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    Black Sheep
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Black Sheep
    Von Christoph Petersen
    Durch Peter Jacksons Über-Blockbuster Herr der Ringe - Trilogie und King Kong ist Neuseeland endgültig in die A-Liga der Filmnationen aufgestiegen. Doch so schön die grünen Wiesen in den Megaproduktionen auch anzusehen sind, der Preis, den vor allem Fans des Genrekinos dafür bezahlen mussten, ist hoch. Hatte doch eben jener Peter Jackson Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre mit seinen beiden Fun-Splatter-Filmen „Bad Taste“ und „Braindead“ dafür gesorgt, dass Neuseeland in Fan-Kreisen plötzlich einen berüchtigten Ruf als Brutstätte für absoluten Kult-Horror inne hatte. Im Rummel um den kleinen goldenen Ring und den großen haarigen Affen ist diese dunkle Seite der Kiwi-Filmkultur dann aber leider komplett in der Versenkung verschwunden. Doch man soll niemals nie sagen. Nun meldet sich Neuseelands Splatter-Kino mit der bissigen Zombieschaf-Horror-Satire „Black Sheep“ von Debüt-Regisseur Jonathan King eindrucksvoll zurück. Dass dem Film bei seiner obskuren Thematik und seiner schön-blutige Erinnerungen weckenden Herkunft viele Vorschusslorbeeren zuteil wurden, verwundert da kaum. Dass er diesen vollauf gerecht wird, schon eher. Nach dem letztjährigen Eröffnungsfilm Severance kann das FantasyFilmFest also auch 2007 wieder mit einem überzeugenden Fun-Splatter als Opener punkten.

    Seit dem Unfalltod seines Vaters hat Henry Oldfield (Nathan Meister) unheimliche Angst vor Schafen. Diese Phobie hat ihn auch von der heimischen Farm in die große Stadt getrieben. Nun, 15 Jahre später, kehrt Henry auf Anraten seiner Psychiaterin noch einmal an den Ort des Geschehens zurück, um sein Trauma zu verarbeiten. Zugleich will er die Chance nutzen, um seine Anteile an der Farm an seinen überambitionierten Unternehmer-Bruder Angus (Peter Feeney) zu verscherbeln. Dieser bereitet sich gerade auf ein Treffen mit Investoren vor, denen er seine mit Hilfe der größenwahnsinnigen Dr. Rush (Tandi Wright) neu gezüchteten Schaf-Rasse vorstellen will. Als jedoch zwei aktivistische Umweltschützer eine Probe des genveränderten Materials kapern, und auf der Flucht im Wald verschütten, nimmt die vorprogrammierte Katastrophe ihren Lauf. Während sich schnuckelige Tofu-Fanatikerin Experience (Danielle Mason) noch in Henrys Arme retten kann, mutiert ihr Körnerfresser-Freund Grant (Oliver Driver) zu einem ganz und gar nicht vergetarischen Wer-Schaf. Und auch die angriffslustigen Zombie-Schafe, die sich rapide zu vermehren scheinen, machen den Farm-Bewohnern das Leben nicht unbedingt leichter...

    Dass ein Haufen Schafe, welche gemütlich auf einer walisischen Wiese grasen und ab und zu „mäh“ machen, nur sehr bedingt furchterregend sind, musste Regisseur John Fawcett vor zwei Jahren mit seinem Horror-Flop The Dark schmerzlich feststellen. Dass hingegen ein genmanipuliertes Zombieschaf, das einem es mit seinen wollliefernden Vierbeiner-Freunden etwas zu wild treibenden Farmbesitzer den Penis abbeißt, durchaus sehr unterhaltsam sein kann, kommt nun „Black Sheep“ zu Gute. Wo der ernste Ansatz eines Horrorfilms mit Schafen noch grandios scheiterte, funktioniert der augenzwinkernde nun umso hervorragender. Zunächst begnügt sich Regisseur King dabei zwar noch mit vereinzelten Gore-Ekeleinlagen, doch sobal die Schafherden erst einmal über die japanischen und deutschen Business-Typen herfallen und dabei aus dem gemütlichen Investoren-Treff eine blutgarnierte Splatter-Party machen, auf der es statt feinster Haute Cousine nur ausgerissene Gedärme zum Dinieren gibt, kennt der Aberwitz keine Grenzen mehr.

    Doch wie jeder gute Splatter-Streifen kann auch „Black Sheep“ nicht allein mit durchgeknallten Goreszenen gewinnen. Und so macht sich der Film neben einer absurden Figurenkonstellation auch noch einen bissig-satirischen und ausgesprochen dunkelschwarzen Humor zu eigen, der die 87 Minuten endgültig wie im Fluge verstreichen lässt. Dabei haben die Autoren angenehmerweise darauf verzichtet, sich für eine Seite zu entscheiden, hier bekommen geld- und machtgeile Genmanipulierer genauso wie engstirnige Öko-Fuzzis ihr Fett weg. Es wäre auch grob fahrlässig gewesen, auf die Spitzen gegen eine der Seiten zu verzichten, zünden sie doch alle gleichermaßen gut und treffsicher. Als kleines Extra am Rande hat „Black Sheep“ übrigens auch noch die beste Wer-Verwandlungsszene seit Joe Dantes „Das Tier“ und John Landis’ „American Werewolf“ zu bieten. Hierfür verantwortlich: Peter Jacksons hauseigene Special-Effects-Schmiede Weta Workshop, die für jeden der drei „Herr der Ringe“-Teile einen Oscar einheimsen konnte.

    Fazit: Als einer der sehnlichst erwarteten Geheimtipps des Jahres versteht „Black Sheep“ nicht zu enttäuschen. Nach 15-jähriger Abstinenz meldet sich Neuseeland endlich wieder mit einem respektlosen Horror-Spaß in der Tradition von Peter Jacksons Genre-Klassikern „Bad Taste“ und „Braindead“ auf der Landkarte des Splatter-Kinos zurück.
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