„You have a metal arm? That is AWESOME, dude!“
Der Marvel-Hype ist 2026 langsam aber sicher weg. Zu viele Filme haben nicht überzeugt und enttäuscht. Doch auch damals, in der Hochphase, waren viele der MCU-Filme eher mau. Phase 1 und 2 hatten richtig langweilige und uninspirierte Storys, während der erste „Avengers“-Film oftmals alle Helden im Team mit deutlich mehr Esprit zeigen konnte. 2015 jedoch enttäuschte auch der zweite „Avengers“-Film („Age of Ultron“) und plötzlich war das Vertrauen in Marvel wieder dahin. Das konnte auch „Ant-Man“ (ebenfalls 2015) nicht ändern. Phase 3 musste also vieles richten und das tat sie auch. Sie begann mit einem der wohl besten Marvel-Filme: „Captain America – Civil War“ von 2016. Und ja, ich weigere mich die „deutsche“ Übersetzung („The First Avenger“) zu benutzen! Der dritte Cap-Film versprach eine der ikonischsten Storylines der Comics, zudem gab es die ersten Auftritte von Black Panther und dem neuen Spider-Man. Im Grunde war dies der wahre, nächste Avengers-Film, denn es ging dieses Mal nicht um einen klischeehaften Bösewicht, der die ganze Welt vernichten will, sondern um den Kampf innerhalb der Avengers. Und während viele den Spaß ihres Lebens hatten als die großen Helden gegeneinander kämpften, allen voran Cap und Iron Man, lieferte der Film ein bisher nicht dagewesenes Drama, das bis heute wirklich gut funktioniert. „Civil War“ ist mittlerweile zehn Jahre alt, aber nach wie vor einer der besten Filme im MCU, zumindest für mich.
Die Avengers müssen sich nach den Zwischenfällen in Sokovia („Age Of Ultron“) mit der Tatsache auseinander setzen, dass die Regierung die Selbstjustiz der Superhelden nicht mehr toleriert. Entweder arbeiten die Avengers mit der Regierung oder müssen ihre Organisation aufgeben. Diese Entscheidung spaltet die Truppe, angeführt von Captain America alias Steve Rogers und Iron Man alias Tony Stark. Und dann taucht plötzlich der Winter Soldier wieder auf und tötet offenbar unkontrolliert Menschen...
Zum ersten Mal scheint es wirklich Konsequenzen im MCU zu geben. Die ausartenden Schlachten der Avengers gegen ihre Feinde haben viele zivile Opfer gefordert und das erkennt dieser Film nicht nur an, sondern macht daraus ein zentrales Dilemma. Ein Dilemma, das sich im ersten „Avengers“ und „Age of Ultron“ schon an leicht angedeutet hat. Dass sich Steve Rogers und Tony Stark nicht immer einig sind, war immer klar, doch hier verwandelt sich diese Abneigung endlich in eine waschechte Tragik. Und auch der Rest des Teams bleibt nicht außen vor: Jeder hat seine Position und jede dieser Positionen ist nachvollziehbar.
Dabei fühlen sich alle Figuren so viel echter an als in ihren Solofilmen. Tony Stark ist das Paradebeispiel, denn das hier ist irgendwie auch der wahre dritte „Iron Man“-Film. Selbst Ant-Man ist großartig eingesetzt und hat einen der besten Momente im Film. Und dennoch steht Steve im Zentrum mit seiner Beziehung zu Bucky alias dem Winter Soldier und seiner Freundschaft mit Sam. Die Regie übernahmen zudem wieder die Russo Brüder, die schon „Winter Soldier“ drehten und damit frischen Wind ins MCU brachten. Und auch hier schufen sie einen packenden Superhelden-Thriller, der trotz der humorvollen Momente viele intensive Szenen bietet.
Die Einführung der beiden neuen Helden ist ebenfalls gelungen: T’Challa als Black Panther wird gut in die Hauptgeschichte eingebunden, auch wenn der Grund für seine Motivation im Film etwas lasch inszeniert wurde. Viele waren aber natürlich gespannt auf die neue Interpretation von Spider-Man. Dieser wurde das erste Mal von Tom Holland verkörpert und das wirklich stark. Zum ersten Mal war Spidey ein Kind, das nicht wusste, wo es gerade im Leben steht. Nur Parkers Herz ist am rechten Fleck und motiviert ihn das Kostüm anzulegen. Dabei verzichtet der Film zum Glück auf die dritte Onkel Ben-Storyline und machte in den nächsten Jahren etwas Eigenes daraus. Es war trotzdem kurios nach Tobey Maguire und Andrew Garfield die dritte Version von Spier-Man zu sehen, und das innerhalb von nur 14 Jahren. Holland sollte aber der bis heute erfolgreichste Spidey werden, immerhin kommt ein vierter „Spider-Man“-Film bald in die Kinos, womit Tom Holland von allen drei Peter Parkern die längste Zeit auf der Leinwand verbrachte. Ob er auch der beste Peter Parker/Spider-Man ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich finde nach wie vor Tobey am besten, aber Holland ist definitiv eine sehr sympathische und tolle Neuinterpretation.
Auch der restliche Cast macht seine Sache gut: Sebastian Stan als Bucky gefällt mir und besonders Robert Downey Jr. darf mal wieder etwas mehr von seiner Schauspielkunst zeigen. Erstaunt war ich auch von Daniel Brühl als Antagonist Zemo, der einen sehr intimen Bösewicht abgibt, bevor Marvel seine Figur in „The Falcon and the Winter Soldier“ teilweise ruiniert hat.
Die Action ist wirklich stark, viele beeindruckende Stunts, eindrucksvolle Kampfchoreos und vieles davon ohne viel CGI. Wenn der Film CGI nutzt, ist es nicht immer perfekt, was in späteren Filmen leider noch schlimmer werden sollte… Doch am Ende sieht alles gut aus und wenn die Story mitreißt, verzeihe ich ein paar optische Aussetzer deutlich eher. Im Fokus steht vor allem die Kreativität der Kämpfe, besonders beim großen Flughafen-Battle. Nach wie vor eine der besten Actionszene im MCU, weil nicht nur die Kämpfe gut umgesetzt sind, sondern auch die Figuren mit ihren Motivationen.
Etwas schwach ist leider wieder der Score von Henry Jackman, der mit „Winter Soldier“ schon gezeigt hat, dass er nicht unbedingt der Richtige für den Job ist. Im Film selbst funktioniert seine Musik ganz gut, aber gerade als alleinstehender Soundtrack fällt auf, wie leblos der Score ist. Und gerade ein Aufeinandertreffen der Avengers hatte so viel Potential für die verschiedenen Themen der Charaktere, aber das ist bei Marvel leider schon immer ein Problem gewesen.
Fazit: „Captain America – Civil War“ ist trotzdem der bis dato beste MCU-Film, da es endlich mal um mehr geht als nur um „guter Superheld gegen bösen Bösewicht“. Die Figuren fühlten sich endlich mal nicht nur nach einfachen Superhelden an und auch die Grundstory ist spannend und mitreißend. Selbst das große Marketing (Team Cap Vs Team Iron Man) ergab Sinn und fasste den Konflikt spielend, aber passend um. Dazu kommen starke Action, neue Gesichter und trotzdem gute Pointen. Die Russo-Brüder hatten den Dreh offenbar raus und wurden zurecht angeheuert die beiden finalen „Avengers“-Filme zu drehen!