Markus Rosenmüller versteht sich auf anspruchsvolle "Heimatfilme", die er in vielen Genres zelebrieren kann. Räuber Kneißl ist, bei aller dramaturgischer Zuspitzung und und mancher Stilisierung, die ein guter Film auch braucht, ein hervorragend gelungener Annäherungsversuch an einen historischen Stoff, der wirklich als gelungen betrachtet werden kann. Das ist alles andere als selbstverständlich. Einen historischen Stoff halbwegs authentisch auf die Leinwand zu bringen erfordert echtes Engagement. Die Ausstattung und die gewählte Szenerie zeugt von Liebe zum Detail. Die Schauspieler sind treffsicher ausgewählt und spielen überzeugend. Die Atmosphäre ländlichen Lebens im Bayern des deutschen Kaiserreichs wird überzeugend eingefangen. Unterschiedliche Wertbegriffe in verschiedenen sozialen Milieus sind ausgezeichnet kontrastiert mit einem Fokus auf das klsssiche Räuber und Gendarm-Motiv: Rebellische, freiheitliche Gesinnung gegen stures Obrigkeitsdenken. Die Charaktere sind hervorragend geschildert und ihre Motive nachvollziehbar. Auch wenn nicht alle Taten der Protagonisten zu rechtfertigen sind, bleiben sie sympathisch und in ihrem Handeln verständlich. Viele Personen schillern ambivalent, mit Ihren Stärken und Schwächen. Kneißl ist kein Superheld, sondern ein Mensch dessen Trickreichtum und Überlebensfähigkeit aus dem Mut der Verzweiflung geboren sind. Diese Verzweiflung steht ihm oft ins Gesicht geschrieben, ebenso wie ein unbändiger Wille zu Leben und das Leben zu genießen. Ausgezeichnet gespielt sind nicht nur die "Helden", auch Figuren wie der Dorfpfarrer und der Gendarm "Förtsch". Sehr realistisch geschildert sind auch die Konfrontationen mit der Obrigkeit und die Schußwechsel. Hier hebt sich der Film wohltuend von platter Action mit kaltschnäuzigen Protagonisten ab und schildert ungleich realistischer von Gefühlen bestimmte Menschen: Sie haben die Situation keineswegs immer unter Kontrolle und spüren die Ungewißheit darüber wie alles ausgehen wird. Sie versuchen so gut als gerade mögich Ihren Rollen oder ihrem Selbstverständnis mit mehr oder weniger Geschick und Glück gerecht zu werden.
Die Bezeichung "Unübertrefflich" für die Wertung 10 scheint mir eigentlich für jeden Film zu hoch gegriffen. Deshalb "nur" 9 Punkte: Hervorragend.