„After Life“ ist arrangiert wie ein Kammerspiel und lebt überwiegend von der Interaktion zwischen Liam Neeson und Christina Ricci. Dabei handelt es sich allerdings nicht um „ein stylishes Stück Horrorkino“, wie es das DVD-Cover vollmundig verspricht, sondern vielmehr um einen atmosphärischen Psychothriller mit Mysteryelementen. Das Setting in dem Leichenpräparationsraum versprüht eine unangenehme Kälte, dazu ist es beklemmend still. Der Film spielt ständig mit der Frage, ob Anna jetzt nun wirklich tot ist, oder doch fälschlicherweise für tot erklärt wurde und doch noch lebendig ist. Das funktioniert die meiste Zeit über recht gut, man wird immer wieder hin und her gerissen, bis zum Schluss bleibt es unklar.
Naja, eigentlich nicht, die Auflösung wird leider schon viel zu früh durch nicht besonders subtil eingestreute Hinweise verraten, was dem Film praktisch die gesamte Grundlage entzieht. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist es dann nicht mehr so spannend wie zu Beginn, aber dennoch weiterhin ganz unterhaltsam, da der Film weiterhin ständig doppeldeutige und doppelbödige Hinweise liefert. Das Ende ist indes dann nochmal ziemlich krass und hat mich auch kalt erwischt!
Immerhin können die beiden Protagonisten voll überzeugen: Liam Neeson spielt seine Figur mit einer beängstigenden Ruhe und kühler Autorität, während wir mit Christina Ricci mitleiden und sie ihre Verzweiflung und Resignation gut spürbar transportiert. Vollkommen fehlbesetzt ist hingegen Annas Freund Paul mit Justin Long. Er ist ja grundsätzlich kein wirklich guter Schauspieler, seine Aufregung und seine Sorge wirkt zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise glaubhaft. Dadurch verliert die an sich ziemlich tragische Nebengeschichte um die beiden fast ihre gesamte Dramatik.
Wie immer gibt’s auch hier einen kurzen medizinischen Faktencheck von mir: An einer Stelle im Film gibt es die Erklärung, dass man durch das (wiederholte) Spritzen von Hydroniumbromid (mutmaßlich intramuskulär, immerhin nicht intravenös…) den Puls bis ganz auf null runterdrücken könne. Tatsächlich würde jedoch das Spritzen von Bromwasserstoffsäure (so der gängigere Name) zu extremen Verätzungen führen, da es sich um eine starke Säure handelt. Auf den Puls hat das mit Sicherheit keinen Effekt, eine Substanz die so etwas auszulösen vermag, existiert in Wirklichkeit schlichtweg gar nicht.
FAZIT: Anfangs durchaus spannende Mystery-Thriller-Geschichte, die überwiegend von Liam Neeson und Christina Ricci sowie dem ständigen Spiel mit der Ungewissheit und Doppeldeutigkeit lebt. Einige zu frühe und zu wenig subtile Hinweise könnten den Spaß aber vorzeitig verderben, zudem nervt Justin Long als eklatante Fehlbesetzung. Dennoch fühlte ich mich 100 Minuten gut unterhalten.