Eins vorweg: OSCAR-Preisträger Guillermo Del Toro ist ein sehenswerter Neo-Noir-Film gelungen, der die Schwarze Serie Hollywoods geschickt ans Publikum der Gegenwart heranführt. Und doch...fehlt etwas, dass das Herz berührt und den Atem stocken lässt. Schon klar, wir sehen Menschen dabei zu, wie sie falsche Entscheidungen fällen. Wir erleben Aufstieg und Fall eines Blenders, der von OSCAR-Anwärter Bradley Cooper hervorragend gespielt wird. Eine grandiose Besetzung tut das Ihrige, um die "Gasse der Alpträume" zum Funkeln oder Erlöschen zu bringen. Hervorgehoben seien vor allem die drei grandiosen Frauenrollen, die von OSCAR-Preisträgerin Cate Blanchett, GOLDEN-GLOBE-Gewinnerin Toni Collette und OSCAR-Anwärterin Rooney Mara gegeben werden.
Und doch fehlt etwas im Zentrum dieser Geschichte. Natürlich hat Del Toro auch mit seinem OSCAR-Triumph SHAPE OF WATER nicht mehr ganz die Qualität seines spanischsprachigen Klassikers PANs LABYRINTH erreicht. Aber er hatte die wunderbare Sally Hawkins in der Hauptrolle. Auch die Zweiteilung von NIGHTMARE ALLEY in einen Teil auf dem Rummelplatz und einen in der Stadt Buffalo ist es nicht, die sich störend auswirkt. Es fehlt etwas anderes.
In den Klassikern der Schwarzen Serie gab es immer eine Nebenfigur, die die Aufrichtigkeit und Ordnung repräsentierte und durch die die Fallhöhe des strauchelnden Protagonisten noch stärker verdeutlicht wurde. Im PARAMOUNT-Klassiker FRAU OHNE GEWISSEN (1944) wurde diese Figur von Edward G. Robinson gespielt, im RKO-Kracher GOLDENES GIFT (1947) von Dickie Moore. Das ist es, was in NIGHTMARE ALLEY fehlt. Es reicht nicht aus, dass wir Bradley Coopers Charakter schon von Anfang an als "Geek" erleben können, um uns mitten ins Herz zu treffen. Ein Ausweg in Form eines Freundes hätte zumindest in Aussicht sein müssen. So ist das Scheitern unaufhaltsam und lässt den Zuschauer allzu unberührt.
Leider war NIGHTMARE ALLEY auch im Box Office (Umsatz: 39 Mio. USD) nicht besonders erfolgreich, auch in den deutschen Kinos wurden nur 85.000 Tickets verkauft. Sicher enttäuschend für Hollywood-Major DISNEY und Fox Searchlight Pictures. Das hat der Film wahrlich nicht verdient, er ist sehenswert. Und außerdem ist nach der Desillusionierung, die Millionen Menschen in den vergangenen drei Monaten erlebt haben, die Zeit eigentlich reif für ein Aufleben der Schwarzen Serie.