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    Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle
    Von Carsten Baumgardt
    Durch launige Italo-Western sind die legendären Prügelknaben Bud Spencer und Terence Hill zu Weltruhm gelangt. Doch Anfang der Siebzigerjahre ging dem Genre spürbar die Luft aus – was das kongeniale Duo rechtzeitig erkannte und 1972 zu einem seiner größten Kassenerfolge nutzte. Unter der Regie von Giuseppe Colizzi wagten Spencer und Hill etwas Neues und kalauerten sich in der Abenteuer-Komödie „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ erfolgreich durch die exotische Wildnis Südamerikas.

    Die Piloten Salud (Bud Spencer) und Plata (Terence Hill) schlagen sich in Südamerika als Tagediebe durchs Leben. Im Auftrag von Saluds Bruder (Alexander Allerson) lässt das Duo schrottreife Flugzeuge abstürzen, um die Versicherungsprämien zu kassieren. Ihr aktueller Auftrag geht jedoch gehörig schief. Salud und Plata müssen gar nicht simulieren, ihr Flugzeug lässt sie tatsächlich im Stich und zwingt sie, mitten im Dschungel notzulanden. Nach einem Monat des Herumirrens stoßen die Bruchpiloten auf eine Kolonie von Diamantschürfern. Alles tanzt nach der Pfeife von Mr. Ears (René Kolldehoff), der sich hier mit ausbeuterischen Methoden zu Reichtum scheffelt. Sie freunden sich mit dem Einsiedler Matto (Cyril Cusack) an und kommen bei ihm unter. Salud und Plata machen einen alten Doppeldecker wieder flott und ziehen ihren eigenen Laden auf. Sie beliefern die Schürfer mit Waren, die sie aus der Stadt einfliegen. Das stinkt Mr. Ears ganz gewaltig. Er hetzt seine Schläger auf Salud und Plata…

    „Wenn die Versicherungsfritzen das rauskriegen, gehen wir für acht Sonntage in den Knast – aber Totensonntage.“ – Plata

    Wer heutzutage noch weiß, was eine „Dunstkiepe“ oder eine „Ansichtskarte aus Solingen“ ist, wer mit „einem Satz heißer Ohren“, „sich etwas hinter die Kiemen schieben“ oder „jemandem mit dem Vorschlaghammer einen Scheitel ziehen“ etwas anfangen kann, hat seine Kindheit offensichtlich mit Filmen von Bud Spencer und Terence Hill verbracht. Die obigen Zitate sind allesamt aus „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, der mit rund 6,4 Millionen Besuchern allein in Deutschland zu den Superhits des Prügelpaars zählt. Das Erfolgsrezept der Spencer/Hill-Filme (Zwei sind nicht zu bremsen, Zwei Asse trumpfen auf) hat sich nie entscheidend geändert. Das Duo kloppt sich durch eine dünne, kaum wahrnehmbare Story und reißt einen dummen Spruch nach dem anderen. Spencer ist der knurrige, einfach gestrickte Dicke, Hill das raffinierte Schlitzohr.

    Natürlich funktioniert auch „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ nach diesem Muster. Hinzu kommt noch der Schauplatz südamerikanischer Dschungel, der exotische Abwechslung zu den staubigen Weiten der Italo-Western bietet. Neben den üblichen Kneipenschlägereien gibt es spaßige Flugeinlagen, die an Disneys Quack, den Bruchpiloten, erinnern, sowie eine schräge Billardpartie, in der der Wahnsinn endgültig kokett von der Leine gelassen wird. Die zur Schau gestellte Lässigkeit von Spencer und Hill ist ein Ereignis. Gleich in der ersten Szene fliegt Salud gemütlich eine gefährlich rauchende Schrottmühle Richtung Flughafen, tut dabei aber so, als sei ein Flugzeugabsturz die natürlichste Sache der Welt. Getoppt wird Spencers Coolness nur noch von Hill, der sich nach einem Nickerchen bei seinem Partner erkundigt, ob das Triebwerk noch brenne…

    „Von meiner Blutprobe können die Bullen ein Betriebsfest machen.“ – Salud

    Der 1978 verstorbene Giuseppe Colizzi („Zwei vom Affen gebissen“, „Vier für ein Ave Maria“, „Zwei hau’n auf den Putz“) wählt in seinem vierten und letzten Film mit Bud Spencer und Terence Hill einen feinen Winkelzug. Da ein roter Faden fehlt, nutzt der Regisseur und Co-Autor einfach Oliver Onions‘ „Flying through the air“ als eine Art Storyersatz. Er bringt den Ohrwurm immer und immer wieder, um gute Laune zu verbreiten, was speziell im ultralässigen Prolog hervorragend gelingt. So werden Unebenheiten der Handlung ganz leger begradigt.

    Die Sprüche sind in der deutschen Version noch lustiger als im Original. Das liegt wieder einmal an der Dialogregie von Synchro-Papst Rainer Brandt, der zum Beispiel auch die deutschen Fassungen von „Die Zwei“ und „Ein Käfig voller Helden“ zu Highlights machte. Im Verbund mit den Stamm-Stimmen von Terence Hill (Thomas Danneberg) und Bud Spencer (Wolfgang Hess) wird so aus „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ eine ausgelassene Gagparade, die sich einen Dreck um Anspruch schert und dafür doppelt Spaß macht. Allerdings hält sich der Klamaukgrad, vor allem im Vergleich mit späteren Werken, noch im mittleren Niveau. Stattdessen bietet die Komödie etwas sehr Rares: einen kleinen, ehrlich melancholischen Moment, nämlich wenn Salud und Plata mit Matto auf San Salvador zufliegen und ihr Kumpel vor lauter Seligkeit sanft entschläft.

    Fazit: Mit „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ läuteten Bud Spencer und Terence Hill das (vorläufige) Ende ihrer Italo-Western-Zeit ein und legten den Grundstein für eine Erfolgsserie, die sich bis in die Mitte der Achtzigerjahre fortsetzte.
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