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    Mary - Königin von Schottland
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Mary - Königin von Schottland
    Von Michael Meyns
    „Eine Königen, die drei Reiche verlor, eine Ehefrau, die drei Männer verlor, eine Frau, die ihren Kopf verlor“ heißt es auf dem Plakat von Thomas Imbachs Historienfilm „Mary – Königin von Schottland“, womit gleichermaßen alles und nichts verraten ist. Die historische Figur der Maria Stuart hat schon viele Autoren, Dramatiker und Filmemacher inspiriert und ist dadurch auch zu einer Person geworden, die jenseits der historischen Realität immer wieder als Projektionsfläche dient. Auch darum geht es in diesem Werk des Schweizer Regisseurs, der oft nur das Gesicht seiner überzeugenden Hauptdarstellerin Camille Rutherford („Blau ist eine warme Farbe“) in Großaufnahme zeigt. Das medial Vermittelte dieses Porträts, das hauptsächlich auf Stefan Zweigs historischem Roman „Maria Stuart“ basiert, wird dadurch unterstrichen, dass weite Teile des Films aus vorgelesenen Briefen bestehen. Hier wird eine bewusste Nähe zur Literatur erzeugt und ein deutlicher Kontrast zu einem handelsüblichen Kostümfilm mit seiner ausgestellten Opulenz.
     
    In jungen Jahren ist die 1542 geborene Mary Stuart (Camille Rutherford) zwar schon Königin von Schottland, lebt aber als Frau des zukünftigen dortigen Monarchen in Frankreich. Doch ihr Gemahl stirbt und Mary kehrt in ihre Heimat zurück. Ihren zweiten Mann Darnley (Aneurin Barnard) lässt sie nach kurzer Zeit ermorden, um frei für ihre große Liebe, den Earl of Bothwell (Sean Biggerstaff) zu sein, doch die leidenschaftliche Tat trägt ihr den Hass des Adels ein. Hilfesuchend wendet sie sich an ihre entfernte Cousine Elizabeth, die gerade zur Königin von England gekrönt wurde, ein Titel, auf den auch Mary ein Anrecht hatte. Doch die protestantische Elizabeth will der katholischen Mary nicht helfen und setzt sie stattdessen unter Hausarrest, wo Mary Stuart bis zu ihrer Hinrichtung 1587 in einem goldenen Käfig leben wird.


    Entlang dieser historischen Fakten erzählt Thomas Imbach seine Geschichte, die immer wieder wie ein Gegenstück zu „Elizabeth“ und „Elizabeth - Das goldene Königreich“ wirkt, Shekhar Kapurs Filmen über die englische Königin, die Cate Blanchett zwei Oscar-Nominierungen einbrachten. Im zweiten Film war die von Samantha Morton gespielte Mary Stuart eine Nebenfigur, eine Rivalin, aber auch ein Spiegelbild von Elizabeth, die sich zur jungfräulich weißen Königin stilisierte. Bei Imbach nun ist Elizabeth stets präsent, aber nie zu sehen. Allein auf Gemälden ist ihr Antlitz zu erblicken, dazu sieht man sie als Puppe in einem Puppenspiel, mit dem die sich wandelnde Beziehung der Halbschwestern wie von einem griechischen Chor kommentiert wird. Daneben lässt uns Imbach immer wieder über ihre Briefe an der Gedankenwelt seiner Heldin teilhaben - hauptsächlich sind es mit bebender Stimme vorgelesene Schreiben an Elizabeth. In ihnen berichtet Maria von ihrem Leben und von ihren Liebschaften, die schließlich ihren Untergang besiegeln.

    Ebenso wie in „Elizabeth“ 1998 geht es nun auch in Thomas Imbachs „Mary – Königin von Schottland“ um eine Frau unter Männern, eine Frau, die durch die Erbfolge in eine Position kommt, die sonst nicht nur im 16. Jahrhundert meist von einem Mann besetzt wurde und wird, eine Frau, die zwischen ihrer öffentlichen und ihrer privaten Rolle zerrieben wird. Doch so spannend diese feministische Figur, die in einer geradezu archaischen, vom Adel, dem Klerus und durch Kriege geprägten Welt ihren Platz finden muss, auch ist, letztlich bleiben die interessantesten Aspekte von „Mary – Königin von Schottland“ – die Charakterstudie, die Gesellschaftsanalyse, die Medienreflexion –  weitgehend in den Ansätzen stecken und der Film erweist sich dann doch in erster Linie als illustratives Kostümdrama.

    Fazit: Mit seinem Historienfilm „Mary – Königin von Schottland“ präsentiert uns Thomas Imbach seine Version einer der berühmtesten Frauenfiguren der Welt- und Literaturgeschichte. Dabei gewinnt er der von der jungen Camille Rutherford eindringlich gespielten Maria Stuart allerdings kaum neue Facetten ab.
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