Der brutalste, aber nicht der beste Teil der Reihe
Von Stefan GeislerImmer und immer wieder kracht die Spülmaschinentür auf den Schädel: In einer der heftigsten Szenen von „Evil Dead Burn“ wird mit insgesamt 24 Schlägen der Kopf eines Deadites zu Brei gehauen – und die meisten davon werden in aller Rohheit gezeigt. Dass diese Szene sogar noch entschärft wurde, um in Amerika zumindest noch ein R-Rating zu bekommen, ist dabei kaum zu glauben – denn auch so ist das schon extrem harter Tobak. Für diesen radikalen Moment zeichnet der französische Filmemacher Sébastien Vaniček verantwortlich, der zuvor bereits mit „Spiders – Ihr Biss ist der Tod“ (2023) unter Beweis gestellt hatte, dass er zu den aktuell spannendsten europäischen Genre-Regisseuren gehört.
Und tatsächlich kann Vaniček dem sechsten Kinofilm der Reihe durchaus seinen Stempel aufdrücken. Nach dem eher leicht verdaulichen, aber herrlich durchgeknallten „Evil Dead Rise“ (2023) wird es in „Evil Dead Burn“ wieder richtig schmerzhaft – und ziemlich ernst. Doch die Geschichte um häusliche Gewalt und missbräuchliche Familienstrukturen erweist sich stellenweise eher als Klotz am Bein, der das Terror-Spektakel kräftig ausbremst. Auch wenn der eine oder andere Schlag in die Magengrube sitzt und beim Publikum langfristig nachhallen wird, verfällt der neueste Franchise-Eintrag leider nie vollends dem irrwitzig-hemmungslosen Wahnsinn, der viele seiner Vorgänger ausgezeichnet hat.
Sony Pictures
Will (George Pullar) und Alice (Souheila Yacoub) wirken nach außen wie ein glückliches Paar. Doch der schöne Schein trügt. Hinter verschlossenen Türen kommt es immer wieder zu unschönen Szenen. Als Will nach einem Streit bei einem schweren Autounfall ums Leben kommt, ist Alice mit ihren Gefühlen komplett überfordert. Bei der Beerdigung trifft sie erstmals auch wieder auf ihre Schwiegereltern Susan (Tandi Wright) und Edgar (Erroll Shand). Die anschließende Trauerfeier soll auf dem abgelegenen Hof der Familie stattfinden.
Auf diesem lebt Wills Bruder Joseph (Hunter Doohan) mit seiner Freundin Thya (Luciane Buchanan) und seiner Großmutter Polly (Maude Davey). Der erfolglose Autor hat sich hierhin zurückgezogen, um an einem neuen Roman zu schreiben. Als Grundlage dafür dienen uralte und äußerst kryptische Aufzeichnungen seines Opas – und ein geheimnisvolles Buch, in dem merkwürdige Rituale niedergeschrieben sind. Niemand ahnt, dass Joseph dadurch Mächte heraufbeschworen hat, die schon bald das Leben aller Hinterbliebenen zur Hölle machen.
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Wie schon „Evil Dead Rise“ beginnt „Evil Dead Burn“ mit einem seltsam abgekapselten Prolog am See, der zwar nur wenig zur Handlung beiträgt, jedoch bereits die Marschroute in Sachen Härte vorgibt, wenn zwei unschuldige Fischer unfreiwillig in Kontakt mit einem Deadite kommen – und einer der beiden schließlich sogar bei lebendigem Leibe gekocht wird. Und auch eine andere Sache wird sofort offensichtlich: der neue Look.
Das „Tanz der Teufel“-Franchise (so der deutsche Name der Horror-Reihe) stand in der Vergangenheit für gesättigte, kontrastreiche Bilder, die besonders die Erd- und Bluttöne so richtig zum Vorschein brachten. Dadurch wirkte die inszenierte Welt nicht nur angenehm lebendig, gerade die blutigen Szenen kamen so auch richtig zur Geltung. Anders bei „Evil Dead Burn“ von Sébastien Vaniček, der fast jegliches Leben aus seinen Aufnahmen zieht. Grau und freudlos zeichnet er seine Schreckenskreation. Das mag zwar ästhetisch erst einmal etwas gewöhnungsbedürftig sein, ist aber eine visuell durchaus nachvollziehbare Entscheidung, die ein besseres Einfühlen in Alices depressive Lebens- und Gedankenwelt zulässt.
