Evil Dead Rise
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FILMGENUSS
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3,5
Veröffentlicht am 31. Mai 2026
DIE VOLLKOMMENE DESTRUKTION DER MENSCHLICHEN PHYSIS
von Michael Grünwald /

Das wirklich Gruseligste an Lee Cronins Wiederbelebung von Sam Raimis bitterbösem Dämonenspuk ist nicht etwa das schauerliche Grinsen der von eben jenen transdimensionalen Destruktoren heimgesuchten und zweckentfremdeten Alyssa Sutherland, obwohl den Make Up-Künstlern hiermit eine Sternstunde ihrer Arbeit gelingt.

Wann das Grauen das limbische System kitzelt

Schon gar nicht sind das Gruseligste all die tödlichen Wunden, die einem ganzen Stockwerk an Hausparteien nacheinander zugefügt werden. Das Gruseligste wohnt einer Schallplatte unbekannten Titels inne, welche die Stimme eines Priesters aus dem Jahre 1923 ertönen lässt – und auch dann nur verständlich ist, wenn man mit dem Finger die Geschwindigkeit der sich drehenden Scheibe dementsprechend reguliert – wie ein Okkult-DJ, den die Neugier packt.

Diese Stimme, die Countenance bewahren muss, um der Nachwelt Bericht zu erstatten, die am Ende der dritten Pressung mit dem Nerven am Ende scheint und zugeben muss, das nichts, aber auch gar nichts das Böse wieder in seine Schranken weisen kann – bei diesem „Found Footage“ kann es zarteren Gemütern schon anders werden. Aber auch Gemütern, die längst nichts mehr dabei empfinden, wenn der Gorehound zubeisst, deren limbisches System aber die Angst kitzelt dank einer undeutbaren, unbekannten, seltsamen Bedrohlichkeit, die im Kontext antiquarischer Überbleibsel in blutdrucktreibender Gothic-Manier für angenehm-unangenehme Schauer sorgen, gefüttert und verstärkt durch Erinnerungen womöglich aus der Kindheit.

Nimm dir doch ein Buch!

Mit dieser Art und Weise des Umgangs mit den „Bösen Toten“, die noch dazu im Menschenhaut-Almanach des Necronomicon in feinsten, mit Rötelstift ausgearbeiteten Illustrationen zum begehrten Sammlerobjekt werden, will sich Lee Cronin (Lee Cronin’s The Mummy) aber nicht länger aufhalten. Obwohl gerade dieser Aspekt das Interessanteste gewesen wäre.

Doch ergründen wollte Sam Raimi seine chaosstiftenden Entitäten aus der Höllendimension schon damals nicht. Buch und Beschwörung reichen zu genau jenem Zweck, diesen ganz speziellen und unzimperlich-deftigen Horror-Workshop zu eröffnen, für den Fingerspitzengefühl ein Fremdwort ist und wo das Eingemachte, an das es gehen soll, zum launig vertilgbaren Überschuss wird.

Das Böse kommt in die Stadt

Von der „Cabin in the Woods“, dessen vermeintliches Geheimnis Drew Goddard in seiner satirischen Hommage desselben Titels ans Licht brachte, reist dasschreckensgeeichte Publikum einen Tag zurück in urbane Gefilde, in ein heruntergekommenes Mietshaus in Los Angeles, in dem Ellie (furchteinflößend: Alyssa Sutherland) mit ihren drei Kindern lebt, und die auch an diesem alles verändernden Abend Besuch von ihrer im Chaos dahinlebenden Schwester Beth bekommt.

Anscheinend muss das Böse erst an die Tür klopfen, damit einem selbst die eigenen Qualitäten bewusst werden. Beth nimmt also die Rolle des Kettensägen schwingenden Ash ein – damals Bruce Campbell: mit strahlendem Intellekt, der nötigen Portion Überlebenswillen und gutem Magen.

Die neue „Ash“?

