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    Rommel
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Rommel
    Von Andreas Günther
    Wenn es um das Dritte Reich geht, sind Film und Fernsehen in Sachen Erinnerungsarbeit ganz vorne dabei, schließlich stoßen entsprechende Themen meist auf reges Publikumsinteresse. Eine tiefgehende und ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte und mit den Lehren, die sich aus ihr ziehen lassen, findet dabei aber längst nicht immer statt. Auch in dem biografischen TV-Film „Rommel" von Regisseur und Autor Niki Stein („Tatort") spielen Fragen nach der Bedeutung des Gezeigten für die Gegenwart und Zukunft höchstens eine untergeordnete Rolle. Stein stößt in seiner Mischung aus Dokumentation und Fiktion zwar den Generalfeldmarschall Erwin Rommel vom Mythenpodest, Substantielles über Mentalität und Motive der Offiziere unter Hitler hat er aber nicht zu erzählen und dass bei aller vermeintlichen Akkuratesse im Detail das historische Ganze aus dem Blick verloren wird, macht den Film problematisch.

    März 1944, französische Atlantikküste: Generalfeldmarschall Erwin Rommel (Ulrich Tukur) gerät mit anderen Offizieren aneinander, als es um die beste Verteidigungsstrategie gegen eine eventuelle Invasion geht. Gleichzeitig versucht sein Stabschef, General Hans Speidel (Benjamin Sadler), ihn aufgrund der zunehmend aussichtslosen militärischen Lage und angesichts der Verbrechen an den Juden für den militärischen Widerstand gegen Hitler (Johannes Silberschneider) zu gewinnen. Rommel hingegen fühlt sich an seinen Eid gebunden, behält sein Wissen über die Umsturzpläne jedoch für sich. Nach der alliierten Landung in der Normandie im Juni will Rommel Hitler zu einem Separatfrieden mit Amerikanern und Engländern bewegen, doch der lehnt ab und degradiert ihn. Dann scheitert am 20. Juli 1944 Stauffenbergs Attentat auf Hitler. Im Herbst des Jahres erhält Erwin Rommel (Ulrich Tukur) auf seinem Anwesen in Herrlingen Besuch von zwei Generälen: Er wird der Komplizenschaft mit den Attentätern bezichtigt und vor die Alternative Schauprozess oder Selbstmord gestellt.

    „Rommel" lebt gänzlich vom Können Ulrich Tukurs („John Rabe", „Das weiße Band"). Mit kantigen, aber nicht zackigen Bewegungen und einer präzisen Mischung aus Dynamik und Steifheit spielt Tukur Rommel als fleißigen, bisweilen übereifrigen Technokraten. Geradezu krampfhaft hält dieser Disziplin-Fanatiker an seiner kleinbürgerlichen Sicht einer in Befehl und Gehorsam gegliederten Welt fest, nur selten lässt er sich zu kleinen menschlichen Gesten hinreißen. Tukurs Darstellung hebt sich wohltuend sowohl von der Rommel-Karikatur Erich von Stroheims in Billy Wilders „Fünf Gräber bis Kairo", als auch vom Porträt des „Wüstenfuchs" als heroischem Gentleman-Soldaten ab, als den ihn James Mason in gleich zwei Hollywoodfilmen der Nachkriegszeit spielte.

    Aber jeder Mensch und damit auch jeder Funktionsträger in einem Unrechts-Regime hat ein Innenleben, das sein Handeln zumindest teilweise erklärt. Welche Motive hatte Rommel? Diese Frage bleibt hier trotz Tukurs engagierter Darstellung unterbelichtet. Verdrängte Schuld, aber auch Gier nach den Privilegien des Regimes entdeckt Autor und Regisseur Niki Stein allenfalls bei Rommels Ehefrau Lucie (Aglaia Szyszkowitz). Sie erinnert daran, dass ihre Villa einmal ein jüdisches Schullandheim war – und will den herrlichen Besitz unter keinen Umständen wieder hergeben. Bei Stein erfährt man nichts davon, dass Rommel äußerst ehrgeizig war und Hitlers Eroberungsdrang als willkommenen Schub für seine glänzende militärische Karriere sah. Den Hang des „Wüstenfuchs" zur Selbststilisierung, die ihn zum idealen Vehikel für Goebbels‘ Propaganda machte, negiert der Regisseur sogar. Ohne Zugang zum Menschen Rommel aber gibt es weder emotionale Anteilnahme noch vermag man die Komplizenschaft mit dem Verbrecherregime zu verstehen – und eine eigene Haltung dazu zu gewinnen.

    Während die spannenden Fragen nach dem Wesen und dem Innenleben der Titelfigur und ihrer Zeit weitgehend ungestellt bleiben, werden äußere und äußerliche Reize fast schon aufdringlich in den Vordergrund gerückt. Die Kamera von Arthur W. Ahrweiler („Tatort") kann sich gar nicht sattsehen an reich dekorierten Uniformen und bedeutungsvollen Blicken aus den Augenwinkeln, an altmodischen Telefonen und bedenkenträgerischen Generalsgesichtern, am schwungvollen Treppenerklimmen schneidiger Jungoffiziere und zackigen Grüßen. Wer die Geschichte des Zweiten Weltkriegs nicht gut kennt, bekommt dabei noch nicht einmal mit, dass Deutschland einen Angriffskrieg entfesselt hat. Im Gegenteil, denn in den actiongeladenen Kampfsequenzen erscheinen die deutschen Soldaten egal welchen Ranges immer nur als Opfer. Ihr fatalistisches Sterben wird zudem meist in hellem Tageslicht und äußerst berührend ausgemalt, während das tödliche Schicksal alliierter Gegner oder zur Exekution bestimmter französischer Dorfbewohner bevorzugt im Dunkel der Nacht seine Vollendung findet. Ganz zu schweigen von den Juden, deren furchtbare Drangsalierung und Tötung nur in verschwommenen Fotos und angedeuteten Berichten vorkommt. Hier setzt Stein fragwürdige Akzente, die einen schalen Beigeschmack haben.

    Fazit: Ulrich Tukur brilliert mit einer neuartigen Deutung Rommels. Doch der Blick ins Herz der Titelfigur bleibt dem Zuschauer dennoch verwehrt, da Regie und Drehbuch nur an der Oberfläche bleiben. „Rommel" bleibt deshalb Geschichtsbebilderung ohne Erkenntnisgewinn.
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