Ohnehin ist „Evil Dead Burn“ deutlich schwerer als seine Vorgänger. Die Reihe lebte schon immer von dem Zusammenspiel aus Humor und Gewalt. Das überzeichnete Mienenspiel von B-Movie-König Bruce Campbell, Sam Raimis herrlich absurde Slapstick-Einlagen und die comichaft übertriebenen Gewaltspitzen verliehen jedem „Tanz der Teufel“-Film eine ganz eigene Absurdität. Vereint wurden all diese Teile durch den extrem zynischen Witz der Deadites, die einfach eine Höllenfreude daran hatten, ihre Opfer zu quälen und zu verhöhnen. Sébastien Vaniček reduziert die humoristischen Momente auf ein absolutes Minimum. Zwar gibt es einige Gags – insbesondere Oma Polly bekommt so manchen Lacher zugeschrieben –, doch gerade die Gewaltausbrüche erweisen sich als knallharte Belastungsprobe ohne ironische Überhöhung.
Wenn hier Hunde mit Gabeln erstochen, Gesichter mit Spülmaschinentüren bearbeitet oder Stifte durch Trommelfelle getrieben werden, dann tut das in erster Linie einfach weh. Die Deadites erweisen sich diesmal als rabiate, wenn auch wenig bitterbös-sadistische Gesellen. War Alyssa Sutherland in „Evil Dead Rise“ als „Mommy“ Ellie mit ihren fiesen Sprüchen noch ein echtes Highlight, gehen die garstigen Zeitgenossen hier lieber direkt in die Vollen. In dieser kompromisslosen Darstellung von Gewalt erinnert „Evil Dead Burn“ viel stärker an die Bewegung der französischen Härte Anfang der 2000er-Jahre. Mit extremen Filmen wie „High Tension“, „Martyrs“, „Irreversibel“ und „Frontier(s)“ reizten junge Filmemacher die Grenzen des Zeigbaren aus.
Das ist geradezu beeindruckend drastisch. Es führt jedoch auch dazu, dass „Evil Dead Burn“ einen Teil seiner Kernidentität einbüßt. Vielleicht auch, weil diese Gewaltausbrüche nicht auf ein vollkommen enthemmtes Finale hinarbeiten, das in Blut und Wahnsinn getränkt ist, sondern merkwürdig isoliert für sich stehen – denn so richtig Fahrt nimmt der neueste Teil der Schocker-Reihe nie auf. Wiederholt wird die Tour de Force durch das mäßig spannende Familiendrama unterbrochen, was dem Publikum nicht nur Zeit zum Durchschnaufen gibt, sondern sich stellenweise auch äußerst deplatziert anfühlt. Wenn nach einem brutalen Gewaltakt die demenzkranke Oma erst einmal in aller Ruhe ins Bett gebracht und ihr dabei noch versichert wird, dass sie jetzt in Sicherheit sei, dann wirkt das sogar fast ein bisschen komisch.
Wie durchweg großartig „Evil Dead Burn“ hätte werden können, zeigt Sébastien Vaniček übrigens mit einem phänomenalen One-Shot, in dem ein Deadite das gesamte Haus auseinandernimmt, während sich Alice in Sicherheit robbt. Hier kracht und rummst es gewaltig, und man weiß gar nicht, wohin der Blick zuerst wandern soll. Das ist nicht nur starkes Terror-Kino, sondern sogar eine der besten Szenen der gesamten Reihe. Schade, dass es nicht mehr solcher intensiven Momente in den Film geschafft haben.
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Leider fällt auch das Finale erstaunlich unterhaltungsarm und kraftlos aus. Statt sich mit einem radikalen Knall zu verabschieden, gibt es hier unausgereifte CGI-Effekte, die Alices finaler Konfrontation jegliche Bedrohlichkeit nehmen. Da hilft es auch nicht, dass sich der gewählte Schauplatz für den Endkampf mit einer Baustelle zudem schrecklich beliebig anfühlt – und in leicht abgewandelter Form so wohl problemlos Platz in einem generischen Action-Kracher gefunden hätte. Und so bleibt man am Ende trotz einiger erinnerungswürdiger Momente etwas ratlos zurück. Vielleicht ist „Evil Dead Burn“ mit einer Laufzeit von 111 Minuten auch schlichtweg zu lang geraten? Einige Kürzungen hätten dem Schocker sicher gutgetan – und ihm die benötigte zusätzliche Intensität verliehen.
Fazit: In „Evil Dead Burn“ liegen Licht und Schatten dicht beieinander. Sébastien Vaniček inszeniert zwar den brutalsten Teil der Reihe, scheitert aber daran, seinem Schocker die Franchise-DNA wirklich einzuimpfen. Dennoch dürfen sich Horror-Heads auf einige fiese Kills und einen der besten „Evil Dead“-Momente überhaupt freuen.
PS: Sitzenbleiben lohnt sich hier übrigens gleich doppelt, denn „Evil Dead Burn“ hält für geduldige Zuschauer*innen gleich zwei Szenen nach dem Abspann bereit.