Zu viel um die eigene Familie trauern darf man dabei nicht, das Leben – oder Überleben – geht weiter. Und so erwehrt sich Lily Sullivan, die absolut das Zeug dafür hat, in diesem Franchise immer wieder mal als Heroine aufzutauchen, die weiß, wo es langgeht, der ungebändigten Lust am Vernichten, die von ungesund aussehenden, ehemals Vertrauten ausgeht.

Zeter und Mordio

Dabei wird Evil Dead Rise nach ungefähr einer halben Stunde zum munter drauflos metzelnden, ausgeprägt mechanischen Kraftakt, der die Physis menschlicher Körper bis zur Vollkommenheit kaputtmacht. Ein Film also, der die Zerstörung feiert, die Häme und den ganzen Shitstorm, der in den Sozialen Medien immerwährend wütet, der aber diesmal über die Lippen von Leuten kommt, bei denen man es nie für möglich gehalten hätte, das sie so etwas sagen würden.

Cronin weiß – er darf beim „Tanz der Teufel“ nur nicht zipoenters The Thing genauso inspirieren wie von Stanley Kubricks Shining, dazwischen isoliert er seinen monströsen Schauplatz wie in Stirb Langsam von der Außenwelt.

Zwischen den Zahnrädern

Evil Dead Rise macht vorallem technisch vieles richtig, doch was der Reißer nicht schafft, ist, Emotionen zu erzeugen. Als liefe Chaplin in Modern Times Gefahr, zwischen den Zahnrädern einer monströsen Maschine zermalmt zu werden, muss Lily Sullivan und jene, die es zumindest bis zur Halbzeit des Films geschafft haben, nicht besessen zu werden, zusehen, dass ihnen dieses Schicksal ebenfalls nicht blüht.

Krawall-Horror ohne Zwischentöne

Alle anderen werden verwurstet, in apokalyptischen Bildern, die den Nihilismus eines H. P. Lovecraft atmen, ihre Wirkung zwar nicht verfehlen, aber das bleiben, was sie sind: Eine entfesselte Wut-Orgie, in sprudelnd-schäumendes Rot getaucht, mit kreativen Ideen, die aber mit Suspense wenig anfangen kann, dafür aber kurios genug ist, um Zwischentöne gar nicht erst zu vermissen.

Evil Dead Rise ist Krawall, der alles, was in seine Finger gerät, instrumentalisiert. Das ist harte Kost, und doch von einem anpassungsfähigen Pragmatismus geprägt, der die Geschehnisse betrachtet, als wären sie eine spektakuläre Naturkatastrophe oder eine maschinelle Dysfunktion, die einen selbst (zum Glück) nicht betrifft.


Mehr Reviews und Analysen gibt's auf !
tomas tam
tomas tam

1 Follower 43 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 19. April 2026
Geile Blutgrätsche, kurzweilig spannend und auch Brutal. Die Horrormuddi is bestens besessen. Flasche Rotwrin auf und der Spaß kann beginnen. Horrorperle.
Thomas Z.
Thomas Z.

139 Follower 653 Kritiken User folgen

2,5
Veröffentlicht am 18. November 2025
Lee Cronin versucht sich nach seinem durchwachsenen Debut "Hole in the Ground" am Evil-Dead-Franchise. Das gelingt ihm eine gute Stunde durchaus passabel. Starke Optik, solides Acting zumindest der beiden Hauptdarstellerinnen, guter Spannungsbogen und krasse Gewaltspitzen sorgen für angenehm wohliges Horror-Feeling. Die letzten gut 25 Minuten versucht Cronin die Eckpunkte der exzessiven Gewaltdarstellung neu zu definieren und vernachlässigt das Storytelling auf unverzeihliche Art und Weise. Das wirkt irgendwann nur noch grotesk und daher beliebig, es langweilt und nervt mitunter, weil der Spannungsfaktor völlig abhanden kommt.
Unterm Strich sehr schade, weil ja durchaus Substanz vorhanden war. Leider leichtfertig verspielt.
Phil 310,15 K
Phil 310,15 K

