Sinnlose und substanzlose Fortsetzung!
Als Regisseur für TV-Serien wie „LOST“, „Mad Men“ oder auch „Game Of Thrones“ hat sich Alan Taylor einen Namen gemacht. Nun löste er Kenneth Branagh als Regisseur für den zweiten „Thor“-Film ab. Wie auch „Iron Man 3“ und „Captain America 2 – The Winter Soldier“, bekam auch der Donnergott wieder einen neuen Regisseur spendiert, Marvel hats wohl nicht so mit Kontinuität, nur Jon Favreau („Iron Man 1 + 2“) und Joss Whedon („The Avengers“ und „Age Of Ultron“) durften bis dato zwei Marvel-Filme hintereinander drehen. Wie auch immer: „Thor – The Dark Kingdom“ sollte dem Donnergott etwas mehr Tiefe geben und die Geschichte um Thor mit mehr Dramatik und Action ausstatten. Doch leider ist das nicht ganz gelungen… „Thor 2“ war nicht ohne Grund für viele Fans der schwächste Marvel-Film bis dato. Und auch heute, über zehn Jahre später, ist die Fortsetzung erstaunlich seelenlos!
Zwei Jahre sind nach Thors Abschied von Jane vergangen. Zwar war er zwischenzeitlich in New York, um seinen Avengers-Freunden zu helfen, aber jetzt kehrt er zurück, denn Jane kam in Kontakt mit einer tödlichen Superwaffe, dem sogenannten Äther. Hinter dieser Waffe sind viele Feinde her, einer von ihnen kämpfte mit Thors Großvater um den Äther, nun ist der böse Malekith wieder da und will sich das mächtige Relikt unter den Nagel reißen…
Die Geschichte hat deutlich mehr Schwung und Tempo, als der erste Teil. Das ist oftmals auch gut und macht Spaß, gerade die Actionszenen. Doch „Thor 2“ fehlt leider viel Substanz und Würze wenn es nur um die Charaktere geht. Thor selbst ist Thor, nicht mehr, nicht weniger. Sein Bruder Loki bekommt glücklicherweise wieder eine wichtige Rolle im Film, die auch Sinn ergibt im Universum und in Bezug auf die Ereignisse von „The Avengers“. Doch viele andere Figuren sind leider so flach und substanzlos, wie im ersten Teil. Damals war das noch ok, als Einführung für Thor und seine Geschichte, doch hier wäre die Möglichkeit den Cast etwas mehr Tiefe zu geben. Aber nope. Jane wird quasi wichtig „gemacht“, weil sie mit dem Äther in Kontakt kommt, ist aber ansonsten nutzlos, ebenso wie ihre Freundin und leider auch Stellan Skarsgård´s Figur, die viel zu albern dargestellt wird, wie ich finde. Anthony Hopkins bekommt ebenso keinen Raum, um sich weiter zu entwickeln, Thors Kumpel-Krieger sind wieder nur da und Malekith ist einer der langweiligsten Bösewichte der Marvel-Reihe!
Schuld daran ist das unfassbar einfallslose und schwache Drehbuch! Es fehlt an Emotionen und vor allem wird alles nur erzählt, statt es zu zeigen (ein absolutes No Go, wenn es um gute Scripte geht). Auch die Darsteller*innen enttäuschen fast durchweg. Nahezu jeder ist hier, um sich seinen (sicherlich hohen) Lohn abzuholen. Doch wirkliche Leidenschaft erkenne ich bei niemandem, außer Tom Hiddelston. Der gibt seiner Figur wieder Charme und Biss und ist ohne Zweifel die beste und auch einzige Figur im Thor-Universum, die einem nicht egal ist.
Auch unschön sind die sehr groben Logiklöcher im Film, gerade gegen Ende. Das Finale ist zwar ganz unterhaltsam, aber plötzlich endet der Film einfach und schmeißt einige Story-Entwicklungen einfach über Bord. Der Humor funktioniert leider ebenfalls nur bedingt (mein Highlight ist ein sehr geiler Cameo-Auftritt!) und was noch viel schlimmer ist: Die ganze Geschichte fühlt sich am Ende wie eine riesige „Filler“-Folge in einer Serie an (für alle, die nicht wissen, was mit „Filler“ gemeint ist: Damit bezeichnet man oftmals in Serien eine Folge, die die Handlung nicht voran bringt, sondern eine unwichtige Nebengeschichte erzählt). Am Ende fragt man sich nämlich, was genau jetzt eigentlich so wichtig an dieser Geschichte war. Im Grunde geht es nur darum, dass wir von einem der Infinity-Steine erfahren und wo sich dieser am Ende des Films aufhält. Der Rest ist nahezu unwichtig und irrelevant.
Einer der besten Aspekte am Film sind in meinen Augen die soliden Actionszenen, die deutlich energetischer wirken, als noch im Vorgänger!
Was noch interessant ist zu erwähnen: Die Anspielungen auf "Star Wars" sind extrem hoch. Ob bewusst oder unbewusst, ich habe mich sehr oft an die legendären Sci-Fi-Filme erinnert gefühlt, vor allem die Prequels. Natalie Portman sieht auf Asgard extrem nach Amidala aus, die Raumschiffschlachten oder auch das Abtrennen von so manchen Gliedmaßen, vieles deutet auf eine Inspiration von George Lucas hin...
Kommen wir noch zur Musik von Brian Tyler: Dieser durfte mit „Iron Man 3“ schon einen tollen Score abliefern und auch hier hat er gute Arbeit geleistet und einen sehr soliden Actionsoundtrack komponiert, der im Film allerdings erschreckend oft untergeht.
Fazit: „Thor – The Dark Kingdom“ ist völlig zu Recht einer der schlechtesten MCU-Filme der ersten Jahre. Das hier ist das Niveau, das Marvel eigentlich erst nach „Endgame“ erreichte, aber es gab eben schon damals einige Nieten. Bis auf Loki und ein paar Actionmomente, ist dieser ganze Film absolut überflüssig und kann wirklich ohne Probleme übersprungen werden in der MCU-Reihe!