Oha, da kredenzt uns Nicolas Winding Refn aber ein ganz besonderes Biopic. Die Geschichte von Michael Petersen und sein Ruf als der “gefährlichste Gefangene Großbritanniens” war mir bisher gar nicht bekannt, ich habe da jetzt auch nicht weiter recherchiert, also kann ich nicht beurteilen, wie nah der Film an der Wahrheit bleibt. Aber das ist wahrscheinlich auch irgendwie egal, denn die Inszenierung ist streckenweise so surreal und überdreht, dass schnell deutlich wird, dass es dem Regisseur weniger um historische Akkuratesse als um explizite Schockeffekte geht.
Tom Hardy tritt hier mit beeindruckender Körperlichkeit und einem entsprechend gestähltem Körper auf, seine Gewaltausbrüche sind so vehement und unmittelbar, wie sie abrupt kommen. Dabei wird auch immer wieder klar, dass Charlie Bronson mit seinen Aggressionen kein bestimmtes Ziel verfolgt oder irgendein Statement damit setzen will. Zwar geht es ihm zu Beginn zumindest zum Teil noch um Aufmerksamkeit (“Ich wollte schon immer berühmt sein!”), verliert er diesen Aspekt zunehmend aus den Augen und zelebriert die Gewalt ausschließlich um der Gewalt willen. In einer denkwürdigen Szene nimmt er einen Wachmann als Geisel, weiß dann aber gar nicht, welche Forderungen er denn überhaupt stellen soll. Am Ende geht’s ihm ja wieder nur um die Rauferei mit den anderen Wachleuten.
In den Szenen in der Psychiatrie werden natürlich wieder die üblichen Psychiatrie-Klischees abgeklappert: Maximal Sedierung statt sinnvoller pharmakologischer Therapie, Patienten, die entweder zombieartig durch den Gang schleichen oder kindlich-debil irgendeinen sinnfreien Quatsch machen, gewaltbereite Pfleger und gleichzeitig laxe Sicherheitsmaßnahmen. Selbst wenn Ende der 1970er Jahre die Zustände in den psychiatrischen Kliniken sicher nicht mit den heutigen zu vergleichen sind, so war man dennoch schon deutlich weiter, als es die Darstellung hier vermuten lässt. Egal, dem Film kommt es zugute, die Szenerie ist in sich stimmig.
Tom Hardy, hier noch ziemlich zu Beginn seiner Karriere, ist die ideal Besetzung für Bronson. Mit beeindruckenden Muskelpaketen hat er aber auch durch sein starkes Charisma die entsprechende, notwendige Präsenz, um diese Figur zu verkörpern. Dabei schrammt sein Schauspiel immer eng am Wahnsinn entlang und bewegt sich mehr als einmal auch darüber hinaus. Sehenswert, weniger wegen der Geschichte, sondern hauptsächlich wegen Tom Hardy!