Ab durch die Mitte - Mit Vollgas durch Paris
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Ab durch die Mitte - Mit Vollgas durch Paris

Halbwegs unterhaltsamer Städtetrip mit vielen Gags und wenig Pep

Von Gaby Sikorski

Buddy-Filme zeichnen sich durch die Gegensätze der Hauptfiguren aus, die gar nicht groß genug sein können. Im französischen Kino gibt es da etwa den Klassiker „Die Filzlaus“, in dem ein ständig quasselnder Selbstmordkandidat auf einen einsilbigen Profikiller trifft. „Ab durch die Mitte – Mit Vollgas durch Paris“ erinnert tatsächlich ein wenig an die rabenschwarze Komödie mit Lino Ventura und Jacques Brel. Jedoch kann die eher schlappe Großstadt-Krimi-Posse mit ihrer meist uneleganten Situationskomik und einem alles andere als souverän konstruierten Plot leider nicht mal im Ansatz mit dem großen Vorbild Schritt halten. Das liegt keinesfalls an dem gewieften Komödien-Haudegen Christian Clavier („Monsieur Claude“), der in der Hauptrolle des schlitzohrigen Hippolyte – einem ehemaligen Tresorknacker, der in die Schlüsseldienst-Branche gewechselt ist – einmal mehr sein beachtliches komödiantisches Repertoire ausspielen darf.

Hippolytes Buddy ist Stan (Rayane Bensetti), ein karrieregeiler Streber Mitte 30, der als Ingenieur in einem global tätigen Bauunternehmen alles versucht, um sich nach oben zu schleimen. Dabei schreckt er auch nicht davor zurück, sich zum Lakaien seines skrupellosen Chefs Richard (Gilles Cohen) zu machen, der ihm die lang erwartete Beförderung versprochen hat. Als Richard sein Wort bricht, dreht Stan durch und stiehlt im Affekt eine Tasche mit einer Million Euro aus dem Tresor der Geschäftsleitung. Dabei handelt es sich um Schmiergeld im Zusammenhang mit dem Bau eines Flughafens in Zentralasien. Gemeinsam mit seiner Freundin Marine (Claire Chust) will er dank der Beute ein neues Leben beginnen. Doch kurz darauf erfährt er, dass er nun doch den ersehnten Job bekommen soll und dass sein Chef die Tasche mit dem Geld am nächsten Morgen selbst übergeben will. Das Geld muss also wieder zurück in den Tresor. Nur leider hat der wütende Stan den Tresorschlüssel in den Müll geworfen. Wie gut, dass er zufällig Hippolyte vom Schlüsseldienst „Der Schlüssel zum Glück“ kennengelernt hat …

Das ist der Ex-Safeknacker Hippolyte (Christian Clavier) nicht gewöhnt: Zum ersten Mal soll er einen Tresor öffnen, um Geld hineinzulegen! Happy Entertainment
Das ist der Ex-Safeknacker Hippolyte (Christian Clavier) nicht gewöhnt: Zum ersten Mal soll er einen Tresor öffnen, um Geld hineinzulegen!

Die Handlung ist temporeich inszeniert, auch wenn die Entwicklung immer unübersichtlicher wird. Immerhin stimmt die Ausgangssituation: Oberschicht gegen Unterschicht, Loser gegen Gewinner – und dann noch mächtiger Zeitdruck. Diese Kombination könnte auch hier funktionieren, zieht aber bedauerlicherweise nur begrenzt, denn Rayane Bensetti fungiert lediglich als Stichwortgeber für seinen Kollegen Christian Clavier, dem er beinahe nichts entgegensetzen kann oder darf. Hier schwächelt das Drehbuch in auffälliger Weise und verspielt eine Menge Möglichkeiten. Stan ist und bleibt eine ziemlich uninteressante Figur, einer von diesen glatten Jung-Managern, ein Wischiwaschi-Mann ohne Eigenschaften mit wenig Profil – aber immerhin stets gut gekleidet.

Stattdessen hätte der Gegenspieler des großen Clavier ein richtig eitler Fatzke werden können oder wenigstens ein kapitalismushöriger Großkotz bzw. ein verschüchterter, pedantischer Buchhalter. Die schicke Garderobe und ein perfektes Styling reichen jedenfalls bei Weitem nicht aus, um sich gegen Christian Claviers komische Urgewalt zu behaupten.

Die Crux mit dem Koffer

Während die Anfangssequenzen von „Die Filzlaus“ zwei unabhängige Szenarien inklusive unterschiedlicher Soundtracks für die beiden Hauptfiguren schaffen und sie mit einfachen Mitteln als originelle Charaktere etablieren, fällt Regisseur Grégoire Vigneron lediglich ein, Stan und seine diversen Probleme mit dem Geldkoffer vorzustellen. Leider wird Stan dadurch nicht interessanter – und das ganze Hin und Her mit dem Koffer wirkt nicht nur übertrieben, sondern ist auch sattsam bekannt, denn eigentlich ist der Koffer nur ein sogenannter „MacGuffin“ – ein Requisit, das die Handlung vorantreibt, dessen Inhalt aber im Grunde bedeutungslos ist.

Auch ein abschließender Twist in Richtung Zeitgeist und Wokeness bringt da wenig – und wirkt letztlich ebenso überflüssig wie brav. Stans prägnantestes Merkmal scheint aber zu sein, dass man ständig um seine schön gegelte Frisur fürchten muss, weil er mächtig durch die Gegend geschubst wird.

Rayane Bensetti bekommt gar keine wirkliche Chance, mit Christian Clavier auf humoristischer Augenhöhe zu agieren! Happy Entertainment
Rayane Bensetti bekommt gar keine wirkliche Chance, mit Christian Clavier auf humoristischer Augenhöhe zu agieren!

So ungeschickt die zweite Hauptfigur konstruiert ist, so gut sind die Nebenrollen besetzt: Claire Chust ist Stans fürchterlich anspruchsvolle, hysterisch hektische und übertrieben sozial engagierte Freundin Marine – und Gilles Cohen spielt Stans Chef als eiskalten, immer leicht bedrohlichen Unsympathen. Zur allseitigen Erheiterung gibt es noch den Auftritt von Hippolytes Mama, einer KI-unterstützten Figur, die eine flagrante Ähnlichkeit mit Hippolyte aufweist – einschließlich dessen sehr unglaubwürdiger Urlaubsbräune.

Fazit: Eine Buddy-Komödie lebt vom Zusammenspiel der möglichst unterschiedlichen Hauptfiguren – aber in „Ab durch die Mitte“ überzeugt nur Christian Clavier, während sein schön frisiertes Gegenüber Rayane Bensetti erschreckend blass bleibt.

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