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    Bayala - Das magische Elfenabenteuer
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Bayala - Das magische Elfenabenteuer

    Ein Film wie aus Plastik

    Von Karin Jirsak
    Alles, was Mädchenherzen zwischen 5 und 8 Jahren begehren!“ Das will das traditionsreiche Spielzeugunternehmen Schleich mit seiner ballerbunten Plastiktraumwelt mit dem Namen bayala (kleingeschrieben, weil brand awareness) bieten. Nun kommt mit „bayala - Das magische Elfenabenteuer“ auch noch ein 85-minütiger Werbeclip für den Kitschfigurenkosmos hinterher. Sowas kann ja durchaus funktionieren (siehe „The LEGO Movie“), tut es aber meistens trotzdem nicht (praktisch alle anderen Filme, die auf Spielzeug-Lizenzen basieren, zuletzt „Playmobil – Der Film“). Die gute Nachricht: Das von Federico Milella und Aina Järvine inszenierte Endprodukt dieser marketingstrategisch begründeten Filmidee ist nicht ganz so rosa, wie es sich erst mal anhört. Und es gibt auch eine Story um die Figürchen und ihre teils ebenfalls käuflich erwerbbaren Fantasie-Habitate. Die ist zwar weder spannend noch originell, tut aber auch keinem weh.

    Ein rätselhaftes Pflanzensterben überschattet die Krönungszeremonie der Sonnenelfenprinzessin Eyela. Der Fund eines Dracheneis bringt neue Hoffnung: Mit ihrer Magie könnten die fast ausgestorbenen Drachen die Elfenwelt bayala vielleicht noch retten. Begleitet vom Schattenelfenjungen Jaro machen sich Eyelas Schwestern Surah (Sprecherin: Josefine Preuß) und Sera deshalb auf eine abenteuerliche Reise, um die letzten Drachen zu finden, während Königin Eyela im Sonnenelfenland ein großes Drachenfest organisiert, das die verfeindeten Elfenvölker von bayala wieder versöhnen soll. Doch die böse Schattenkönigin Ophira setzt alles daran, um die Pläne der Sonnenelfen zu durchkreuzen…

    Zwei Schwestern erleben ein Abenteuer.


    Während Surah und Sera in einem kindgerechten Fantasy-Plot ohne nennenswerte Höhepunkte durch das Kitschwunderland bayala ziehen, gerät der parallele Handlungsstrang im Sonnenelfenland noch langweiliger. Immer wieder sehen wir die frisch gekrönte Sonnenelfenkönigin Eyela in ihrem Blütenpalast verschiedene Vertreter der anderen Elfengattungen empfangen und hören deren Ratschläge, wie das magische Drachenfest denn nun am besten zu organisieren sei. Auf diese Art lernen wir zwar die Schleich-Produktpalette in aller übersichtlich abwechslungsreichen Ausführlichkeit besser kennen, ansonsten passiert an diesem Schauplatz allerdings nichts.

    Harry Potter mit Elfen


    Leidlich spannender fällt das Abenteuer von Surah und ihrer Zwillingsschwester Sera aus, die sich mit ihren Gefährten auf die Suche nach den Eltern des schon halb geschlüpften Drachenbabys machen. Mit von der Partie sind ein Waschbär, ein Papagei und ein Wolf, drei ganz niedlich animierte tierische Begleiter, die immerhin für ein paar heitere Momente sorgen. Die Bedrohung des Pflanzensterbens spielt unterwegs hingegen keine Rolle mehr. Gerade hier hätte man zumindest etwas mehr an Substanz herausholen können, indem man zum Beispiel gleich auch noch ein paar Grundlagen über Umwelt- und Artenschutz vermittelt.

    Diese Chance wird aber links liegen gelassen zugunsten einer spätestens seit „Harry Potter“ eigentlich auserzählten Geschichte über die Frage, ob Magie, die meist von den Bösen ausgeübt wird, auch für gute Zwecke eingesetzt werden kann, beziehungsweise ob die Guten zwangsläufig böse werden, wenn sie in den (unfreiwilligen) Besitz dieser Magie kommen. So geht es nämlich Surah, die – seitdem sie einige Zeit als Gefangene der bösen Schattenkönigin Ophira im Schattenelfenland gelebt hat – Schattenelfenflügel statt Sonnenelfenflügel trägt. Eine Identitätskrise der elfischen Art.

    Tierische Sidekicks dürfen natürlich nicht fehlen.


    Die Bösen kommen hier sehr harmlos daher, sodass auch die Kleinsten keine Alpträume bekommen dürften und sind – was im Fantasy-Bereich ja auch nicht selbstverständlich ist – immerhin nicht durch ihre Volkszugehörigkeit definiert. Schatten- und Sonnenelfen sind nämlich nur verfeindet, weil die fiese Ophira aus Machtgeilheit einen Keil zwischen die beiden Völker getrieben hat, ihre Untertanen sind aber im Grunde genauso okay wie die Sonnenelfen, wie wir schließlich erfahren. Gleich zweimal wird die völkerverbindende Botschaft dann auch noch in einer Art bayala-Leitgebet ausformuliert, das sich auf das Fazit „Wir sind alle unterschiedlich, aber gehören doch zusammen“ eindampfen lässt.

    Der magische Funke springt bei all den guten Absichten aber trotzdem zu keinem Zeitpunkt über, auch wenn das Wort „Magie“ im Film noch so oft wiederholt wird. Das liegt vor allem daran, dass die eher an Konsolenspiele erinnernde Animation durch ihre dem Plastik-Spirit der Vorlage entsprechende Künstlichkeit mehr zusätzliche Distanz schafft, statt den Zuschauer in die versprochene fantastische Welt zu entführen.

    Fazit: Künstlich, kitschig, langweilig – ein überdimensionierter Schleich-Werbespot, der trotz gut gemeinter Botschaft so viel Seele und Magie verströmt wie ein bunter Haufen Plastik.

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