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3,5
Veröffentlicht am 26. Oktober 2025
"Evil Dead Rise" wagt einen Sprung in der Reihe und zieht die Handlung von der altbekannten Waldhütte in die Großstadt, wobei von der Großstadt im Film so gut wie gar nichts gezeigt wird. Die Handlung fokussiert sich nämlich auf die Bewohner eines Stockwerks innerhalb eines alten Hochhauses. In diesem Stockwerk lernen wir zu Beginn die Bewohner kurz kennen, die noch in diesem Stockwerk wohnen bevor es zum Abriss des Gebäudes in naher Zukunft kommen soll. Darunter befindet sich eine 5 köpfige Familie, dessen Lebensstil sich in der nächsten Stunde drastisch ändern wird, denn das Böse lungert ganz nah und wartet nur darauf freigelassen zu werden.

Die Größte Schwäche von "Evil Dead Rise" ist meiner Meinung nach die Story. Diese weist häufig Logifehler auf, ist vor allem zu Beginn des Films kreativlos und erfindet kurzgesagt das Rad nicht neu. Für ein Horrofilm ist das meist nicht schlimm, dennoch empfand ich aufgrund der Länge der Charaktereinführungen Langeweile im ersten Drittel des Films. Hiermit ist jedoch nicht die Introsequenz gemeint, die war ich voll korall.

Spätestens wenn der Horror im zweiten Drittel loslegt, gerät die Handlung in den Hintergrund und Horror und Gore nehmen Überhand. Es wurde blutig, brutal, eklig und dank des Settings auch klaustrophobisch. "Evil Dead Rise" ist der zweite große Film von Regisseur Lee Cronin und dieser ließ die Teufel taktfrei und ohne Rücksicht auf Verluste tanzen! Und hierfür muss ich die Schauspieler loben! Insbesondere Alyssa Sutherland in der Rolle der Mutter macht eine Menge Spaß.

"Evil Dead Rise" sieht wertig aus und brillierte mehrmals mit tollen Kamerashots sowie mit Licht und Schattenspiele. Dennoch fällt auf, dass hier mehrmals CGI eingesetzt wurde. Gerade bei der Reihe "Evil Dead" hätte ich mir einen größeren Fokus auf praktische Effekte gewünscht.

Wenn man über das erste Drittel der Geschichte hinwegschauen kann, macht "Evil Dead Rise" schon echt spaß. Meiner Meinung nach kommt er jedoch nicht an den Charme der Sam Raimi Trilogie an. "Evil Dead" 2013 von Fede Alvarez habe ich noch nicht gesehen und kann ich nicht vergleichen. "Evil Dead Rise" bedient sich nicht selten an Elementen der vergangenen Teile und zitiert auch andere Klassiker des Horrorfilms. Easter-eggs-Jäger werden sich beim Zuschauen gut austoben können.
Timmmmeee
Timmmmeee

28 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 23. Oktober 2024
Dieser Film macht richtig Spaß..
Die ersten 20 Minuten dienen zum kennenlernen der neuen, danach geht es richtig zur Sache.
Vor allem die Mutter spielt ihre Rolle wahnsinnig gut, aber auch die Kindee und vor allem die Tante sind richtig gute Schauspieler.
Wer die Evil Dead Filme mag, wird auch diesen Teil wiedee mögen und vor allem rund um Halloween kann man sich den mit ein paar Freunden gut geben.
Sehr starke Effekte,viel Blut und Szenen wo man echt auch mal nicht so genau hinsehen will..
Alles in allem ein klasse Film der auch genau die richtige Länge hat mit 90 Minuten.
Hans im Glück
Hans im Glück

1 Follower 38 Kritiken User folgen

4,0
Veröffentlicht am 25. Februar 2024
"Evil Dead Rise" versteht die Kamera-Dynamik von Raimis Originalen hervorragend und verlegt die Schlachtplatte in einen maroden Wohnblock. Filmhistorisch zwar überflüssig, aber definitiv sehenswert.
King17
King17

