Die hilfreichsten KritikenNeueste KritikenUser mit den meisten KritikenUser mit den meisten Followern
Filtern nach:
Alle
Maddin
247 Kritiken
User folgen
4,0
Veröffentlicht am 12. November 2024
Inhalt: Der Baader Meinhof Komplex erzählt die Geschichte der Roten Armee Fraktion (RAF), einer linksextremistischen Terrorgruppe, die in den 1970er Jahren die Bundesrepublik Deutschland erschütterte. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Stefan Aust zeigt der Film die Gründung der RAF und die Radikalisierung von Andreas Baader (gespielt von Moritz Bleibtreu), Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek) und Ulrike Meinhof (Martina Gedeck). Der Film zeichnet ihren Weg von Studentenprotesten über Banküberfälle und Entführungen bis hin zu Anschlägen und zeigt die brutale Spirale der Gewalt und den erbitterten Kampf des Staates gegen den Terror.
Kritik: Uli Edel gelingt es in Der Baader Meinhof Komplex, die dramatische Eskalation der 70er Jahre in Deutschland mitreißend und eindringlich darzustellen. Der Film ist packend inszeniert und zeigt das chaotische, leidenschaftliche Leben der RAF-Terroristen sowie ihre schrittweise Entfremdung von ihren politischen Zielen. Moritz Bleibtreu als charismatischer, aber skrupelloser Andreas Baader ist überzeugend und energiegeladen, während Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin mit fanatischer Hingabe ihre Rolle ausfüllt. Martina Gedeck spielt Ulrike Meinhof als zerrissene Intellektuelle, die von ihrer eigenen Radikalisierung innerlich aufgezehrt wird.
Stil und Atmosphäre: Der Film fängt die Zeit der 70er Jahre sehr authentisch ein, sowohl in der Kleidung und den Schauplätzen als auch durch die musikalische Untermalung, die das Lebensgefühl dieser turbulenten Epoche wiedergibt. Die hektische und oft dokumentarische Kameraführung unterstützt die intensiven Actionszenen, insbesondere bei den Banküberfällen und Straßenschlachten. Dabei wird die Gewalt nicht verherrlicht, aber auch nicht geschönt – der Zuschauer erlebt die Brutalität und das Chaos hautnah.
Historische Genauigkeit und Kritik: Während der Film sich bemüht, die Ereignisse historisch akkurat wiederzugeben, wurde er auch für seine distanzierte Perspektive und das Fehlen einer tieferen Analyse der politischen Hintergründe kritisiert. Der Fokus liegt auf den Taten der RAF-Mitglieder, ihre persönlichen Motive und die gesellschaftlichen Konflikte der damaligen Zeit werden jedoch nur angedeutet. Auch einige Kritiker bemängelten, dass der Film in seiner actiongeladenen Inszenierung zu einer gewissen Faszination für die Gewalt verleiten könnte, ohne ausreichend die Folgen für die Opfer zu thematisieren. Dennoch bleibt Der Baader Meinhof Komplex ein eindrucksvolles, umfassendes Porträt einer historischen Extremistengruppe, die Deutschland in eine tiefe Krise stürzte.
Fazit: Der Baader Meinhof Komplex ist ein intensives und gut besetztes Drama, das die Zuschauer in die gewalttätige und zerrissene Welt der RAF eintauchen lässt. Der Film gibt einen nüchternen Einblick in eine dunkle Phase der deutschen Nachkriegsgeschichte und zeigt die zerstörerische Macht radikaler Ideologie. Wer einen tiefen psychologischen Blick auf die Charaktere oder eine umfassende Analyse der Zeit erwartet, könnte den Film als zu oberflächlich empfinden. Doch als temporeiches und historisch orientiertes Werk bietet er einen spannenden Einblick in die Dynamik und die tragische Konsequenz terroristischer Gewalt.
