spricht natürlich auch dieses Dilemma an, besonders mit der wohl besten Szene, in der die Figur des Brooks freigelassen wird. Da er den Großteil seines Lebens im Gefängnis saß, kommt er mit der wirklichen Welt nicht zurecht. So wird das Gefängnis von Shawshank zu einer Art tragischem Paradies für viele dieser Männer.
Darabont zeigt aber auch die dunklen Seiten dieser Welt und das sehr unverblümt: Männer werden grundlos zusammengeschlagen von Wärtern, manchmal sogar totgeschlagen, es gibt Vergewaltigungen, Sklavenarbeit, Folter und Ausbeutung. Selten kritisierte ein Film die polizeiliche Justiz derart stark wie hier in „Die Verurteilten“. Dass der Gefängnisdirektor Norton dabei vor allem gegen Ende fast schon zu einem eindimensionalen Klischee-Bösewicht wird, ist einer der wenigen Punkte, die in meinen Augen nicht ganz so gut gealtert sind. Dennoch ist es wirklich beeindruckend, wie weit der Film seiner Zeit voraus war. Kritik an den juristischen Instanzen ist bis heute nicht so gern gesehen, vor allem in Amerika, aber leider aktueller denn je.
Neben seiner wichtigen und humanistischen Thematik, liefert der Film aber vor allem eine mitreißende und stark erzählte Geschichte mit sympathischen und spannenden Figuren. Red, gespielt von Morgan Freeman, war ursprünglich in der Geschichte weiß. Dass Darabont aus Red einen schwarzen Mann machte, passt zudem so viel besser zur Thematik. Denn auch wenn Rassismus im Film kaum thematisiert wird, so ist es dennoch ein riesiges Problem in der amerikanischen Justiz, welches hier indirekt angesprochen wird, da Red im Prinzip die Hauptfigur des Films ist und uns als Erzähler durch die Geschichte führt.
Der Cast ist eindrucksvoll mit Tim Robbins und besonders Morgan Freeman. Sehr stark sind auch Clancy Brown als sadistischer Wärter und James Whitmore als sensibler und gutmütiger Brooks Hatlen.
Technisch überzeugt der Film ebenfalls mit einer wundervollen Kameraarbeit von Roger Deakins (einem seiner ersten großen Filme) und einem sensiblen Score von Thomas Newman.
Perfekt ist das Ganze in meinen Augen jedoch nicht: Da gibt es zum Beispiel etwas weniger relevantere, aber dennoch unnötige Makel, wie etwa, dass man keinem der Figuren ansieht, dass sie altern. Andy selbst ist etwa 20 Jahre im Knast und er hat konstant die gleiche Frisur, keinen Bart und auch sonst keine Veränderungen im Gesicht. Das gilt leider auch für alle andern Figuren und macht das Ganze etwas schwer zu glauben.
Andere Dinge sind doch etwas schwerwiegender. So ist der Film für mich immer wieder etwas zu kitschig, besonders am Ende (kein seltenes Problem in den 90ern). Und auch wenn die Figuren allesamt sehr nachvollziehbar und charmant sind, so verfallen viele von ihnen ins Hollywood-Klischee. Andy ist der klassische, stumme, aber intelligente Held, dessen Schuld später in Frage gestellt wird, der Direktor ein recht einseitiger Antagonist und einige der Mitinsassen haben typische Sidekick-Vibes. Ähnliche Probleme hatte auch Darabonts spätere King-Verfilmung „The Green Mile“.
Fazit: „Die Verurteilten“ ist vielleicht kein perfekter Film, aber ein wichtiger, der sicherlich jedem Zuschauer etwas geben wird. Er zeigt uns bis heute, dass auch Gefangene Menschen sind und dass Bestrafung seine Grenzen haben muss. Ein harter, aber auch emotionaler und sogar lebensbejahender Film, den man gesehen haben muss!