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    Die Anonymen Romantiker
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Die Anonymen Romantiker
    Von Christian Horn
    Nur zwei Wochen nach dem Kinostart von „Nichts zu verzollen" am 28. Juli ist Benoît Poelvoorde mit „Die anonymen Romantiker" in einer weiteren Komödie in den deutschen Kinos zu sehen – in beiden Filmen übernimmt der gefragte Komödienstar eine Hauptrolle, in beiden Fällen dient sein zugkräftiger Name der Vermarktung. In „Die anonymen Romantiker" verlässt sich Regisseur Jean-Pierre Améris („In schlechter Gesellschaft") ganz besonders auf Poelvoorde und dessen Leinwandpartnerin Isabelle Carré („Rückkehr ans Meer"), denn im Grunde ist der Film ein Zweipersonenstück, das ganz ohne die Actionszenen und Ausstattungsschauwerte von „Nichts zu verzollen" auskommt. Im Großen und Ganzen geht die Rechnung des Regisseurs auf – ein paar mehr Humor-Highlights hätten der recht unspektakulären Mainstream-Romantikkomödie aus Frankreich trotzdem gut getan.

    Jean-René Van Den Hugde (Benoît Poelvoorde) besitzt eine kleine Schokoladenfabrik, deren Verkauf von selbst kreierten Pralinen ins Stocken gerät. Um frischen Wind in sein Geschäft zu bringen, stellt Van Den Hugde Angélique (Isabelle Carré) als neue Vertriebsleiterin ein, doch auch die junge Dame hat keinen Erfolg beim Verkauf – die Kreationen aus dem Hause Van Den Hudge sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Ein weiteres Problem ergibt sich, als der Chef und seine neue Angestellte ihre romantischen Gefühle füreinander entdecken. Während Van Den Hugde außerordentlich schüchtern ist und beim Kontakt mit dem anderen Geschlecht arg ins Schwitzen gerät, zählt Angélique zu der Gruppe der Hochsensiblen, was gelegentliche Nervenzusammenbrüche und Ohnmachtsanfälle zur Folge hat. Bei den Dates der beiden sind Chaos und Panik also vorprogrammiert...

    Die von Benoît Poelvoorde und Isabelle Carré gespielten Hauptfiguren stellen zu jeder Zeit das Zentrum des mit 80 Minuten Laufzeit sehr kurzen Films dar, während die wenigen Nebenfiguren Randerscheinungen bleiben. Auch die wirtschaftliche Notlage der Schokoladenfabrik löst sich alsbald in Wohlgefallen auf, als sich Angélique als wahre Meisterin im Erfinden neuer und aufregender Pralinen entpuppt – hier avanciert „Die anonymen Romantiker" zeitweise zu einer Verwechslungskomödie, da Angélique ihr Können vor den Kollegen verheimlicht und die Rezepte angeblich via Skype von einem in den Bergen lebenden Spitzen-Chocolatier erhält. Angéliques Motivation für diese Geheimniskrämerei ist ihrer hochsensiblen Art geschuldet: Dem Druck, erfolgreiche Pralinen zu entwerfen, könnte sie nicht standhalten.

    Zur labilen Angélique gesellt sich nun der sozial verkrampfte Van Den Hugde und Regisseur Jean-Pierre Améris lenkt den Fokus auf die eigentümlichen Sozialphobien seiner beiden Hauptfiguren. Dass Poelvoorde und Carré hervorragend miteinander harmonieren und ihre spleenigen Figuren charmant ausspielen, ist die Vorbedingung für das Gelingen des Films – es ist vor allem die Leinwandpräsenz der beiden Hauptdarsteller, die den Film und dessen Humor auszeichnet.

    Inszenatorisch fällt „Die anonymen Romantiker" mit nostalgischer Musik, theatralischen Figuren und einem gesetzten, klaren Erzählstil bemerkenswert altmodisch aus. Das Setting und die Handlungsmuster der Figuren scheinen wie aus der Zeit gefallen – zeitweise wähnt man sich gar in einem französischen Film aus den Fünfzigern. Lacher entstehen hier durch zeitlich gut abgestimmte Situationskomik, wobei die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren den Dreh- und Angelpunkt markiert. So wird „Die anonymen Romantiker" zu einer leichten und sympathischen, dabei bloß etwas zu harmlosen Komödie.
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