Die Schauspielleistung war bei den Hauptrollen sehr gut, jedoch bei den kleineren Rollen nicht sehr überzeugend. Ich persönlich finde das Thema zwar sehr interessant, kenne mich aber mit der Geschichte der RAF gar nicht aus, weshalb die Geschichte für mich schwer nachzuvollziehen war, was unter anderem an dem viel zu hektischen Ablauf der Ereignisse lag. Ich finde also, dass man ein bestimmtes Vorwissen für den Film benötigt. Eine weitere Sache die ich mir gewünscht hätte, wäre das die emotionale Seite des ganzen eine größere Rolle gehabt hätte, da man sich so besser in die Protagonisten hineinversetzen hätte können. Ich habe zum Beispiel zu keinem der Charaktere eine emotionale Bindung hergestellt, da sie alle sehr kalt dargestellt wurden. Ich denke aber, dass der Film keine Nominierung bekommen hätte, wenn man die RAF nicht als Terroristen, sondern als revolutionäre Widerstandskämpfer*innen dargestellt hätte, was die emotionslose Darstellung begründet. Die Oscar-Nominierung kann ich daher nicht nachvollziehen, da der Film zu viele Schwachstellen hat. trotz allem vermittelt er eine realistische Perspektive der Revolution und zeigt den starken Kampfgeist der RAF. Der Kampf geht weiter!
Sehr beeindruckender Film. Die Darsteller sind sehr gut. Überrascht hat mich vor allem, wie witzig und unterhaltsam der Film daher kommt, ohne billig oder effekthascherisch zu seine. Sehr gute unterhaltung und sehr lehrreich über eine Zeit, die zum Glück vorbei zu sein scheint.
Ein Film, der dank hervorragender Schauspieler und eines rasanten Tempos mitreißt und unter die Haut geht! Leider wird nur aus Tätersicht erzählt und so besteht m. E. doch eine gewisse Gefahr einer unreflektierten Solidarisierung mit den immer mehr in die Enge getriebenen "Opfern" einer letztlich doch brutal und übermächtig erscheinenden Staatgewalt. (Tatsächlich haben sich die Staatsorgane in ihrem Handeln weitgehend rechtsstaatlich verhalten.) (Robin Hood, Bonny and Clyde lassen grüßen) Mir ging es jedenfalls manchmal so, z.B. bei der großen Verhandlungsszene in Stammheim?, wo Buback unter dem Applaus des Publikums als "faschistisches Arschloch" bezeichnet wird. Wieso kommen nicht auch Angehörige der Opfer oder "Normalbürger" so zu Wort, dass ihre Position nicht sofort als lächerlich erscheint? Sie ähneln nach meinem Gefühl zu sehr Schießbudenfiguren - und auf die kann man schießen!
Filmisch m.E super gemacht. Keine Langeweile trotz Überlänge. Die Entwicklung und die Spezifika der einzelnen - recht unterschiedlichen - Charaktere werden eindringlich und glaubhaft dargestellt. Beeindruckende schauspielerische Leistungen. Inwieweit der Film mit den historischen Fakten in Einklang steht kann ich leider nicht beurteilen. Dieses Kaptitel der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde in meinem Geschichtsunterricht ausgespart. Eigenes Quellenstudium habe ich (noch) nicht betrieben. Was gezeigt wird ist alles in allem eine eindringliche Mahnung das Gebot der Verhältnismässigkeit, die Grenzen der Zurechnung von persönlicher Verantwortlichkeit und das Gebot des absoluten Lebensschutzes einzuhalten und nicht selbstherrlich zu eigenen Zwecken umzudefinieren. Schade, dass man nicht mehr erfährt über das Leben der Opfer und das unendliche Leid der Familien der Opfer.
eine echte dokumentation wäre mir lieber gewesen. handwerklich fand ich diesen film sehr gut, (außer, dass die story wirklich für nicht-zeitzeugen schwer nachvollziehbar war) die schauspieler haben super agiert und waren top besetzt und auch das 70-jahre-feeling kam gut rüber (soweit ich das aus 1976 geborene beurteilen kann).