26 Follower 592 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 6. Januar 2024
Mir, persönlich, hat der Film sehr gut gefallen. Die Handlung war sehr faszinierend. Es gab gute Jumpscares. Der Horror war der reinste Spaß. Die Besetzung ist TOP! Von Anfang bis zum Ende sehr spannend, horrormäßig und der reinste Spaß. Ein wahrer Horror Blockbuster.
Erb1
Erb1

4 Kritiken User folgen

5,0
Veröffentlicht am 13. Oktober 2023
Heilige Mutter Gottes!
Also Mainstream Horror ist das nicht! Da geht's mehr als ordentlich Krass ab!
Einige Bilder/Szenen sind schlicht grandios. Alleine die Türspion Sequenz ist Fantastisch. Neben den gelungenen Splatterereien und Spezialeffekten ist auch der düstere Humor ein mitgrund für einen der Besten Horrorfilme seit langem.
Timkaehler85
Timkaehler85

6 Kritiken User folgen

2,0
Veröffentlicht am 17. September 2023
Ein solider Slasher, aufgeladen mit Identitätspolitik. Es ist mir ein Rätsel, warum ein derart böses und zynisches Franchise zum Kampfplatz für die „Woke“ Kultur verkommt. Ähnliche Ansätze haben bereits Scream vernichtet.
Meine Kritik daran besteht darin, dass hier sonst nichts Neues erzählt wird, der Film ziemlich unkreativ ist und man sich wieder darauf ausruht, Rollenbilder zu tauschen. Das reicht leider nicht für einen guten Film. Am Ende rettet man nicht die Welt, indem man so tut, als gäbe es keine Männer mehr.
Cursha
Cursha

7.501 Follower 1.067 Kritiken User folgen

3,5
Veröffentlicht am 16. August 2023
Die meisten Horror-Reihen schaffen meist nicht über ihren ersten Teil hinaus bei der Stange zu halten, da in den unzähligen Fortsetzungen der Grad an Langeweile, Dummheit oder Absurdität immer größer wird. Die "Evil Dead"-Filme bzw. "Tanz der Teufel" sind da für mich die Ausnahme. Mit Ausnahme von "Armee der Finsternis" kann ich hier mit jedem Teil was anfangen und schätze die Reihe sowohl in ihren komischen Splattermomenten wie es zu Beginn war oder der ernste und extreme Grad in den neuen Filmen. Mit "Evil Dead Rise" wird das Rad zwar nicht neu erfunden, dennoch macht der fünfte Teil eine Menge Spaß. Während der Film in seinem Prolog noch eine Hommage an die alten Filme liefert, mit dummen Teenagern, die in einer Hütte am See einen Ausflug machen, so ändert der Film später sein Setting vollkommen und zieht in ein Mehrfamilienhaus ein. Dort lernen wir nur sehr grob die Figuren kennen, bevor es schon recht schnell losgeht. Zwar muss man über so manchem Punkt hinwegsehen und sich zum Beispiel fragen, wieso das Necronomicon ausgerechnet an dem Ort versteckt war, oder wieso manche Figuren tun was sie tun, dennoch gleicht die Inszenierung und die Tode das ganze aus. Den auch der fünfte Teil ist nicht zimperlich und liefert heftige Kills, die sich diesmal sogar gegen die Kinder richten und damit eine neue Dimension der Grausamkeit erreichen. Bei all dem ganzen finsteren Setting und dem Grad der Brutalität schafft der Film es dann sogar tatsächlich noch den komischen Aspekt in manchen Szenen unterzubringen, was dann doch wieder etwas den Splatter Effekt der alten Filme einfängt. Hervorheben muss man wieder die Maske, die super aussieht und auch die Inszenierung (besonders das Filmen durch den Türspion ist extrem cool, wie auch verstörend). "Evil Dead Rise" ist eine würdige Fortsetzung und zeigt mit dass die Reihe tatsächlich als einige der wenigen Horrorreihen mich am Ball hält, auch wenn dem Film am Ende eine solche "Heldenfigur" wie Ash in den alten Filmen fehlt, auch wenn sie hier schlicht anders angelegt werden müsste.
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