meiner meinung nach war der film aber zu emotional, zu sehr darauf bedacht, mitleid zu erregen. und irgendwie sind aus den mitgliedern der baader-meinhof-gruppe nun doch märtyrer geworden.
auch hätte ich mir mehr hintergrundinfos zu den einzelnen akteuren gewünscht, also was genau deren motivation war bzw. woher dieses gekommen ist. aber das wäre wahrscheinlich für 2 stunden film zuviel material geworden.
Das ist die Frage die sich neben Andreas Baader und Ulrike Meinhof damals - heute wohl Bernd Eichinger und Ulli Edel stellen müssen - dieser Film eher nicht. Die Idee brillant, die Umsetzung nicht gut genug. Trotz hervorragender schauspielersicherer Besetzung gelingt es diesem, in das Genre der Berichterstattung gezwungenen Film nicht, aus sich heraus zu kommen. Strickt wird das eine Ziel verfolgt: berichten! Hätte man den einzelnen Charakteren die Möglichkeit gegeben, etwas mehr über sich und Ihr Leben Preis zu geben, hätte man Sie etwas tiefer und nicht nur "mit Bleistift" gezeichnet, würde der Film einen kräftigeren Eindruck hinterlassen. Ganz klar sagen muss man jedoch, dass der Film seine Aufgabe zu "berichten" gut erfüllt. Gut verträglich werden dem Zuschauer die harten Fakten präsentiert. Im Großen und Ganzen kein schlechter Film, aus dem aber mehr hätte werden können.
Gut gelungene Verfilmung der damaligen Ereignisse. Besonders die charakterliche Veränderung Ulrike Meinhofs, die mit der Zeit eine immer radikalere Haltung einnimmt und sich somit von einer Frau, die auf die Ungerechtigkeit in der Welt hinweisen will, zu einer Symphatisantin von Terroranschlägen und Gewalt auf Unschuldige wandelt. Der Film bringt das ursprüngliche Motiv der damaligen RAF gut rüber, man kann einzelne Grundideen nachvollziehen und so verstehen wie es zur der ausbrechenenden Gewalt kommen konnte. Die Zusammenwirkung von, zumindest kommt es so rüber, "gutherzigen" Menschen wie Ulrike Meinhof und Andreas Baader, der ganz klar nur einen Grund für seine terroristischen Vorhaben und Vorlieben sucht, erschafft einen gefährlichen Zusammenhalt, der viele Menschen unterschiedlicher Meinungen, jedoch mit der selben Grundidee einer "fairen Welt", zu einer gewaltverherrlichenden Gruppierung formt. Anfangs moralische Werte werden für das höhergestellte Ziel als Opfer gesehen. "Wirft man einen einzelnen Stein, ist es eine Straftat; wirft man jedoch 100 Steine ist es eine politische Botschaft" - Dies sind die Worte an denen man den anstehenden Wandel Ulrike Meinhofs festmachen könnte.
Anfangs mag der Eine oder Andere eventuell die Werte der RAF sogar gutheißen, im späteren Verlauf merkt man jedoch, dass die Gruppe unmögliche Gewalt verübt. Man muss sich nach diesen Bildern fragen, ob solche Mittel wirklich den Zweck billigen können. Es hat den Anschein, als würde es nach einer Zeit nur noch um den symbolischen Tod von Politikern, Polizisten und anderen Repräsentanten des Staates gehen und nicht mehr um die Befreiung Vietnams von dem Imperialismus der USA.
Schauspielerische Leistungen könnten kaum besser sein und Moritz Bleibtreu geht in der Rolle komplett auf, sehr authentisch gespielt! Besser, als ich es erwartet hätte, jedoch nicht unten den besten deutschen Filmen - Einmal anschauen lohnt sich aber definitiv.